Köln/Düsseldorf – Nach Jahren mit kräftigen Zuwächsen ist 2017 die Zahl der Baugenehmigungen in Nordrhein-Westfalen drastisch gesunken. Die Bauämter im Land erteilten im vergangenen Jahr Genehmigungen für 52482 Wohneinheiten, ein gutes Fünftel weniger als 2016 (66555), wie das Statistische Landesamt am Dienstag mitteilte. Auch 2015 hatte die Zahl der Baugenehmigungen für Wohnungen bei 55805 und somit noch über dem Wert von 2017 gelegen.
Den zahlenmäßig größten Rückgang gab es bei der Genehmigung von Wohnungen in neuen Mehrfamilienhäusern – die Zahl sank 2017 auf 26693, im Jahr zuvor waren es gut 5000 mehr gewesen. Die Zahl der Genehmigungen für Einfamilienhäuser fiel mit knapp 12838 auf den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre.
Auch wenn nicht jede Baugenehmigung zeitnah in ein Bauprojekt mündet, deuten die Zahlen doch auf eine Reihe von wachsenden Problemen auf dem zuletzt boomenden Bausektor hin. Auch wenn die Zahlen für die Stadt Köln und die umliegenden Städte und Kreise noch nicht detailliert vorliegen, sagt Helmut Hoffmann von der Corpus Immobilienmakler GmbH mit Blick auf die Bearbeitungszeiten für Genehmigungen in Köln: „Die Stadt ist zu langsam. Und es fehlt dort an Personal.“
Ein Urteil, das vom Kölner Haus- und Grundbesitzerverein (HuG) geteilt wird. Hauptgeschäftsführer Thomas Tewes kritisiert zudem, dass es „kein erkennbares Konzept“ gebe, dem erwarteten Zuwachs der Bevölkerung in Köln mit der Bereitstellung von Bauland und Wohnraum zu begegnen.
In den ländlichen Räumen sei es zudem oft politischer Wille, die Bauflächen zu begrenzen. Die Kommunen müssten bei steigenden Einwohnerzahlen erheblich in ihre Infrastruktur investieren und Straßen, Schulen und Kindergärten vorhalten. Und dafür fehlten absehbar die finanziellen Mittel.
Fehlendes Bauland wird von vielen Experten als ein Hauptgrund für das Abflauen des Baubooms angeführt; als weiteres praktisches Problem wird der eklatante Mangel an Handwerkern genannt. Die Auftragsbücher der einschlägigen Betriebe seien einerseits noch über Jahre hinaus gefüllt, andererseits klagten die Unternehmen über alarmierende Nachwuchsprobleme.
Es gebe für die sinkenden Zahlen auf dem Bausektor neben den praktischen aber auch finanzielle Gründe, sagt Thomas Tewes von der HuG dem „Kölner Stadt-Anzeiger“: „Die Preise für Immobilien kann keiner mehr bezahlen. Und die Zinsen, so ist derzeit überall zu hören, werden wieder steigen.“ (mit dpa)

