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„Einfach eine Katastrophe, Leute“Ukraine sorgt für neue „Öl-Vulkane“ – Wut auf Putin in Russland

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Eine Satellitenaufnahme zeigte bereits am 16. April eine massive Rauchsäule über der russischen Stadt Tuapse.

Eine Satellitenaufnahme zeigte bereits am 16. April eine massive Rauchsäule über der russischen Stadt Tuapse. Die Ukraine hat die dortigen Öl-Anlagen nun erneut attackiert. (Archivbild)

Brennende Flüsse, schwarzer Regen, wütende Bewohner: Die Ukraine setzt ihre Angriffe auf Ziele in Russland fort – und droht mit mehr.

Die Ukraine hat in ihrer Serie von Gegenangriffen auf die russische Ölindustrie Anlagen in den Städten Perm und Orsk am Ural getroffen. Auch Infrastruktur in der Stadt Tuapse wurde erneut attackiert. Russische Stellen bestätigten laut Meldungen der staatlichen Nachrichtenagentur Tass die Angriffe, äußerten sich aber nicht zu Schäden.

In russischen Telegram-Kanälen kursierende Aufnahmen zeigen unterdessen massive Rauchwolken und Großbrände in den drei betroffenen Städten. In den sozialen Netzwerken werden die tagelangen Feuer mittlerweile mitunter spöttisch als „Öl-Vulkane“ bezeichnet.

Großbrände in Russland nach ukrainischen Angriffen

Videos aus der Region Perm deuten indes darauf hin, dass die Pumpstation einer wichtigen Ölpipeline getroffen wurde. Die Bilder zeigten über dem Brandherd eine dicke schwarze Rauchwolke. Der ukrainische Geheimdienst SBU bestätigte später auch, dass die Pumpstation Ziel des Angriffs war.

In Orsk, ganz im Süden des Ural-Gebirges, galt der Angriff höchstwahrscheinlich der dortigen Ölraffinerie, wie der russische Telegram-Kanal Astra berichtete. Beide Orte liegen zwischen 1.500 und 1.800 Kilometer von der Ukraine entfernt.

Angespannte Lage in Tuapse – Putin beklagt „schwere Folgen“

Angespannt bleibt auch die Lage in der südrussischen Hafenstadt Tuapse am Schwarzen Meer, wo ukrainische Angriffe dreimal schwere Brände einer Raffinerie und des Ölverladeterminals ausgelöst hatten. Zuletzt war am Dienstagmorgen ein Feuer ausgebrochen.

Kremlchef Wladimir Putin beklagte am Mittwoch eine Häufung ukrainischer Angriffe. Er sprach zwar von „potenziell schweren Folgen“ für die Umwelt in Tuapse, dementierte aber, dass es derzeit ernste Gefahren für die Bewohner gebe. Gleichzeitig kursierten Videos von mit Öl verseuchten und mitunter brennenden Flüssen aus Tuapse und russische Medien berichteten über „schwarzen Regen“ in der Region.

„Es ist einfach eine beschissene Katastrophe, Leute“

Der Frust der russischen Bevölkerung über die erfolgreichen ukrainischen Attacken wird in diesen Tagen zudem ungewöhnlich sichtbar. „Es ist einfach eine beschissene Katastrophe, Leute. Die Luft in der Stadt ist voller Rauch“, lautet etwa der Kommentar in einem Video, das aus Tuapse stammen soll. 

In diesem Bild aus einem Video, das vom Telegram-Kanal des Gouverneurs der Region Krasnodar, Weniamin Kondratjew, veröffentlicht wurde, steigt Rauch auf nach einem Drohnenangriff auf die Ölraffinerie und das Ölterminal in Tuapse.

In diesem Bild aus einem Video, das vom Telegram-Kanal des Gouverneurs der Region Krasnodar, Weniamin Kondratjew, veröffentlicht wurde, steigt Rauch auf nach einem Drohnenangriff auf die Ölraffinerie und das Ölterminal in Tuapse.

Eine Rauchwolke steigt von einem Brand auf, der nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf eine Ölraffinerie im Schwarzmeerhafen Tuapse ausgebrochen ist.

Eine Rauchwolke steigt von einem Brand auf, der nach einem ukrainischen Drohnenangriff auf eine Ölraffinerie im Schwarzmeerhafen Tuapse ausgebrochen ist.

Eine Umfrage des unabhängigen russischen Nachrichtenmediums „Sota“ legt ebenfalls das Unverständnis der Bevölkerung offen. „Die Luft riecht nach Benzin und Öl-Produkten“, beklagt sich eine ältere Frau aus Tuapse in einer Video-Reportage des Mediums.

Wut und Unverständnis in Russland: „Das ist keine Art zu leben“

„Früher haben uns die Leute dafür beneidet, dass wir am Meer wohnen – jetzt macht das niemand mehr“, erklärt eine andere Russin. „Dass wir uns unter Türbögen verstecken müssen, wenn sie uns bombardieren – das ist keine Art zu leben.“

Auch manch russischer Kriegsblogger äußert offene Kritik: „Können wir keine vernünftige Luftverteidigung gegen sie aufstellen? Wo liegt das Problem?“, fragte zuletzt etwa der Propagandist Aleksandr Rogatkin in einem Video und beklagte die Unfähigkeit der russischen Armee, die ukrainischen Angriffe zu verhindern.

Wolodymyr Selenskyj droht Russland mit weiteren Angriffen

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach angesichts der erfolgreichen Attacken unterdessen von einer neuen Stufe beim Einsatz von Langstreckenwaffen seiner Armee. „Es ist wichtig, dass jeder Schlag die Leistungsfähigkeit der russischen Rüstungsindustrie, Logistik und die Ölexporte verringert“, schrieb er in sozialen Netzwerken.

Es sei jedem klar, dass der Angreifer Russland seinen Krieg beenden müsse. „Es ist Zeit, zur Diplomatie überzugehen, und Moskau sollte dieses Signal hören“, schrieb Selenskyj weiter und drohte Russland mit weiteren Schlägen gegen Ziele tief im Landesinnern. „Wir werden diese Reichweiten weiter ausbauen – das ist eine völlig gerechtfertigte ukrainische Reaktion auf den russischen Terror.“ (mit dpa)