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Tipps zur Einschulung„Schulbeginn ist keine Stunde Null“

4 min

Die meisten Kinder freuen sich auf ihre Einschulung.

Was bedeutet der Schulbeginn für Kind und Eltern?

Ute Schnell-Micka Für beide Seiten beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Das Kind verlässt die Kindertagesstätte und die neue Umgebung der Schule bringt viele Veränderungen mit sich: neues Gebäude, neue Kinder, neue Bezugspersonen, einen neuen Tagesablauf. Bis auf wenige Ausnahmen freuen sich Kinder aber in der Regel auf ihren Schulbeginn. Die Eltern haben manchmal Sorge davor.

Diplom-Psychologin Ute Schnell-Micka ist die Koordinatorin des Schulpsychologischen Dienstes in Köln.

www.stadt-koeln.de

Woher kommt die Angst der Eltern?

Schnell-Micka Einige Eltern neigen dazu, ihre eigenen, teils negativen Schulerfahrungen auf ihre Kinder zu projizieren. Sie sollten diese reflektieren und auch mit dem Partner oder Freunden darüber sprechen, was damals passiert ist und ihre eigenen Erfahrungen von denen des Kindes trennen. Jedes Kind sollte seinen eigenen Schulstart haben.

Und was ist mit konkreten Ängsten? Zum Beispiel: Wie schafft mein Kind den neuen Schulweg? Oder wie findet es sich in der Schule alleine zurecht?

Schnell-Micka Bekanntes schafft Sicherheit. Die Eltern sollten den neuen Schulweg mit dem Kind üben, aber das hängt natürlich davon ab, wie weit oder kompliziert er ist. Wenn das Kind mit dem Auto gebracht wird, kann es auch sehr sinnvoll sein, Fahrgemeinschaften zu bilden. In der Schule helfen am Anfang die Lehrerinnen, Lehrer oder Erzieher dem Kind, sich zurechtzufinden. Aber bestimmte Lernerfahrungen gehören auch dazu. Es ist nicht so schlimm, wenn das Kind sich mal verläuft und den Kleiderhaken nicht findet, es kann ja dann um Hilfe bitten. Man sollte ihm zutrauen, dass es unbekannte Situationen meistert.

Und was tun bei Abschiedsschmerz?

Schnell-Micka Auch diesen sollte man ernst nehmen, er gibt sich aber in der Regel nach wenigen Tagen. Wenn das Kind bereits zuvor in der Kindertagesstätte Kontakte knüpfen konnte, wird ihm das auch wieder in der Schule gelingen. Außerdem ist der Schulbeginn keine „Stunde Null“. Das Kind hat bereits in der Familie und im Kindergarten so viel gelernt, dass es auf dieses Vorwissen zurückgreifen kann.

Wie lange dauert die „Eingewöhnung“ in die Schule?

Schnell-Micka Das ist individuell sehr verschieden, aber spätestens nach sechs bis acht Wochen ist sie bei den meisten Kindern abgeschlossen.

Wie merken Eltern, dass beim Schulstart etwas schiefläuft?

Schnell-Micka Viele Kinder sprechen nicht über die Probleme. Wenn sie weinerlicher oder aggressiver geworden sind seit Schulbeginn, schlecht schlafen oder Schwierigkeiten bei den Hausaufgaben haben, sollten Eltern nachfragen, mit ihnen reden und den Kontakt zur Lehrkraft suchen.

Welche Tipps gibt es für die Eltern für den Umgang mit Lehrern?

Schnell-Micka Eltern sollten sich von Anfang an darum bemühen, eine gute Beziehung zum Lehrer aufzubauen. Dazu gehört auch, dass sie den Tagesablauf respektieren. Das heißt für ein Gespräch lieber einen Termin machen und den Lehrer nicht kurz vor dem Unterricht abfangen. Außerdem müssen Eltern akzeptieren, dass bestimmte Themen oder Konflikte im Klassenraum auch dort gelöst werden. Das heißt nicht, dass Eltern und Kinder nicht darüber sprechen sollten. Aber die Kinder sollten sich bei ihren Problemen in der Schule an den Lehrer wenden.

Wie können Eltern Lernen und Hausaufgaben fördern?

Schnell-Micka Wenn Kinder ihre Hausaufgaben generell zu Hause machen, sollten sie eine ruhige Arbeitsecke ohne Computer, Fernseher oder Radio haben. Und sie sollten die Hausaufgaben am besten von Anfang an alleine machen, damit sie lernen, sich alleine zu konzentrieren und selbständig zu arbeiten. Bei Schwierigkeiten sollten Eltern natürlich helfen, aber wenn das Problem geklärt ist, können sie das Kind auch wieder alleine lassen. Viele Lehrkräfte möchten auch nicht, dass die Eltern die Hausaufgaben korrigieren, damit sie sehen, wo ihre Schüler stehen. Darüber hinaus ist es wichtig, dass die Kinder motiviert bleiben. Es ist daher toll, wenn die Eltern das Lesen fördern. Das funktioniert am besten, wenn sie gemeinsam Geschichten lesen und Bücher in der Bibliothek ausleihen. Mit Gesellschaftsspielen kann man zudem die Konzentration trainieren.

Wann müssen sich Eltern in Bezug auf Hausaufgaben Sorgen machen?

Schnell-Micka Kinder, die nicht in eine Ganztagsschule gehen, sollten in der ersten Klasse zu Hause nicht länger als 30-45 Minuten Hausaufgaben machen. Wenn sie bis zu zwei Stunden brauchen und sehr unkonzentriert sind, sollten Eltern mit den Lehrern oder mit dem Schulpsychologischen Dienst sprechen.