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Sexuelle Gewalt als KriegswaffeUN-Bericht dokumentiert „abscheuliche Taten“ russischer Soldaten

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Ein zerstörtes Einkaufszentrum in Saporischschja. Immer wieder nimmt die russische Armee Zivilisten ins Visier, laut der UN auch mit sexualisierter Gewalt. (Archivbild)

Ein zerstörtes Einkaufszentrum in Saporischschja. Immer wieder nimmt die russische Armee Zivilisten ins Visier, laut der UN auch mit sexueller Gewalt. (Archivbild)

Seit Kriegsbeginn sind mehr als tausend Fälle sexueller Gewalt dokumentiert – 89 Prozent der Fälle werden Russland zugeordnet. 

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine vor viereinhalb Jahren sind einem neuen UN-Bericht zufolge mehr als tausend Fälle sexueller bzw. sexualisierter Gewalt dokumentiert worden. Die Zahl von insgesamt 1004 Fällen zwischen dem 24. Februar 2022 und Ende Juli dieses Jahres sei aber nur „ein Teil der Realität“, sagte die Chefin der UN-Beobachtermission für Menschenrechte in der Ukraine, Danielle Bell, bei einer Pressekonferenz am Freitag in Genf. Rund neun von zehn Taten wurden der russischen Seite zugeordnet.

UN-Bericht: 89 Prozent der Fälle der russischen Seite zugeordnet

Der Bericht beruft sich auf vertrauliche Gespräche mit hunderten Opfern sexualisierter Gewalt sowie auf Gerichtsdokumente und offizielle Verzeichnisse. 89 Prozent der dokumentierten Fälle wurden der russischen Seite zugeordnet, insbesondere Mitgliedern der Streitkräfte, der Strafvollzugseinrichtungen und der Dienste für nationale Sicherheit. Elf Prozent der Fälle betrafen die ukrainische Seite.

Von einem „schockierenden Muster von Folter, Einschüchterung und Nötigung“ ist im UN-Bericht die Rede. Die meisten Opfer waren demnach Männer, insbesondere in Einrichtungen des Strafvollzugs. Aber auch Frauen und Kinder wurden zu Opfern, zumeist in den besetzten ukrainischen Gebieten. Die jüngste Überlebende sexueller Gewalt war ein vierjähriges Mädchen, die älteste eine 82 Jahre alte Frau. Beide Vergewaltigungen wurden von der russischen Seite verübt.

Opfer schildern „zutiefst erschütternde Erlebnisse“

Die UN berichtet von „zutiefst erschütternden Erlebnissen“, die von Opfern geschildert worden seien. Viele der männlichen Überlebenden gaben demnach an, mit einem sowjetischen Feldtelefon, bekannt als „Tapik“, im Genitalbereich Elektroschocks verabreicht bekommen zu haben. 

In einem anderen Fall schilderte eine Frau den UN-Beobachtern, dass zwei russische Soldaten 2022 in ihr Haus in der Region Kyjiw eingebrochen seien und sie dann vergewaltigten, nachdem sie ihren Mann erschossen hatten. Die Soldaten drohten der Frau dem Bericht zufolge zudem, sie vor den Augen ihres vierjährigen Sohnes zu erschießen, falls sie Widerstand leisten sollte.

„Alarmiert über die Häufigkeit dieser abscheulichen Taten“

„Ich bin zutiefst alarmiert über die Häufigkeit dieser abscheulichen Taten“, erklärte UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk. Er befürchte, dass sie im Zusammenhang mit „der unablässigen Gewalt, derer wir in der Ukraine jeden Tag Zeugen werden“, weiter anhalten werden.

„Sexuelle Gewalt ist ein gravierendes Merkmal des umfassenden bewaffneten Angriffs gegen die Ukraine. Sie muss unverzüglich aufhören, unabhängig von den Tätern“, hieß es weiter von Türk. „Angesichts der hohen Anzahl von Fällen, die ihren Streitkräften zugeschrieben werden, muss insbesondere die Russische Föderation konkrete und erkennbare Schritte unternehmen, um Zivilisten und Kriegsgefangene vor allen Formen der Folter, einschließlich sexueller Gewalt, zu schützen.“

UN warfen Russland bereits die Hinrichtung von Kindern vor

Laut UN-Missionschefin Bell konnten die Berichterstatter nur etwa zehn Prozent der von beiden Kriegsparteien freigelassenen Häftlinge befragen und hatten keinen Zugang zu den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten. Un-Menschenrechtskommissar Türk forderte Russland unterdessen erneut auf, jegliche Gewalt gegen die Ukraine unverzüglich einzustellen und all seine Streitkräfte gemäß der UN‑Charta und dem geltenden Völkerrecht aus der Ukraine abzuziehen.

Die UN-Menschenrechtskommission hat bereits in der Vergangenheit über grausames Vorgehen der russischen Truppen berichtet. „In den vier Regionen der Ukraine, die 2022 illegal von der Russischen Föderation annektiert wurden, waren Kinder besonders von Verstößen gegen das internationale Menschenrechtsrecht betroffen“, hieß es etwa in einem UN-Bericht aus dem vergangenen Jahr. „Darunter standrechtliche Hinrichtungen, willkürliche Inhaftierungen, konfliktbezogene sexuelle Gewalt, Folter und Misshandlung.“

In sieben Fällen konnten die UN-Ermittler damals auch die Hinrichtungen von Kindern nachweisen: „In den Jahren 2022 und 2023 wurden fünf Jungen und zwei Mädchen standrechtlich hingerichtet.“ Die vorsätzliche Tötung von Zivilisten sei ein Kriegsverbrechen und ein schwerer Verstoß gegen die Genfer Konventionen, betonten die UN in ihrem damaligen Bericht.