Die Ukraine setzt ihre Angriffe auf Ziele in Russland fort. Videos zeigen eine massive Attacke in Brjansk.
„Gewaltige Explosion“ in RusslandStorm Shadows treffen für Putin wichtige Fabrik – Wut in Moskau
Die ukrainische Armee hat nach eigenen Angaben erfolgreich eine „wichtige“ Rüstungsfabrik im westrussischen Brjansk angegriffen, das gab der ukrainische Generalstab bekannt. Die Fabrik habe Elektronik und Komponenten für russische Raketen hergestellt, erklärte zudem der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videoansprache. Der Angriff sei eine „völlig gerechtfertigte Antwort auf den Aggressor“, zu der man den Streitkräften nur gratulieren könne, hieß es weiter.
Russland bestätigte den Angriff und sprach von einem „Terrorakt“ und einem „Kriegsverbrechen“. Eine Begründung, warum ein Angriff auf eine Rüstungsfabrik derartig eingeordnet werden sollte, lieferte der Kreml indes nicht.
Moskau bestätigt Angriff in Brjansk und bekräftigt Kriegsziele
Stattdessen nutzte Moskau den Angriff, um seine Kriegsziele zu bekräftigen. Die „militärische Spezialoperation“, wie der Krieg gegen die Ukraine in Russland offiziell genannt wird, müsse erfolgreich sein, „damit solche Aktionen nicht wieder vorkommen“, erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Ein Screenshot aus einem russischen Telegram-Kanal soll den Angriff in Brjansk zeigen.
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Der Duma-Abgeordnete Dmitri Melik wertete den Angriff als Beleg dafür, dass das „Regime in Kyjiw den Weg der Faschisten beschreitet“, und knüpfte so an das bekannte russische Narrativ an, in der Ukraine sei ein „Nazi-Regime“ an der Macht. Auch andere europäische Staaten bekommen diesen Vorwurf immer wieder aus Moskau zu hören – ein Fundament haben diese russischen Behauptungen nicht.
Videos zeigen heftige Explosion in Brjansk
Der Generalstab der Ukraine veröffentlichte unterdessen ein Video des Angriffs. Dort sind mehrere Einschläge und folgende Explosionen zu sehen. In russischen Telegram-Kanälen kursieren zudem Videoaufnahmen, die ebenfalls den Angriff zeigen sollen und die mit dem ukrainischen Bildmaterial übereinstimmen.
Auch dort sind mehrere Einschläge, gefolgt von Explosionen und starker Rauchentwicklung, zu sehen. Die Ukraine spricht von „erheblichen Schäden“ an dem Rüstungswerk. Ob die Fabrik gänzlich zerstört wurde, müsse noch ermittelt werden, hieß es aus Kyjiw.
Rüstungswerk wichtig für russische Raketenproduktion
Die Fabrik in Brjansk sei für die russische Raketenproduktion von erheblicher Bedeutung, betonte der Generalstab. Die dort produzierten Halbleiterbauelemente und Schaltkreise dienten als „Gehirn“ und „Nervensystem“ moderner russischer Waffensysteme und kämen insbesondere bei Iskander-Raketen zum Einsatz, hieß es weiter.
Laut öffentlich zugänglichen Quellen und russischen Regionalbehörden werden mehr als 90 Prozent der in dem Werk produzierten Teile an die russische Verteidigungsindustrie geliefert.
Hinweise auf Einsatz von Storm-Shadow-Marschflugkörpern
Nach Angaben ukrainischer Medien sollen bei dem Angriff britische Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow zum Einsatz gekommen sein. Mit den von Großbritannien und Frankreich (dort als „SCALP-EG“ bezeichnet) produzierten Waffen hat die Ukraine im Kriegsverlauf immer wieder Ziele im russischen Grenzgebiet erfolgreich angegriffen. Videoaufnahmen deuten jedoch auf die Marschflugkörper hin.
Kremlsprecher Peskow sprach in einer späteren Stellungnahme ebenfalls von einem Angriff mit Marschflugkörpern vom Typ Storm Shadow – und attackierte Großbritannien. „Es ist klar, dass der Start dieser Raketen ohne britische Spezialisten nicht möglich gewesen wäre. Wir sind uns dessen bewusst“, erklärte der russische Regierungssprecher.
Augenzeugen sprachen gegenüber der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti unterdessen von „gewaltigen Explosionen“. Die Wände hätten gezittert, dann sei Rauch aufgestiegen, berichtete dort ein Mann. „Ich hörte einen Pfiff, dann einen Knall und alles wackelte“, zitierte RIA zudem eine weitere Augenzeugin.
Ukraine hat Brjansk bereits mehrfach angegriffen
Das Rüstungswerk in Brjansk war bereits in der Vergangenheit ein Ziel ukrainischer Angriffe. Im April 2025 griffen Drohnen die Anlage an und verursachten einen Großbrand. Ein weiterer Drohnenangriff im Januar des vergangenen Jahres beschädigte Produktionsgebäude und legte den Betrieb vorübergehend lahm.
Brjansk liegt etwa 100 Kilometer nördlich der ukrainischen Grenze und war während Russlands großangelegter Invasion wiederholt Ziel ukrainischer Drohnen- und Raketenangriffe.

