Diese Unsitte kennen wir aus dem Straßenverkehr: Menschen fummeln sich mit Wonne und Ausdauer im Gesicht herum. Besonders, wenn sie in ihrem Auto sitzen und sich unbeobachtet glauben. Sie reiben sich das Kinn, streichen über die Augenbrauen oder den Mund, und am interessantesten scheint die Nase zu sein, in der denn auch regelmäßig gebohrt wird. Dieses Verhalten ist hin und wieder Gegenstand wissenschaftlicher Erforschung. So haben sich Psychologen für das Phänomen des zwanghaften Popelns interessiert, genannt Rhinotillexomanie. Den hierbei häufigen Hand-Schleimhaut-Kontakt beäugen Mediziner kritisch, denn auf diese Weise werden aus vereinzelten Virusinfektionen ganze Grippewellen.
Das übliche Grabbeln
Zur Frage, was die Hand überhaupt im Gesicht zu suchen hat, haben Neurobiologen vom israelischen Weizmann-Institut für Wissenschaften jetzt verblüffende Studienergebnisse vorgelegt. Die Forscher beobachteten zunächst mit einer versteckten Kamera Versuchspersonen, die auf den vermeintlichen Versuchsbeginn warteten. Kaum saßen sie allein im Zimmer, begann das übliche Grabbeln im Gesicht. Später begrüßte sie der Versuchsleiter mit Handschlag und verschwand wieder. Und siehe da, die Fummelei nahm an Intensität noch zu, ja, die Anzahl der Hand-zu-Gesicht-Gesten verdoppelte sich. Eine zusätzliche Kontrolle der Luftströme in der Nase zeigte: Immer wenn die Hand nahe am Riechorgan war, wurde kräftig geschnüffelt.
Riecht es nach Bedrohung?
Die Probanden unterzogen die „Grußhand“ einer Geruchskontrolle, glauben die Forscher. Sie vermuten hinter dem Schnüffeln eine entwicklungsgeschichtlich sehr alte Verhaltensweise, die im Prinzip auch bei Ratten, Hunden und anderen Säugetieren zu beobachten ist. Auch diese Tiere erkunden bei jeder Begegnung erst mal ausgiebig die olfaktorische Lage. Kenne ich den? Liegt Stallgeruch vor? Gibt es Spaß? Riecht es nach Bedrohung?
Die erste und wichtigste Kommunikation bei der Begegnung mit einem anderen Mitglied der eigenen Spezies läuft über den uralten Riechkanal. Man denke nur an das Nasenreiben der Eskimos. Oder an die diversen Kussbegrüßungen einschließlich des Handkusses. Selbst ganz coole Kids bleiben dabei, wenn sie sich mit „Gimme five“ begrüßen, das heißt: sich gegenseitig die erhobenen Hände in der Luft abklatschen – und dann lässig mit der Hand durchs Gesicht fahren. Übrigens kann es auch passieren, dass sie nach dem Gruß an der „falschen“ Hand schnuppern. Bei gegengeschlechtlichen Grüßen ist dies sogar generell der Fall. Warum? Hier sind, sagen die Forscher, weitere Studien notwendig.
