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Spekulationen über US-DruckSchmidt tritt als Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina zurück

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Außenminister Wadephul in Bosnien-Herzegowina

Der Bosnien-Beauftragte der internationalen Gemeinschaft, der Deutsche Christian Schmidt, hat seinen Rücktritt angekündigt. (Archivbild)

Christian Schmidt tritt als Hoher Repräsentant für Bosnien zurück. Berichten zufolge wurde er von Washington dazu gedrängt.

Christian Schmidt, der Hohe Repräsentant für Bosnien-Herzegowina, hat seinen Amtsverzicht erklärt. „Nach fünf Jahren in der Funktion des Hohen Repräsentanten (...) hat Christian Schmidt die persönliche Entscheidung getroffen, seine Dienste für die Umsetzung des Friedens in Bosnien-Herzegowina zu beenden“, verlautbarte seine Dienststelle aus Sarajevo. Über die Demissionsabsicht des CSU-Politikers hatte zuvor die „FAZ am Sonntag“ informiert.

Schmidt werde seine Aufgaben als Hoher Repräsentant weiterführen, bis eine Nachfolge bestimmt ist, hieß es in der Bekanntmachung. Die Mitteilung enthielt keine genaueren Angaben zu den Beweggründen und Umständen der „persönlichen Entscheidung“.

Das Amt des Hohen Repräsentanten und das Dayton-Abkommen

Seit dem Ende des Konflikts von 1992 bis 1995, der über 100.000 Todesopfer forderte, gliedert sich Bosnien-Herzegowina in zwei Entitäten mit weitreichender Autonomie: die Föderation Bosnien-Herzegowina, in der mehrheitlich Bosniaken und Kroaten leben, sowie die Republika Srpska (RS), die überwiegend von Serben bewohnt ist. Die Vereinbarung von Dayton aus dem Jahr 1995 sah ebenfalls die Einrichtung des Amtes des Hohen Repräsentanten (OHR) vor. Dessen Aufgabe ist die Beaufsichtigung der Friedensimplementierung, wofür er mit umfassenden Befugnissen ausgestattet ist. Der frühere deutsche Landwirtschaftsminister Schmidt hat diese Position seit dem 1. August 2021 inne.

Berichte über Druck aus Washington als Rücktrittsgrund

Unter Berufung auf diplomatische Kreise meldete das bosnische Nachrichtenportal „avaz.ba“, dass Schmidt seinen Rückzug auf Drängen Washingtons beschlossen habe. Als Hintergrund wird die wachsende Unterstützung der Regierung von US-Präsident Donald Trump für den bosnisch-serbischen Politiker Milorad Dodik vermutet, welcher die Sezession der serbischen Entität RS vom Gesamtstaat Bosnien anstrebt.

In der Vergangenheit hatte Schmidt unter Nutzung seiner Befugnisse als Bosnien-Beauftragter eine Vielzahl von Gesetzen der RS für nichtig erklärt, die auf eine solche Abspaltung abzielten. Ein Gericht in Sarajevo hatte Dodik im Sommer 2025 wegen seiner separatistischen Bestrebungen als Präsident der RS des Amtes enthoben. Er gilt jedoch als Vorsitzender der Regierungspartei SNSD weiterhin als die maßgebliche Figur in der serbischen Entität. Darüber hinaus hat die Trump-Administration die von der vorherigen US-Regierung erlassenen Sanktionen gegen Dodik und dessen Angehörige außer Kraft gesetzt.

Hinter der Hinwendung Washingtons zu dem bosnisch-serbischen Separatisten könnte dessen Befürwortung von Pipeline- und Gaskraftwerksprojekten vermutet werden, die von Geschäftsleuten aus dem Umfeld Trumps forciert werden. Darüber berichtete ebenfalls die „FAZ am Sonntag“. Laut unbestätigten Meldungen des bosnischen Portals „istraga.ba“ sollen amerikanische Vertreter Schmidt sogar mit der Aufnahme auf ihre Sanktionsliste gedroht haben, sollte er sein Amt nicht niederlegen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.