Wie reagieren Eltern am besten, wenn ihr Kind an einer riskanten Social-Media-Challenge teilnimmt? Eine Erziehungsberaterin gibt Gesprächs-Tipps.
Riskante Social-Media-Trends„Blackout-Challenge“ – So reagieren Eltern richtig

Risiken von Social-Media-Trends: Viele Kinder nehmen aus sozialem Druck an gefährlichen Challenges teil. (Symbolbild)
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Wenn Eltern erfahren, dass ihr Kind bei einer sogenannten „Blackout-Challenge“ mitgemacht hat, ist der Impuls groß, aus Panik loszuschimpfen. Besonders, wenn sich das Kind sogar selbst bis zur Bewusstlosigkeit würgen ließ. Das sei zwar verständlich, sagt Erziehungs- und Familienberaterin Kira Liebmann – von solchen Reaktionen rät sie jedoch ab.
„Stattdessen sollten Eltern erst einmal nicht vollkommen panisch reagieren und Ruhe bewahren“, so Liebmann. Dann komme es darauf an, zu ergründen, was genau passiert ist: Hat mein Kind selbst die Challenge gemacht, war es „nur“ dabei oder hat es davon gehört.
Erst einmal selbst sammeln, dann darüber reden
Für den Fall, dass sich das Kind selbst würgen ließ - sozusagen als Mutprobe, sollte man nicht sofort los schimpfen. „Wichtig ist, dass man sich selbst erst einmal sammelt und dann das Gespräch führt, wenn sich die ersten Emotionen etwas gelegt haben“, rät die Erziehungsberaterin.
Dann gilt es, in Ruhe nach dem Warum zu fragen: War es Gruppenzwang? War es Deine eigene Idee? Geht die Herausforderung auf einen Social-Media-Aufruf zurück? „Dann kann man entscheiden, ob man eventuell auch den Klassenlehrer oder Schulpsychologen einbezieht“, so Liebmann.
Hat das Kind von einem Vorfall erfahren oder war Zeuge, dass andere die Challenge gemacht haben, gelte es ebenfalls, erst einmal Ruhe zu bewahren, sich zu sammeln und erst danach mit dem Kind zu sprechen. Das könne man auch genau so kommunizieren: „Ich muss das erst selbst verdauen. Lass uns in 15 Minuten darüber reden.“ Wichtig sei dann zu ergründen: Wer war alles dabei? Muss ich vielleicht auch andere Eltern kontaktieren? Was ist genau passiert? Wurde ein Kind ohnmächtig? Wie lange?
An Vernunft appellieren - und sogar den Kinderarzt ins Boot holen
„Fand die Challenge sogar in der Nähe von Wasser statt, sollte man klarmachen, wie gefährlich das ist, und die ganze Challenge ohnehin ein Spiel mit dem Leben“, so Liebmann. Aus ihrer Sicht können Eltern in dem Gespräch zwar ihre Sorgen und Nöte platzieren - aber eigentlich könnten sie nur an die Vernunft appellieren und Risiken und Konsequenzen aufzeigen. Manchmal helfe es aber auch, wenn der Kinderarzt oder die Kinderärztin ins Boot geholt wird und die Gefahren noch mal ganz anders erklärt.
Spagat: Am Thema dranbleiben, aber Kind nicht damit nerven
Auch nach dem Erst-Gespräch sei es wichtig, am Thema dranzubleiben und eine Vertrauensbasis zu schaffen. „Das ist das A und O bei allen Krisen“, so die Beraterin. „Man sollte dem Kind oder Jugendlichen nun nicht täglich mit dem Thema auf den Geist gehen, aber sich schon ab und an erkundigen, ob es von weiteren Fällen gehört hat“, rät Liebmann.
Die „Blackout-Challenge“ ist auch als „Choking Game“ bekannt. Die Internet-Mutprobe, die vor allem auf TikTok kursiert, ist nicht neu, aber lebensgefährlich. Aktuelle Fälle meldete die Polizei aus Mecklenburg-Vorpommern. Ziel der Teilnehmenden ist es, sich selbst oder gegenseitig so lange die Luft abzuschnüren oder zu würgen, bis durch den Sauerstoffmangel eine kurze Bewusstlosigkeit beziehungsweise ein Ohnmachtsanfall eintritt. (dpa/red)
