Vom Saatkorn bis zur selbst geernteten Möhre: Auch in den eigenen Beeten können sich Kinder gut austoben. Wie der Einstieg gelingt – und welche Pflanzen besonders gut funktionieren.
Nachwuchs fürs Gärtnern begeisternEin leckeres Abenteuer: So legen Sie einen Naschgarten für Kinder an

Vom Beet auf den Teller: Erleben Kinder, wie durch ihr Zutun aus einem Samen eine Pflanze und später ein leckeres Lebensmittel wird, machen sie eine wertvolle Erfahrung. RND
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Kleine Hände streichen über Rosmarin, ein würziger Duft steigt auf. Erbsenschoten werden vorsichtig geknackt, die ersten Erdbeeren direkt vernascht. Gärtnern begeistert Kinder, weil sie dabei alle Sinne einsetzen. Sie sehen, fühlen, riechen und schmecken. „Im Garten erleben Kinder, wie aus einem Samen eine Pflanze wird“, sagt Sandra Raupers-Greune. Sie ist Beraterin für Garten, Hof- und Dorfgrün bei der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und schult Teilnehmende in der Weiterbildung „Gärtnern mit Kindern“ beim Landfrauenverband.
Ihrer Erfahrung nach lernen Kinder bei der Gartenarbeit ganz spielerisch. Beim Aussäen ist nicht nur ihre Feinmotorik gefragt. Über die Monate hinweg können sie beobachten, wie sich Pflanzen entwickeln – und wie die Jahreszeiten darauf Einfluss nehmen. Auch Tiere gehören dazu: Regenwürmer, die auf den ersten Blick so glitschig wirken, sorgen für fruchtbaren Boden. Im eigenen Beet schaut der Nachwuchs den Bienen beim Bestäuben zu. „Das bleibt ganz anders im Gedächtnis, als wenn man es nur aus einem Buch kennt“, so Raupers-Greune.
Auf den Punkt
Klingt erst mal gut, aber wie gelingt das gemeinsame Gärtnern, ohne dass es für Kinder zur lästigen Pflicht wird – ähnlich wie Müll rausbringen oder Zimmer aufräumen? Die Expertin lacht. „Das Wichtigste ist: Kinder müssen nicht helfen“, sagt sie. Gärtnern soll Spaß machen, wie bei Erwachsenen auch. Kleine, überschaubare Aufgaben sind der Schlüssel. Ein eigenes Beet von ein bis zwei Quadratmetern oder ein Topf auf dem Balkon reichen völlig aus. Hier sind keine langen Arbeitseinsätze nötig, oft genügen wenige Minuten zum Unkraut jäten oder Gießen.
Mitbestimmung ist wichtig
Motivierend wirkt auch eigenes Werkzeug: eine kleine Gießkanne oder eine kindgerechte Hacke. Noch wichtiger ist jedoch Mitbestimmung. Kinder sollten selbst entscheiden dürfen, was sie anbauen und wann sie ernten. „Wenn die Erdbeere halbrot im Mund verschwindet, dann ist das eben so“, sagt Raupers-Greune. Auch vermeintliche Fehler gehören dazu, und Eltern dürfen diese bewusst zulassen: Werden Samen zu dicht gesät, wachsen die Pflanzen eben kleiner – diese Erfahrung dürfen Kinder unbedingt selbst machen.
Ein eigenes Beet anlegen
Egal, ob Hochbeet in kindgerechter Höhe, ein Beet auf dem Boden oder einfach ein Kübel auf der Terrasse oder dem Balkon – kleine Naschgärten lassen sich eigentlich überall anlegen. Beraterin Raupers-Greune empfiehlt, die Kinder schon dabei einzubeziehen. Aus selbst gesammelten Stöcken oder Steinen lässt sich zum Beispiel eine Abgrenzung zu ihrem „eigenen Garten“ anlegen.
Bei der Auswahl der Pflanzen sollte man zumindest teilweise auf schnell wachsende Vertreter setzen: Kresse und Radieschen etwa keimen relativ zügig – für die kleinen Gärtner zeigt sich so schon zeitig ein Erfolg. Auch Zuckererbsen wachsen schnell und schmecken süß. Klassiker wie Erdbeeren oder Cocktailtomaten kommen fast immer gut an. Auch Mini-Gurken oder anderes Snack-Gemüse machen Kindern Freude und helfen manchmal sogar, Vorbehalte gegenüber Gemüse abzubauen.
Ein besonderer Tipp der Expertin: Viele Gemüse-Sorten, die bei Erwachsenen Skepsis hervorrufen, sind für Kinder ein spannendes Experiment – wie etwa blaue Kartoffeln oder bunte Möhrensorten. Kräuter sind ebenfalls ideal, weil sie immer wieder geerntet werden können. Neben Klassikern wie Schnittlauch oder Petersilie, die sich zum Beispiel auf das Butterbrot streuen lassen, gibt es auch besondere Kräuter, die Kinder begeistern: Zum Beispiel das Cola-Kraut – ein winterhartes Gewächs, dessen Blätter nach dem Getränk riechen, wenn man daran reibt. Oder die argentinische Minze, die nach dem klassischen Pfefferminz-Kaugummi duftet.
Aber Achtung: Insbesondere das Cola-Kraut ist in der Anwendung – im Vergleich mit klassischen Kräutern – etwas spezieller. Hier werden auch nur die Spitzen der Blätter geerntet, der Rest schmeckt eher bitter.
Gärtnern mit Kindern trotz wenig Platz
Auch auf kleinstem Raum können Kinder gärtnern, zum Beispiel in einem Blumenkasten. Drei Pflanzen, die Expertin Raupers-Greune für den Mini-Naschgarten empfiehlt:
- Erdbeeren: Sie sind ein heiß geliebter Klassiker bei vielen Kindern und machen Lust aufs Gärtnern.
- Kräuter: Sie wachsen durchgehend und lassen sich immer wieder ernten. Mit Minze oder Melisse werden nicht nur Speisen, sondern auch Getränke verfeinert.
- Cocktailtomaten: Diese sind nicht nur pflegeleicht, sondern aromatisch und oft auch ziemlich ertragreich.
Kindliche Motivation fördern
Wenn Eltern selbst gern gärtnern, springt die Begeisterung oft schnell auf die Kinder über. Aber auch ohne Vorerfahrung gelingt der Einstieg gemeinsam. Wichtig ist dabei: Am Anfang nicht zu viel vornehmen. Lieber klein anfangen, mit wenigen Pflanzen, die gut wachsen und gerne gegessen werden. Die Motivation steigt dann von allein, spätestens, wenn die erste selbst gezogene Möhre auf dem Teller landet.
Besonders wertvoll ist es, Kinder auch bei der Zubereitung der selbst geernteten Leckereien einzubeziehen. „So erleben sie den Weg vom Beet bis auf den Teller ganz bewusst“, sagt Raupers-Greune. Das Beste: Im Familien-Naschgarten wachsen langfristig nicht nur Leckereien, sondern es wächst auch die Begeisterung für Natur und frische Lebensmittel. Wenn das nicht eine tolle Ernte ist!