Krickel-Krakel oder echte, authentische Kunst? Das fragt man sich manchmal bei Kinderzeichnungen, auf denen Köpfe zu Kreisen sowie Beine und Arme zu Strichen werden. Eine Frage, die wohl bis auf weiteres nicht beantwortet werden kann. Doch dafür ermittelten jetzt britische Forscher, dass man an den Zeichenkünsten von Kleinkindern erkennen kann, wie sich später ihre Intelligenz entwickeln wird.
Wenn vierjährige malen
Ein Forscherteam des King’s College in London ließ über 7500 ein- und zweieiige Zwillingspaare im Alter von vier Jahren den sogenannten „Männchen-Zeichen-Test“ absolvieren. Dabei geht es nicht um die künstlerischen und handwerklichen Qualitäten, also beispielsweise darum, ob der Stift sicher geführt wird und die Proportionen stimmen. Sondern darum, ob alle wichtigen Körperteile und Gesichtsmerkmale in der richtigen Anzahl und an der richtigen Stelle dargestellt werden, ob also die Kinder imstande sind, richtig zu beobachten und diese Beobachtung mitzuteilen. Die entsprechenden „Treffer“ werden anschließend auf einer Skala von null bis zwölf eingeordnet.
Intelligenz und IQ-Entwicklung
Direkt nach dem Test und zehn Jahre später haben die Forscher dann die Kinder auf ihren IQ untersucht. Das Ergebnis: Jene Kinder, die mit vier Jahren die vollständigsten Figuren zeichneten, schnitten nicht nur bei dem direkt folgenden IQ-Test, sondern auch in dem Test zehn Jahre später meistens besser ab. An den Zeichnungen lässt sich also nicht nur prognostizieren, wie hoch die aktuelle Intelligenz des kleinen Zeichners ist, sondern auch, wie sie sich später entwickeln wird. „Das war für uns schon überraschend“, erklärt Studienleiterin Rosalind Arden.
Weniger überraschend war, dass sich die eineiigen Zwillinge sowohl im Zeichentest als auch in der späteren Intelligenz deutlich mehr als die zweieiigen ähnelten. Doch das heißt nicht, dass es ein spezielles Zeichen-Gen gibt und dass es zusammen mit dem IQ vererbt wird. „Dazu sind beide Eigenschaften viel zu komplex“, so Arden. Die Kinderpsychologin betont außerdem, dass sich die Eltern von zeichenschwachen Kindern keine besonderen Sorgen um deren IQ machen müssten.
Denn der Zusammenhang von kindlichen Zeichenkünsten und jugendlicher Intelligenz sei nur mittelstark ausgeprägt, so Rosalind Arden: „Es gibt noch zahlreiche andere – genetische wie auch umweltbedingte – Faktoren, die sich später noch auf die Intelligenz auswirken.“

