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„Äußerst ernst“US-Politiker spricht über Island als Bundesstaat – Empörung über „Witz“

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Der republikanische Politiker Billy Long hat mit einem „Witz“ für Wirbel in Island gesorgt. (Archivbild)

Der republikanische Politiker Billy Long hat mit einem "Witz" für Wirbel in Island gesorgt. (Archivbild)

Die Worte des designierten US-Botschafters sorgen in Island für Wirbel – mitten in der angespannten Lage zwischen den USA und Dänemark.

Hat US-Präsident Donald Trump nicht nur Grönland, sondern auch Island im Visier? Nach einer angeblich scherzhaften Äußerung des designierten US-Botschafters Billy Long, die Insel im Nordatlantik könne ein US-Bundesstaat werden, gibt es Ärger in Island. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten, bat das Außenministerium Islands die dortige US-Botschaft um eine Klarstellung.

Zuvor hatte das US-Nachrichtenportal „Politico“ berichtet, dass der von Trump als Botschafter nominierte ehemalige republikanische Kongressabgeordnete gewitzelt habe, Island könne der 52. US-Bundesstaat werden – und er selbst dessen Gouverneur.

Island als US-Bundesstaat: Scherz in angespannter diplomatischer Lage

In Island starteten Bürger daraufhin eine Petition, die die Außenministerin Katrín Gunnarsdóttir dazu auffordert, Long als Botschafter abzulehnen. Er habe die Worte möglicherweise nicht ganz ernst gemeint, „doch sie sind eine Beleidigung für Island und die Isländer, die für ihre Freiheit kämpfen mussten und stets Freunde der Vereinigten Staaten waren“, schreiben die Organisatoren. Am Freitagvormittag hatten gut 4100 Personen die Online-Petition unterschrieben.

US-Präsident Donald Trump im Gespräch mit Billy Long, dem designierten US-Botschafter in Island. (Archivbild)

US-Präsident Donald Trump im Gespräch mit Billy Long, dem designierten US-Botschafter in Island. (Archivbild)

Longs angeblicher Witz kommt in einer angespannten diplomatischen Lage zwischen Grönland, Dänemark und den USA nach wiederholten Äußerungen von US-Präsident Trump, Amerika wolle das zum dänischen Königreich gehörende Grönland kaufen oder notfalls annektieren.

Ärger in Island: „Eine durchaus ernstzunehmende Angelegenheit“

Entsprechend humorlos fiel die Reaktion auf der Nordatlantikinsel aus. „Angesichts der aktuellen Diskussionen an der Westküste über Grönland ist das natürlich kein besonders lustiger Scherz, sondern vielmehr eine durchaus ernst zu nehmende Angelegenheit“, zitierte die Zeitung „Morgunblaðið“ den isländischen Abgeordneten Sigmar Guðmundsson von der liberalen Reform-Partei.

„Es versteht sich von selbst, dass dies für ein kleines Land wie Island äußerst ernst ist. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass alle Sicherheitsargumente, die die Amerikaner gegen Grönland vorbringen, auch für Island gelten“, hieß es weiter.

Uneinigkeit in Island: „Erbärmliche Reaktion auf einen Witz“

Ebenso wie das zu Dänemark gehörende Grönland sei Island eine „strategisch wichtige Insel“, erklärte Guðmundsson weiter und stellte die isländischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten infrage. „Akzeptieren wir es, dass es normal ist, dass die weltweit größte Militärmacht und ihr Präsident möglicherweise beabsichtigen, sich in Wahlen in Europa einzumischen?“, fragte der Politiker und fügte hinzu: „Ich glaube nicht. Ich denke, wir müssen über all das diskutieren.“

Für seine deutlichen Worte bekam Guðmundsson jedoch auch Kritik von der politischen Konkurrenz zu hören. Snorri Másson von der als nationalkonservativ und populistisch geltenden Zentrumspartei sprach von einer „politischen Überinterpretation“. Guðmundssons Worte seien eine „völlig falsche und geradezu erbärmliche Reaktion auf einen Witz“, zitierte „Morgunblaðið“ den Politiker weiter. 

Designierter US-Botschafter entschuldigt sich für Witz

Der designierte US-Botschafter Long entschuldigte sich derweil später für seine Äußerung. Er betonte, dass es sich um einen Scherz gehandelt habe. „Das war alles nicht ernst gemeint. Wenn sich jemand dadurch beleidigt gefühlt hat, entschuldige ich mich“, sagte Long dem Blatt „Artic Today“.

Angesichts der angespannten Lage zwischen Grönland, Dänemark und den USA könne er die Verärgerung über seinen Witz verstehen, erklärte Long weiter. „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Island und bedauere, dass dies so aufgefasst wurde. Ich war mit Freunden unterwegs, und es war nichts Ernstes dabei“, hieß es weiter. 

Weiterhin keine Lösung im Grönland-Konflikt in Sicht

Island ist zwar kein Mitglied der EU, jedoch Teil des Europäischen Wirtschaftsraums sowie Gründungsmitglied der Nato. Genau wie Grönland zählte auch Island einst zum Königreich Dänemark, wurde aber 1918 unabhängig und 1944 zur Republik erklärt.

Der Konflikt um die wesentlich größere und zu Dänemark gehörende Nachbarinsel Grönland dauert unterdessen an. Ein Krisengespräch zwischen Dänemark und den USA blieb in dieser Woche ohne Ergebnis.

US-Präsident Trump hat unterdessen dem grönländischen Premierminister Jens-Frederik Nielsen am Mittwoch (14. Januar) mit „großen Problemen“ gedroht. „Wenn wir zwischen den USA und Dänemark wählen müssen, dann wählen wir Dänemark“, hatte Nielsen zuvor erklärt. (mit dpa)