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„Die Mutter aller Treibstoffkrisen“Ukraine greift Russland massiv an – und droht dem „Diktator“ im Kreml

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Ein Screenshot aus einem Video soll den Brand eines Wildberries-Logistikzentrums in der russischen Region Tula zeigen.

Ein Screenshot aus einem Video soll den Brand eines Wildberries-Logistikzentrums in der russischen Region Tula zeigen.

Mehr als 470 Drohnen will Russland abgefangen haben – offenbar aber nicht alle. Erneut gehen Ziele in mehreren Regionen in Flammen auf.

Die ukrainischen Streitkräfte haben ihre Angriffsserie auf strategisch wichtige Ziele in Russland mit einem ihrer größten Drohnenangriffe fortgesetzt. Mehrere Logistikzentren und eine Raffinerie gingen ersten Berichten zufolge in der Folge ukrainischer Attacken in Flammen auf.

Das russische Verteidigungsministerium in Moskau teilte mit, es seien 475 feindliche Drohnen abgefangen worden. Von Luftalarm betroffen waren demnach der Westen und das Zentrum des europäischen Russlands.

Massiver ukrainischer Angriff trifft Ziele in Russland

Die Militärangaben sind nicht unabhängig überprüfbar. Moskau berichtet zudem stets lediglich von „abgefangenen“ Drohnen, aber nicht von erfolgreichen ukrainischen Angriffen. Die genannte Zahl lässt jedoch auf einen massiven Angriff schließen. 

In Ufa in der Teilrepublik Baschkortostan, etwa 1.500 Kilometer von der Ukraine entfernt, wurde nach Angaben russischer Telegram-Kanäle eine Raffinerie getroffen. Kursierende Fotos und Videoaufnahmen zeigten eine hohe Rauchsäule über der Anlage von Baschneft-Novoil, die laut ukrainischen Medien zu einer der größten in Russland zählt. 

„Die Mutter aller Treibstoffkrisen kommt nach Russland“

Das ukrainische Zentrum für strategische Kommunikation (SPRAVDI), eine staatliche Behörde, verbreitete ebenfalls Aufnahmen in den sozialen Netzwerken, die aus Ufa stammen sollen. Auch auf diesen Bildern ist eine enorme Rauchsäule über der Raffinerie zu sehen.

„Einblicke in die russische Stadt Ufa zu dieser Stunde, in der sich einer der größten Raffineriekomplexe Russlands befindet“, schrieb die Behörde zu den Videos und ließ eine Drohung in Richtung Kremlchef Wladimir Putin folgen: „Die Mutter aller Treibstoffkrisen kommt nach Russland – pünktlich zu den Scheinwahlen des Diktators.“

Ukraine setzt Angriffsserie fort: Den Krieg nach Russland tragen

In Russland stehen Ende September die Parlamentswahlen an. In den vergangenen Wochen verstärkten die ukrainischen Streitkräfte ihre Angriffe – auch mit dem erklärten Ziel, den „Krieg nach Russland zu tragen“, wie Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt hatte.

Im Rahmen der Angriffsserie, die Ende Juni begonnen hatte, seien mittlerweile mehr als 100 strategische militärische und industrielle Ziele innerhalb Russlands und besetzter ukrainischer Gebiete angegriffen worden, teilte der ukrainische Geheimdienst SBU am Mittwoch (5. August) mit. Mindestens 14 Ölraffinerien seien im Rahmen der Kampagne angegriffen worden, hieß es weiter vom SBU. 

Wildberries-Lagerhalle geht in Flammen auf

Auch Angriffe auf Logistikzentren des russischen Online-Versandhändlers Wildberries gehören zur ukrainischen Strategie: In der Nacht auf Mittwoch ging nach einem erneuten ukrainischen Angriff eine große Lagerhalle des als „Russlands Amazon“ bekannten Unternehmens in der Stadt Alexin südlich von Moskau in Flammen auf.

Die Ukraine hat ein großes Wildberries-Logistikzentrum in Tula angegriffen.

Die Ukraine hat ein großes Wildberries-Logistikzentrum in Tula angegriffen.

In den sozialen Netzwerken kursierten Aufnahmen, die den Wildberries-Standort im Vollbrand zeigten. Berichten auf dem Telegram-Kanal Astra zufolge wurden auch Lagerhallen bei Domodedowo am Stadtrand von Moskau und in Selenodolsk in der Teilrepublik Tatarstan angegriffen.

Ukrainische Angriffe zeigen Wirkung in Russland

Mit den Angriffen auf den Online-Handel versucht die Ukraine, wirtschaftlichen Schaden zu verursachen und die politische Stimmung in Russland vor der Parlamentswahl im September zu beeinflussen. Die Schäden und vor allem die Zahl der menschlichen Opfer stehen aber in keinem Verhältnis zu den Verwüstungen, die Russland in den fast viereinhalb Jahren seines Angriffskrieges in der Ukraine angerichtet hat.

Die Angriffe zeigten zuletzt Wirkung: Immer wieder gibt es Berichte über Treibstoffkrisen in verschiedenen russischen Regionen. Gleichzeitig wird immer mehr offen vorgetragene Kritik am Kreml und Machthaber Wladimir Putin laut. Zuletzt sorgte ein gegen den Kremlchef gerichtetes Video eines Schauspielers in Russland für Aufsehen. Auch die ukrainischen Angriffe sorgen immer wieder für wütende Worte in russischen Telegram-Kanälen.

Kreml bleibt auf Kriegskurs: Viele Tote nach neuen Angriffen

Russland bleibt unterdessen auf Kriegskurs. Kremlchef Putin und Außenminister Sergej Lawrow bekräftigten zuletzt die russischen Maximalziele. Die russische Armee setzt ebenfalls ihre Angriffe auf die ukrainische Zivilbevölkerung fort – zuletzt mit immer tödlicheren Folgen, da in der Ukraine derzeit ein Mangel an Abfangmunition herrscht.

Bei schweren russischen Angriffen auf die Hauptstadt Kyjiw und Umgebung zeigte sich diese Schutzlosigkeit nun erneut. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte die russische Armee in der Nacht 28 ballistische Raketen verschiedener Typen ein. Kein einziges Geschoss konnte demnach abgefangen werden.

Ukraine kann russische Raketen nicht abwehren

Mindestens 17 Menschen wurden nach Behördenangaben bei den Angriffen auf Wohngebäude und Lagerhallen getötet. Die Abwehrraketen für die Luftverteidigung hätten „die Leben derjenigen retten können, die heute getötet wurden“, erklärte Staatschef Selenskyj auf der Plattform X. „Verspätungen bei der Lieferung oder ein Ausbleiben der Bereitstellung von Antiraketensystemen führen zu solchen entsetzlichen Opferzahlen und zu Zerstörung“, fügte er in Richtung der Verbündeten hinzu.

US-Präsident Donald Trump hatte Selenskyj Anfang Juli eine Erlaubnis zugesagt, die Systeme in der Ukraine zu produzieren, zeigte sich in der vergangenen Woche aber wieder zurückhaltend. Washington müsse bei einer solchen Entscheidung „sehr vorsichtig“ vorgehen, erklärte Trump am Freitag. (mit dpa/afp)