Abo

Partnersuche„Dieses Dating soll den Menschen gut tun“

3 min
Love red heart in hand to woman on grunge denim background . Vector illustration .

Bei der Handmassage die Liebe finden? Könnte beim Mindful Dating klappen.

Die Kölnerin Sabine Link hat Mindful Dating entwickelt. Ein Gespräch über Dating-Burnout, Igelball-Massagen und die Frage, warum echte Verbindung offline besser gelingt als per App.

Frau Link, die meisten Business-Konzepte entstehen aus persönlichem Scheitern. Was hat Sie dazu gebracht, Mindful Dates anzubieten. Hat das mit Ihrer eigenen Dating-Geschichte zu tun?

Sabine Link: Nein, gar nicht. Ich kenne meinen Mann seit 25 Jahren und bin schon lange nicht mehr in der Dating-Community unterwegs. Aber ich liebe alles, was mit Romantik zu tun hat. Liebesfilme, Liebesromane, ich fiebere da sehr mit, habe schon immer gerne Menschen verkuppelt, wenn ich dachte, dass das zusammenpasst. Vor knapp zwei Jahren hat mir auf einer Gartenparty dann ein Bekannter von seinen Speed-Dating-Erfahrungen erzählt. Und dann habe ich recherchiert und mich gewundert, dass es für bewusstere oder introvertierte Menschen eigentlich kein wirkliches Konzept gibt. Alles funktioniert über Optik. Dann habe ich zusammen mit meiner 18 Jahre alten Tochter ein achtsames Speed-Dating-Konzept geschrieben und das mit Freundinnen in unserem Wohnzimmer ausprobiert

Und alle waren begeistert?

Ehrlicherweise nicht sofort. Manches musste ich überarbeiten, weil mir Freundinnen sagten: Das kannst du nicht bringen. Zum Beispiel die Übung mit der gegenseitigen Handmassage, bei der man sich unterhalten soll. Nicht jeder will von einem Fremden angefasst werden, sagten meine Freundinnen. Also biete ich jetzt einen Igelball an. Wer mag, kann damit massieren – dann hat man gar keinen Körperkontakt. Und trotzdem kommt man in die Interaktion und schaut sich dabei in die Augen

Sabine Link

Sabine Link von Mindful Dates glaubt, dass Menschen wieder echte Verbindungen suchen.

Die körperliche Nähe ist aber dennoch ein entscheidender Faktor beim Mindful Daten, oder?

Ich habe das Gefühl, dass die Menschen nach echter Verbindung suchen. Sie wollen nach Fake-Erfahrungen beim Online-Dating, aber auch den Kontaktsperren der Pandemie einfach reale menschliche Verbindungen. Dieses Bedürfnis wird noch zunehmen. Einfach um zu vermeiden, dass man beim Online-Dating drei Wochen lang mit einer Person Tag und Nacht chattet, nur um beim ersten Treffen dann zu merken, dass die in echt ganz anders wirkt und gar nicht meinem Typ entspricht. Oder noch schlimmer: Ich merke, dass ich drei Wochen mit einer KI gechattet habe, mit einem Menschen, den es in Wirklichkeit gar nicht gibt.

Viele erschöpft das Online-Dating, einige sprechen tatsächlich von einem Dating-Burnout. Wie sehen Sie die Entwicklung?

Ich glaube, dass sich viele Menschen durch die scheinbar unendliche Verfügbarkeit von potenziellen Partnern nicht mehr so leicht für einen entscheiden. Viele verhalten sich beim Online-Dating eher wie beim Shoppen. Sie gucken nicht mehr so genau hin und fragen sich: Was ist das eigentlich für ein Mensch? Viele Singles, das ist zumindest mein Eindruck, konsumieren eher und hoppen dann eben zum nächsten. Das ist auf Dauer aber sehr anstrengend, vermute ich.

Offline-Dating, beispielsweise Speeddating, bieten aber ja auch andere an. Wo liegt die Besonderheit beim Mindful Dating?

Bei uns finden sich Menschen, die Wert auf Achtsamkeit und einen bewussteren Umgang miteinander legen. Hier kommen außerdem auch diejenigen zum Zug, die nicht so extrovertiert sind – die bei anderen Dating-Möglichkeiten von den Platzhirschen, von den Lauteren in den Hintergrund gedrängt werden. Bei uns haben alle Teilnehmer die Möglichkeit, sich so zu zeigen, wie sie eben sind. Durch die Interaktion ist es außerdem oft sehr lustig. Die Leute sprechen nicht nur miteinander, sie lachen auch viel, sie haben die Möglichkeit, sich auf einer anderen Ebene, als nur verbal, wahrzunehmen. Wichtig ist mir, dass dieses Dating den Menschen gut tun soll. Und zwar ganz abgesehen davon, ob sie einen Partner finden. Viele melden mir auch zurück, dass sie einfach Spaß hatten und viel über sich selbst erfahren haben.

Haben Sie als Kursleiterin manchmal das Gefühl: Oh, bei den beiden könnte es klappen?

Ja, tatsächlich. Aber ich liege da auch nicht immer richtig. Manchmal sind zwei total süß miteinander und dann kreuzt aber nur der eine an, dass er den anderen wiedersehen will. Dann bin ich manchmal auch enttäuscht. Aber es gibt auch Paare, die sich bei den mittlerweile knapp 50 Kursen bei uns gefunden haben, ich selbst weiß zumindest von dreien.