Drohnen und Flamingos – die Ukraine hat Ziele in Russland angegriffen. Moskau droht einem baltischen Land derweil mit seinen Atomwaffen.
Neue Atomwaffen-Drohung vom KremlUkraine greift massiv an – und kündigt „noch heftigere“ Schläge an

Ein Screenshot aus einem kursierenden Video soll ein brennendes Ozon-Lager in Russland zeigen.
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Die Ukraine hat erneut Ziele tief im Landesinnern von Russland angegriffen – und Moskau mit einer Ausdehnung künftiger Attacken gedroht. In der Nacht auf den 11. September wurden aus mehreren russischen Regionen neue Angriffe gemeldet. Das unabhängige russische Nachrichtenportal ASTRA berichtete etwa, in der Rosneft-Raffinerie in Saratow sei ein Brand ausgebrochen. In den sozialen Medien kursierende Videos zeigten Drohnen und russische Luftabwehrsysteme im Einsatz.
Später bestätigte der ukrainische Generalstab den Angriff auf die Raffinerie. Es seien Brände auf dem Gelände der Ölanlage ausgebrochen, hieß es weiter. Das Ausmaß des Schadens werde noch ermittelt, fügte der Generalstab hinzu.
Saratow: Raffinerie und Ozon-Logistikzentrum angegriffen
Kurz nach dem Angriff auf die Raffinerie ging zudem ein Logistikzentrum des russischen Online-Händlers Ozon in Saratow in Flammen auf. Auf kursierenden Aufnahmen sind ein Großbrand und dichte Rauchsäulen erkennbar. Ozon bestätigte am Freitag die Zerstörung des Logistikzentrums.
Nach Wildberries ist Ozon der zweitgrößte Online-Marktplatz Russlands und betreibt ein umfangreiches Netzwerk von Lagerhäusern, Logistikzentren und eine Lieferinfrastruktur im ganzen Land. Bevor Ozon ins Visier der ukrainischen Streitkräfte geraten ist, wurden zahlreiche Wildberries-Logistikzentren in Russland durch Angriffe zerstört.
Fire Point: Flamingos treffen Chemiefabrik in Wolgograd
Explosionen wurden zudem auch in der Hafenstadt Kaspijsk in der Republik Dagestan gemeldet. Ob es auch hier zu einem ukrainischen Angriff gekommen ist, blieb zunächst jedoch unklar.
Das Rüstungsunternehmen Fire Point berichtete indes von einem Angriff mit Flamingo-Marschkörpern auf eine Chemiefabrik in der Region Wolgograd. „Flamingos haben gestern Abend Wolgograd einen kleinen Besuch abgestattet“, teilte Fire Point in den sozialen Netzwerken mit. Von „direkten Treffern“ und einem „massiven Brand“ war die Rede.
Russland bestätigt ukrainischen Raketenangriff in Wolgograd
Der FP-5 Flamingo ist ein ukrainischer Marschflugkörper, der im August 2025 in Dienst gestellt wurde. Erste Versionen galten als ungenau. Seither wurde der Marschflugkörper modifiziert und verbessert und ist bei mehreren Angriffen auf Ziele in Russland zum Einsatz gekommen.
Auch aus Wolgograd kursierten Aufnahmen, die Brände auf dem Areal der Fabrik zeigen sollen. Der Gouverneur der Region, Andrej Botscharow, bestätigte zudem einen ukrainischen Raketenangriff auf die Stadt und behauptete, dass eine Industrieanlage in Wolgograd durch herabfallende Trümmer beschädigt worden sei.
Ukraine droht mit „viel stärkeren und heftigeren“ Angriffen
Der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes, Kyrylo Budanow, drohte Moskau unterdessen in einem Interview mit dem lettischen TV-Sender LTV mit einer Ausweitung der ukrainischen Angriffe.
„Wenn Russland seine Militäraktionen gegen uns nicht einstellt, wird es die Folgen ganz offensichtlich noch viel stärker und heftiger zu spüren bekommen“, kündigte Budanow an. „Unsere Angriffe werden tiefer und wirkungsvoller werden.“

Generalmajor Kyrylo Budanow ist der Leiter des ukrainischen Präsidialamtes. Zuvor war Budanow Chef des Geheimdienstes HUR. (Archivbild)
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Die Ukraine wolle den Krieg beenden, betonte der frühere Geheimdienstchef – jedoch zu akzeptablen Bedingungen, „und nicht in Form eines Ultimatums nach dem Motto: ‚Gebt uns alles, und ihr werdet uns trotzdem noch etwas schulden.‘ Das wird nicht passieren.“ Besetzte Gebiete werde die Ukraine „nicht völkerrechtlich als russisch anerkennen“, kündigte Budanow zudem an.
Russland droht Litauen
Russland setzt unterdessen weiterhin auf scharfe Rhetorik. Nachdem aus Moskau in dieser Woche bereits abfällige Worte über Europa und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) kamen, rückten nun Litauen und eine geplante Gesetzesänderung in dem baltischen Land ins Visier des Kremls.
Stein des Moskauer Anstoßes ist, dass Vilnius die Aufhebung seines Atomwaffenverbots anstrebt. Die litauischen Parlamentsparteien stimmten im Juli vorläufig einer entsprechenden Verfassungsänderung zu. Auch der parlamentarische Rechtsausschuss stimmte in dieser Woche für den Vorschlag – und ebnete damit den Weg für eine endgültige Entscheidung Anfang 2027.
Kremlsprecher Peskow: „Im Visier unserer Atomwaffen“
Die Aufhebung des Verbots würde es der NATO ermöglichen, Nuklearstreitkräfte auf litauischem Territorium zu stationieren. Das Land gehört seit 2004 dem westlichen Verteidigungsbündnis an.
Kremlsprecher Dmitri Peskow drohte Vilnius wegen des Vorhabens jetzt damit, dass Litauen „im Visier“ russischer Atomwaffen sein werde. „Wenn sich auf ihrem Territorium Atomwaffen befinden, die auf uns gerichtet sind, dann wird auch das Territorium dieses Landes im Visier unserer Atomwaffen landen“, sagte Peskow dem Fernsehsender Erster Kanal, wie die staatliche Nachrichtenagentur RIA Novosti berichtete.
