Eine Therapeutin erklärt, wie Paare nach der Geburt eines Kindes ihre Beziehung pflegen und die Lust wiederfinden können.
Liebe ist kein SelbstläuferPaartherapeutin gibt Tipps für die Beziehung nach der Geburt

«Du machst das alles ziemlich gut, finde ich!»: So ein Lob geht runter wie Öl - und kann Eltern wieder näher zusammenbringen.
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„Mit der Familiengründung ändert sich die Partnerschaft“, erklärt Heike Melzer, die als Neurologin und Therapeutin für Paare und Sexualität in München tätig ist. Nachwuchs entspringe zwar einer liebevollen Verbindung, stelle aber gleichzeitig die traute Zweisamkeit auf die Probe. „Sie triangulieren sie quasi“, fügt Melzer hinzu. Insbesondere bei sehr jungen Kindern erfordert diese neue Konstellation ein hohes Maß an Zuwendung.
Konflikte über eine gerechte Neuverteilung von Verantwortlichkeiten treten ebenfalls häufig auf. Solche Umstände können das sexuelle Verlangen mindern und dazu führen, dass die Paarbeziehung an Priorität verliert. Die Dynamik der Partnerschaft verschiebt sich von einstiger Leidenschaft hin zu einem durch den Nachwuchs bestimmten Familienalltag.
Die Bedeutung von gemeinsamer Zeit für die Beziehung
Die Fachfrau muss Paaren eine bestimmte Vorstellung nehmen: „Dass die Lust irgendwann aus dem Nichts wiederkommt, ist kein Selbstläufer.“ Die Pflege der partnerschaftlichen Verbindung vergleicht sie mit einem Garten. Ohne regelmäßige Zuwendung würde dieser verwildern. Wie kann es also gelingen, das Verlangen neu zu entfachen und diesem bildlichen „Vorgarten“ wieder Beachtung zu schenken?
Zwei zentrale Konzepte sind laut der Therapeutin entscheidend: gemeinsame Momente und feste Gewohnheiten. „Die knappe Zeit, die man zusammen verbringt, sollte man nicht pulverisieren lassen, etwa mit ewigem Smartphone-Scrollen“, äußert sie. Aus diesem Grund sei die Etablierung von Ritualen besonders wichtig.
Die Kraft von Ritualen gegen die Smartphone-Ablenkung
Dies betrifft beispielsweise die Art der Begrüßung am Morgen oder bei der Heimkehr eines Partners. Finden Zärtlichkeiten wie Küsse oder Umarmungen statt? Unterbreitet eine Person anregende Ideen für die Gestaltung des Wochenendes? „Dann könnte er oder sie mit noch besseren Ideen einsteigen“, regt die Fachfrau an.
Als Beispiel aus ihrer Arbeit führt sie ein Paar an, das eine Gewohnheit für ihre „Wir-Zeit“ etabliert hat: Zur Einstimmung auf das Wochenende bereiten sie gemeinsam und ohne den Nachwuchs besondere Mahlzeiten zu. „Unser Gehirn ist so strukturiert, dass wir solche fixen Termine brauchen“, erläutert Melzer. Dies sei für das Verlangen und die Zuneigung förderlicher als ein einzelner Wellness-Aufenthalt pro Jahr. Auch kleine Gesten und unerwartete Freuden, die über das Jahr verteilt sind, können die Partnerschaft bereichern.
Wöchentliche Impulse zur Stärkung der Partnerschaft
Paare könnten sich zum Ziel setzen, dass jede Person wöchentlich eine Anregung für die Beziehung einbringt. Die Fachfrau betont jedoch, dass dies auf Gegenseitigkeit beruhen sollte. Das Konzept ist nicht erfolgreich, wenn eine Person lediglich passiv darauf wartet, dass die Initiative vom Partner kommt.
„Meist ist es dann ja so, dass man den Partner nur beobachtet und wartet, dass er mal wieder ‚Fehler‘ macht und denkt: Er oder sie hat sich wieder keine Zeit für mich genommen“, stellt Melzer fest. Das Risiko bestehe darin, in eine Haltung permanenter Beanstandung zu verfallen.
Konstruktive Kommunikation und die Wirkung von Lob
Schwierigkeiten im täglichen Leben und in Partnerschaften sind alltäglich, doch reines Klagen ist selten zielführend. „Wenn man etwas anspricht, sollte man zuvor bereits drei Lösungsvorschläge mitdenken“, rät Heike Melzer. Zur Veranschaulichung nennt sie die Formulierung: „Lass uns mal über unseren Sex sprechen. Ich hätte da drei Vorschläge für was Neues. Vielleicht hast du ja noch bessere Ideen?“ Eine solche proaktive Haltung löse eine positive Gegenreaktion aus.
Ein zusätzlicher Aspekt mit großer Wirkung ist laut der Therapeutin: „Lobt, wo ihr nur könnt!“ Ob bei der Gartenpflege, der Versorgung der Kinder oder dem Erledigen von Einkäufen – das Engagement des Partners wird häufig als gegeben betrachtet. Anerkennende Worte sind hingegen kostenlos und signalisieren Wertschätzung. Die Faustregel von Heike Melzer lautet: „Für einen Tadel muss man 10-mal loben!“ (dpa/red)
Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.