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Millionen Menschen frierenKrieg in der Ukraine erreicht symbolische Marke – Häme für Russland

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Der russische Präsident Wladimir Putin führt seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fort. (Archivbild)

Der russische Präsident Wladimir Putin führt seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine fort. (Archivbild)

Millionen Ukrainer sind bei Frost ohne Strom, Heizung und Wasser. Der Krieg trifft die Zivilbevölkerung – und erreicht einen historischen Wendepunkt.

Russische Drohnenangriffe haben unter anderem im südukrainischen Gebiet Odessa große Schäden angerichtet. Nach Angaben des Stromversorgers DTEK sind allein dort rund 35.000 Haushalte ohne Strom. Es handle sich um einen schweren Schaden, die Reparaturen würden Zeit benötigen. In der Hafenstadt Odessa trafen die Angriffe ein Objekt der Infrastruktur und ein Wohnhaus, teilte Bürgermeister Serhij Lyssak bei Telegram mit. Zwei Menschen wurden verletzt.

Menschen laden in einem Zelt eines „Punkts der Unbesiegbarkeit“ in Kiew ihre Geräte auf, nachdem russische Raketen- und Drohnenangriffe die ukrainische Energieinfrastruktur getroffen haben.

Menschen laden in einem Zelt in Kiew ihre Geräte auf und suchen Unterschlupf, nachdem russische Raketen- und Drohnenangriffe die ukrainische Energieinfrastruktur getroffen haben.

Die Lage ist in vielen Teilen der Ukraine angespannt. Nach schweren Luftangriffen der vergangenen Tage gibt es in auch Städten wie Kiew und Dnipro kaum noch Strom. Damit fallen auch Heizung und Wasserversorgung aus – bei nächtlichen Temperaturen von bis zu minus 18 Grad. Millionen Menschen sind betroffen.

Großbritannien entwickelt ballistische Rakete für die Ukraine

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe wurden in der Nacht 135 von 156 russischen Drohnen abgeschossen. Dennoch kam es an 18 Stellen zu Einschlägen. Auch ein vergleichsweise kleinerer Angriff hat damit spürbare Folgen für die zivile Infrastruktur.

Während die Angriffe anhalten, kündigt Großbritannien neue militärische Unterstützung für die Ukraine an. Das Verteidigungsministerium in London teilte mit, man wolle eine ballistische Rakete mit kurzer Reichweite für die Ukraine entwickeln. Das Projekt „Nightfall“ soll innerhalb eines Jahres erste Prototypen liefern. Mit einer Reichweite von mehr als 500 Kilometern sollen die Raketen schnelle Schläge gegen wichtige militärische Ziele ermöglichen.

Der britische Verteidigungsminister John Healey sprach von einer Reaktion auf den russischen Einsatz der ballistischen Rakete Oreschnik gegen zivile Infrastruktur. Präsident Wladimir Putin glaube offenbar, „ungestraft Angriffe auf zivile Ziele mit hoch entwickelten Waffen vornehmen zu können“. Großbritannien werde das nicht hinnehmen.

In einem Interview mit „The Telegraph“ sagte Healy zudem, er würde Putin „entführen“, wenn er sich einen beliebigen Staatschef aussuchen könnte. Dann würde er den russischen Präsidenten für seine Kriegsverbrechen zur Rechenschaft ziehen.

Russischer Krieg gegen die Ukraine dauert bald länger als gegen Hitler-Deutschland

Politisch wächst der Druck. Die Grünen-Bundesvorsitzende Franziska Brantner forderte Bundeskanzler Friedrich Merz und die EU auf, entschlossener gegen Russland vorzugehen. Der nötige Druck auf Putin werde nicht aus den USA kommen, sagte sie der „Süddeutschen Zeitung“. Genannt wurden unter anderem die Festsetzung der russischen Schattenflotte und die Nutzung eingefrorener russischer Vermögen.

Der Krieg erreicht unterdessen eine symbolische Marke. Der russische Angriff auf die Ukraine dauert inzwischen genauso lange wie der sogenannte Große Vaterländische Krieg der Sowjetunion gegen Hitler-Deutschland: 1418 Tage. Während die Sowjetarmee damals bis nach Berlin vorrückte, stecke Putins Armee heute „seit Jahren in denselben Dörfern und Städten des Donbass fest“, schrieb die oppositionelle russische Website „Meduza“.

Das Außenministerium der Republik Lettland zog auf der Plattform X eine hämische Bilanz des russischen Krieges: „Die dreitägige ,militärische Spezialoperation‘ Russlands war ein erstaunlicher Erfolg: Russlands großangelegter Angriff auf die Ukraine dauerte nun länger als der gesamte sowjetische Krieg gegen Nazideutschland – ohne jegliche Siege, ohne erobertes Territorium und mit lediglich rund 1,2 Millionen gefallenen russischen Soldaten. Diese Zahl übersteigt die Verluste aller russischen Kriege seit 1945 zusammengenommen. Ein wahrhaft strategisches Meisterstück.“

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach derweil von einem gescheiterten Versuch Moskaus, die Geschichte zu wiederholen. Russische Verluste lägen derzeit bei mindestens 1000 Toten pro Tag. „Damit bezahlt Russland faktisch dafür, dass der Krieg nicht endet“, sagte Selenskyj in einem Video auf X. Während die Front sich kaum verschiebt, trifft der Krieg die ukrainische Bevölkerung weiterhin mit voller Härte. (dpa/afp/sbo)