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Der beste Schutz für KinderExperten erklären, wie Prävention bei Missbrauch gelingt

5 min
Mutter und Sohn

Worte für Emotionen zu finden, ist die Basis, um Kinder stark zu machen.

Sexueller Missbrauch verunsichert viele Eltern. Fachleute erklären, wie man Kinder stärken kann, ohne ihnen Angst zu machen.

Das Thema sexueller Missbrauch verunsichert viele Eltern. Schweigen hilft jedoch nicht. Fachleute erläutern, wie Schutz für Kinder gelingt, ohne Furcht zu verbreiten.

Wie lässt sich dem eigenen Nachwuchs etwas vermitteln, das gedanklich kaum zu ertragen ist? Bei sexuellem Missbrauch fehlen zahlreichen Erwachsenen aufgrund von Verunsicherung, Furcht oder persönlichen Erfahrungen oft die passenden Formulierungen. Nicht darüber zu sprechen, stellt die ungünstigste Vorgehensweise dar, da dies eine tatsächliche Bedrohung ignoriert. Die polizeiliche Kriminalstatistik erfasste für das Jahr 2024 über 17.500 Delikte dieser Art an Kindern und Jugendlichen. Fachleute vermuten zudem eine beträchtliche nicht gemeldete Fallzahl. Kerstin Claus, die Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, kommentierte die Statistik mit den Worten: „Mit der digitalen Welt hat sich das Grundrisiko, Opfer sexualisierter Gewalt zu werden, deutlich verschärft“.

Wie sollte man also innerhalb der Familie idealerweise mit dieser Thematik verfahren? Ist es ratsam zu warten, bis der Nachwuchs von sich aus fragt, oder sollte man proaktiv das Gespräch beginnen? Und welche Worte sind dafür geeignet?

Die Bedeutung von Gesprächen über Emotionen

Vorbeugende Maßnahmen können bereits in jungen Jahren ansetzen und behandeln anfangs nicht unmittelbar das Thema Missbrauch. Tanja von Bodelschwingh erklärt: „Der beste Schutz ist, Kinder ernst zu nehmen und sie darin zu bestärken, auf ihre Gefühle zu hören“. Die Sozialpädagogin ist Leiterin der Nationalen Informations- und Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt in Kindheit und Jugend (N.I.N.A. e.V.), die in Kiel ansässig ist.

Schon im Kindergartenalter lässt sich damit beginnen, dem Nachwuchs dabei zu helfen, einen Wortschatz für seine Emotionen zu entwickeln. Es ist von zentraler Bedeutung, dem Kind zu signalisieren, dass seine Empfindungen geachtet werden und dass es legitim ist, Trauer oder Zorn zu empfinden. Der Grundgedanke dahinter ist: Eine Mitteilung über das eigene Befinden ist nur möglich, wenn man benennen kann, was als angenehm oder unschön wahrgenommen wird.

Klare Benennung von Geschlechtsteilen

Der Nachwuchs sollte ebenfalls für den eigenen Körper die korrekten Bezeichnungen kennen, was nicht nur Augen und Arme, sondern gleichermaßen die Geschlechtsteile einschließt. Hierbei ist es ebenfalls entscheidend, über eine Sprache zu verfügen, um eventuelle Vorkommnisse beschreiben zu können. Eine von Scham geprägte Umschreibung für Ausdrücke wie Penis oder Vulva ist laut Ann-Kristin Hartz kontraproduktiv. Die Diplom-Psychologin leitet als Geschäftsführerin das Fachzentrum „Sichtbar“ gegen sexualisierte Gewalt mit Sitz in Braunschweig.

„Wenn Kinder das Gefühl bekommen, dass die Eltern bei dem Thema komisch reagieren, dann trauen sie sich möglicherweise nicht mehr, mit ihnen darüber zu sprechen“, so Hartz. In engem Zusammenhang damit steht die Thematik der persönlichen Grenzen. Hierbei sind die fundamentalen Regeln des Miteinanders und die Achtung eines „Nein“ gemeint. Dies lässt sich gut am Beispiel des Kitzelns illustrieren: Einige Kinder empfinden es als angenehm, während es für andere unangenehm ist. Persönliche Grenzen sind verschieden, und jede Person hat Anspruch auf deren Akzeptanz.

Weshalb pauschale Warnungen keinen Schutz bieten

Laut Tanja von Bodelschwingh ist die Vermittlung der Botschaft, dass Kinder stets „Nein“ sagen dürfen – selbst gegenüber Erwachsenen – von entscheidender Bedeutung. Dies mag zwar zur Folge haben, dass der Nachwuchs dieses Recht auch bei alltäglichen Dingen wie dem Zähneputzen oder den Schulaufgaben beansprucht, aber die darauffolgende Aushandlung ist ein Bestandteil des Entwicklungsprozesses. Furcht hingegen bietet Kindern keinen Schutz. Von Bodelschwingh rät davon ab, sie durch pauschale Warnungen vor bedrohlichen Situationen zu verunsichern.

Ein solches Vorgehen steigere nur ihre Unsicherheit und könnte ihnen bei einem tatsächlichen Übergriff das Gefühl einer Mitschuld vermitteln. Zudem zeichnet die Konzentration auf unbekannte Personen ein falsches Bild, wie Ann-Kristin Hartz hervorhebt, weil die Täter mehrheitlich aus dem nahen sozialen Umfeld wie der Familie oder dem Freundeskreis stammen. Es sei stattdessen wichtiger, Kinder grundsätzlich für die Verletzung von Grenzen zu sensibilisieren und ihnen den Unterschied zwischen positiven und negativen Geheimnissen zu erklären.

Überprüfung von Schutzkonzepten statt Verhaltensregeln

Die Diplom-Psychologin rät davon ab, dem Nachwuchs spezifische Verhaltensanweisungen für Aufenthalte im Ferienlager oder im Trainingscamp des Sportvereins zu erteilen. Stattdessen legt Hartz Eltern nahe, sich im Vorfeld über die vorhandenen Betreuungs- und Schutzmaßnahmen der betreffenden Organisation zu erkundigen. Eine offene und transparente Kommunikation seitens der zuständigen Personen ist hierbei ein positives Signal. Dem eigenen Nachwuchs sollte die Nachricht vermittelt werden: „Wenn etwas nicht passt, bin ich erreichbar und du kannst mir alles erzählen.“

Mit zunehmendem Alter des Nachwuchses gewinnt laut Tanja von Bodelschwingh die Aufklärung über eine positive Sexualität an Bedeutung, bei der Gewalt klar als solche definiert wird. Dies schließe ein, „dass man jederzeit Nein sagen darf, auch wenn man vorher Ja gesagt hat“. Heranwachsende sollten zudem über die rechtlichen Rahmenbedingungen informiert sein: „Eine Lehrkraft, ein Trainer oder eine Trainerin dürfen zum Beispiel keine Beziehung mit einer schutzbefohlenen Person anfangen.“

Ernsthaftigkeit vor überstürztem Handeln

Was ist zu tun, wenn der Nachwuchs sich doch anvertraut? Unabhängig davon, ob es sich um vage Hinweise oder konkrete Schilderungen handelt, muss die erste Reaktion darin bestehen, das Gesagte ernst zu nehmen, so von Bodelschwingh. Obwohl der Impuls, umgehend aktiv zu werden, stark sein mag, „sollte man nicht vorschnell handeln, sondern überlegt vorgehen“. Anlaufstellen wie N.I.N.A., die auch anonym kontaktiert werden können, unterstützen dabei, die Situation zu bewerten und das weitere Vorgehen zu strukturieren. Es sei von größter Wichtigkeit, dem Kind zu signalisieren, dass man ihm glaubt und es nicht alleine lässt. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.