Kremlchef Putin zeigt sich beim orthodoxen Weihnachtsfest mit Soldaten. Auch Patriarch Kirill I. und Dmitri Medwedew senden klare Signale.
Empörung über GotteslästerungPutin sieht Russland auf „heiliger Mission“ – Medwedew droht USA

Kremlchef Wladimir Putin feiert das orthodoxe Weihnachtsfest zusammen mit Soldaten.
Copyright: AFP
Russlands Soldaten erfüllen in Russlands Krieg gegen die Ukraine nach den Worten von Kremlchef Wladimir Putin eine „heilige Mission“ im Auftrag Gottes. Das sagte der Präsident in der Nacht zu Mittwoch (7. Januar) bei einer orthodoxen Weihnachtsfeier in einer Kirche bei Moskau zu Militärangehörigen und ihren Familien.
In dem vom Kreml veröffentlichten Video wandte er sich zwei Minuten an die etwa zwei Dutzend Anwesenden und erinnerte daran, dass Jesus oft als Erlöser bezeichnet werde. Dieser sei auf die Erde gekommen, um alle Menschen zu retten. „Auch die Soldaten Russlands erfüllen immer – sozusagen im Auftrag des Herrn – diese Mission: die Verteidigung des Vaterlands, die Rettung der Heimat und ihrer Menschen“, so Putin.
Wladimir Putin: Russlands Krieger auf „heiliger Mission“
In Russland habe man die eigenen Krieger zu allen Zeiten auf einer „heiligen Mission“ gesehen, fügte er hinzu. Den anhaltenden russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine erwähnte er dabei nicht direkt. Für seine Botschaft wählte der 73-Jährige eine Kirche, die nach dem Großmärtyrer Georg dem Siegreichen benannt ist.
„Ich möchte sagen, dass ihr mit Recht stolz auf eure Väter und Mütter sein könnt, genau wie wir in unserem Land, in Russland, immer stolz auf unsere Soldaten waren“, hieß es außerdem vom Kremlchef, der Russlands Krieg gegen die Ukraine immer wieder als „göttliche Mission“ darzustellen versucht – und dabei oftmals Unterstützung von Patriarch Kirill I., dem Vorsteher der russisch-orthodoxen Kirche, bekommt.
Patriarch Kirill nutzt Weihnachten für Angriff auf den Westen
Wie auch Putin selbst, war Kirill in der Vergangenheit für den sowjetischen Geheimdienst KGB tätig. In seiner Funktion als Kirchenoberhaupt schlug auch Kirill anlässlich des orthodoxen Weihnachtsfestes, das am 7. Januar gefeiert wird, nationalistische Töne an – und attackierte den Westen.
„Wir akzeptieren nicht, was heute im Westen unter dem Motto ‚Menschenrechte‘ eingeführt wird, was aber in Wirklichkeit auf die Zerstörung der menschlichen Moral abzielt“, zitierte die Staatsagentur Tass den Patriarchen. Russland werde weiterhin, seine „traditionellen Werte“ verteidigen, die von den westlichen Ländern angeblich „vehement abgelehnt“ werden, erklärte das Kirchenoberhaupt – und nutzte damit das Weihnachtsfest ebenfalls für politische Botschaften.
„Legt euch nicht mit Russland an“
Auch der Vizechef des russischen Sicherheitsrates, Ex-Präsident Dmitri Medwedew, nutzt das orthodoxe Weihnachtsfest für eine politische Botschaft, die keine Friedensbereitschaft in Moskau vermittelte. „Frohe orthodoxe Weihnachten, russische Welt“, schrieb Medwedew auf der Plattform X zu einer Grafik mit dem Schriftzug: „Legt euch nicht mit Russland an“.
Medwedew ahmte mit der Bildsprache dabei einen Beitrag des russischsprachigen Accounts des US-Außenministeriums nach. Dort war zuvor eine Grafik in ähnlicher Optik und mit dem Slogan „Legt euch nicht mit Präsident Trump an“ veröffentlicht worden. „Präsident Trump ist ein Mann der Tat. Wussten Sie das nicht? – Jetzt wissen Sie es“, hatte das US-Außenministerium außerdem auf Russisch zu der Grafik geschrieben.
Theologin wirft Wladimir Putin Gotteslästerung vor
Die orthodoxe Theologin Natallia Vasilevich protestierte unterdessen gegen Putins Berufung auf die Mission Jesu Christi. Sie beschuldigte den Kremlchef am Mittwoch der Gotteslästerung. „Die Größe Russlands und der Krieg in der Ukraine sind jetzt Putins wahre Religion“, sagte Vasilevich der Katholischen Nachrichten-Agentur. Die russischen Soldaten hätten die Ukraine angegriffen und besetzt und wollten das Land und seine Identität zerstören.
Putin nutze religiöse Narrative symbolisch, um seine Vision zu untermauern, obwohl sich beide Geschichten widersprächen, führte Vasilevich aus. Die Theologin koordiniert von Bonn aus die ökumenische Initiative „Christen gegen den Krieg“, die die Entwicklung in Russland, der Ukraine und Belarus laufend dokumentiert und sich für Religionsfreiheit stark macht.
Seit 2022 Dutzende Geistliche bei russischen Angriffen getötet
In Russlands Krieg gegen die Ukraine wurden seit 2022 nach Angaben der Initiative auch Dutzende Geistliche getötet. Zuletzt sei am Montag ein ukrainisch-orthodoxer Priester in seiner Pfarrei in der Region Cherson im Südosten der Ukraine durch eine russische Drohne ums Leben gekommen.
Immer wieder kommt es in der Region rund um die ukrainische Stadt zu Drohnenangriffen auf Zivilisten. Die Kriegsverbrechen der russischen Streitkräfte in der Region sind mittlerweile international als „Human Safari“ („Menschensafari“) bekannt geworden.
In dem seit knapp vier Jahren andauernden Krieg wurden laut der Regierung in Kyjiw zudem rund 700 ukrainische Sakralbauten beschädigt oder zerstört. Kremlchef Putin hatte den russischen Angriff auf die ganze Ukraine im Februar 2022 auch mit der Kirchen- und Sprachenpolitik des Kriegsgegners begründet.
„Signal, dass er glaubt, in der Ukraine gewinnen zu können“
Russland-Experten sehen in dem Auftritt des Kremlchefs unterdessen auch ein klares Signal für eine geringe Verhandlungsbereitschaft in Moskau. Putin sei seit „gut einem Jahrzehnt nicht mehr mit seiner eigenen Familie in der Öffentlichkeit aufgetreten“, betonte etwa Max Seddon, Moskau-Korrespondent der „Financial Times“.
Dass der Kremlchef nun an einem Weihnachtsgottesdienst mit Soldaten teilgenommen habe, sei daher „das jüngste, wenig subtile Signal, dass er glaubt, in der Ukraine gewinnen zu können – und kein Interesse an dem von den USA angebotenen Friedensabkommen hat“, schrieb Seddon weiter in einem Beitrag bei X. (mit kna)

