Abo

Konferenz in AnkaraUkrainischer Delegierter schlägt nach Provokationen auf russischen Vertreter ein

3 min
Ein Mann hält eine ukrainische Flagge in der Hand. Wegen einer solchen Flagge ist ein Streit in Ankara wegen Diplomaten aus Russland dund der Ukraine eskaliert (Symbolbild).

Ein Mann hält eine ukrainische Flagge in der Hand. Wegen einer solchen Flagge ist ein Streit in Ankara wegen Diplomaten aus Russland dund der Ukraine eskaliert (Symbolbild).

Kriegssymbolik, Handgemenge, Fahnenklau – und Schläge: Ein Streit zwischen ukrainischen und russischen Delegierten ist eskaliert.

Im Rahmen einer Veranstaltung der Parlamentarischen Versammlung der Schwarzmeer-Wirtschaftsgemeinschaft ist es in Ankara zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen einem ukrainischen Deligierten und einem russischen Vertreter gekommen sein.

In den sozialen Medien tauchte am Donnerstag ein Video auf, dass den ukrainischen Abgeordneten Oleksandr Marikovskyi dabei zeigt, wie er den Sekretär der russischen Delegation, Valery Stavitsky, ins Gesicht schlägt, nachdem dieser ihn zuvor provoziert hatte. Marikovskyi hat den Vorfall inzwischen ebenso bestätigt wie die russische Nachrichtenagentur Tass.

Streit zwischen russischem und ukrainischen Delegierten eskaliert bei Konferenz in Ankara

Zunächst hatte Jason Jay Smart, Sonderkorrespondent der Kyiv Post und politischer Berater, das Video auf Twitter verbreitet. Unmittelbar nach dem Hochladen ging der Clip viral und wurde bis Freitagmorgen rund fünf Millionen Mal aufgerufen.

Wie auf dem Clip zu sehen ist, entreißt ein, laut den Angaben von Smart, „Vertreter Russlands“ dem ukrainischen Abgeordneten dessen Landes-Flagge während der Konferenz in der türkischen Hauptstadt. Daraufhin gerät Marikovskyi außer sich, verfolgt den deutlich älteren Mann und schlägt auf ihn ein, um sich die Fahne zurückzuholen.

Schläge auf Konferenz nach Fahnenklau: Aktion hatte Vorgeschichte

Die beiden werden vom herbeieilenden Sicherheitspersonal getrennt, die Auseinandersetzung geht fortan verbal weiter. Marikovskyi teilte das Video am Donnerstag selbst mit seinem Facebook-Account. „Pfoten weg von unserer Flagge, Pfoten weg von der Ukraine, russischer Bastard“, schrieb er dazu.

Die Aktion war nur der Gipfel der Streitigkeiten zwischen ukrainischen und russischen Delegierten bei dem Treffen in Ankara, das von Provokation beider Seiten geprägt war. Denn bereits zuvor hatte es rund um die Rede der Duma-Abgeordneten Ola Timofejewa Wirbel gegeben. Timofejewa steckte sich laut Medienberichten das St.-Georgs-Band, ein Symbol für die russische Aggression, an ihren Blazer.

Russischer Sekretär soll laut Angaben aus Moskau im Krankenhaus behandelt werden

Teile der ukrainischen Delegation protestierten daraufhin, indem sie sich demonstrativ mit zwei ausgebreiteten Ukraine-Flagge neben sie stellten – was wiederum ein Handgemenge auslöste, wie Videos in den sozialen Medien bezeugen. Medienberichten zufolge soll die ukrainische Delegation daraufhin aufgefordert worden sein, den Saal zu verlassen.

In der Lobby eskalierte der Streit dann anschließend wie oben beschrieben. Laut Tass sei der russische Sekretär nach dem Vorfall in ein Krankenhaus gebracht worden, um untersucht zu werden. Irina Kasimova, Sprecherin der russischen Botschaft in Ankara, sagte gegenüber Tass: „Wir drücken unsere Hoffnung aus, dass die Täter bestraft werden.“

Szene verdeutlicht die fortschreitende Eskalation zwischen Ukraine und Russland

Die 1993 als parlamentarischer Arm der Organisation der Schwarzmeerwirtschaftskooperation (Black Sea Economic Cooperation, BSEC), gegründete Parlamentarische Versammlung der Schwarzmeerwirtschaftskooperation (PABSEC) verfolgt das Ziel, die wirtschaftliche und politische Zusammenarbeit zwischen den Völkern der Region zu fördern. Neben der Ukraine und der russischen Föderation beteiligen sich zehn weitere Länder an der Kooperation.

Die Szene verdeutlicht die fortschreitende Eskalation zwischen den beiden Ländern, die sich infolge der russischen Invasion seit Februar 2022 bekämpfen. Moskau berichtete jüngst von einem angeblich aus Kiew inszenierten Attentat-Versuch auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin, derweil bombardierte Moskau am Donnerstagabend die ukrainische Hauptstadt mit Drohnen. Der Leiter der Kiewer Militärverwaltung sprach von einer Intensität der Angriffe wie seit Monaten nicht mehr.

Indes vermeldete Russland mehrere Anschläge auf Infrastruktur-Objekte im Süden Russlands sowie auf der Krim. Internationale Beobachter vermuten, dass es sich um Vorbereitungen für die erwartete ukrainische Gegenoffensive handeln könnte. (pst)