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Gefühle im JobWie ihr professionell mit Wut und Tränen umgeht

4 min
Eine Ärztin lehnt mit geschlossenen Augen an der Wand

Die Wand im Rücken gibt Stabilität: Wer im Beruf mit starken Emotionen konfrontiert ist, sollte sich erst mal sammeln.

Ärger, Jubel, Enttäuschung: Gefühlsregungen sind Teil des Berufslebens. Wie aber gelingt der Umgang damit, ohne die professionelle Haltung zu verlieren? Ratschläge von zwei Fachfrauen.

Sei es der Zorn auf einen Kollegen, der nicht vorbereitet ist, die Euphorie nach einem erfolgreichen Projekt oder die Enttäuschung infolge scharfer Kritik – Gefühlsregungen prägen den Berufsalltag. Zugleich werden heftige emotionale Reaktionen rasch als unseriös eingestuft. Wie Beschäftigte einen souveränen Umgang damit entwickeln können, erläutern zwei Spezialistinnen anhand wichtiger Fragen, wie die „dpa“ berichtet.

Gefühle üben eine erhebliche Wirkung aus, die sich sowohl vorteilhaft als auch nachteilig zeigen kann. „Positive Emotionen können uns gut energetisieren und unsere kognitive Flexibilität fördern“, äußert sich Prof. Myriam Bechtoldt, die als Psychologin und Professorin für Leadership an der EBS Universität lehrt. „Sie erhöhen unsere Aufmerksamkeit und Leistungsfähigkeit und erleichtern es uns, neue Informationen aufzunehmen und Zusammenhänge zu erkennen.“

Die Wirkung von Gefühlen im Berufsleben

Ebenso sind Gefühle bei Entschlüssen und im sozialen Miteinander von zentraler Bedeutung. Schwierigkeiten entstehen laut Bechtoldt dann, „wenn wir uns unbewusst von ihnen beeinflussen lassen“. Die Gemütslage hat demnach Auswirkungen darauf, welche Fakten wir abrufen und wie wir deren Relevanz einschätzen. „Fühlen wir uns schlecht, erinnern wir uns deutlich leichter an Dinge aus der Vergangenheit, die auch schon einmal schiefgegangen sind“, erklärt die Professorin.

Intensive Emotionen am Arbeitsplatz zeigen?

Die Frage, ob intensive Emotionen öffentlich gemacht werden sollten, hängt laut Annette Auch-Schwelk, einer Coachin und Buchautorin zu diesem Gebiet, von den Umständen ab: „kommt auch auf den Kontext an“. Ein aufgebrachter Fußball-Coach wird häufig als dynamisch und stark interpretiert, während ein tobender Vorstandsvorsitzender als negatives Vorbild in puncto Selbstbeherrschung angesehen wird.

„Wir leben in einer Kultur, die eine sehr ambivalente Haltung zu Emotionen hat“, führt Myriam Bechtoldt aus. Berufliche Seriosität wird häufig mit einem Mangel an Gefühlen in Verbindung gebracht, obgleich Personen ohne Emotionen als unangenehm wahrgenommen werden. „Wir sollen zwar auch im Arbeitskontext Emotionen zeigen, aber nur so long sie sich im positiven Bereich des Spektrums bewegen und nicht zu intensiv sind. Alles andere empfinden wir als unprofessionell“, erläutert die Fachfrau.

Annette Auch-Schwelk empfiehlt zur Findung der richtigen Balance die Selbstreflexion: „Wann habe ich welches Gefühl? Wie oft kommt es vor? Und was löst das Gefühl bei mir aus?“ Myriam Bechtoldt fügt hinzu, dass eine gezielte Unterscheidung hierbei wesentlich sei. „Es ist ein Unterschied, ob ich wütend oder frustriert bin; diese Gefühle haben unterschiedliche Ursachen, deshalb brauchen wir auch unterschiedliche Strategien, um mit ihnen umzugehen.“

Professionelle Methoden im Umgang mit Gefühlen

Nützliche Vorgehensweisen sind sehr unterschiedlich. Bei Zorn kann es ratsam sein, sich körperlich zu betätigen, um die physische Anspannung zu reduzieren. Gegen Sorgen hilft es zahlreichen Menschen, ein Gespräch zu führen. Überkommt einen in einer Besprechung eine emotionale Welle, empfiehlt Auch-Schwelk Maßnahmen zur Stabilisierung: sich setzen, beide Füße fest auf den Untergrund stellen und konzentriert sowie langsam atmen. „Mental kann es helfen, sich immer wieder zu sagen: Es geht vorbei.“

Wenn es die Situation zulässt, rät Myriam Bechtoldt dazu, den Raum für einen Moment zu verlassen. „Handeln Sie nicht in dem Moment, in dem Sie die größte Erregung empfinden. Werden Sie erst ruhig“, empfiehlt sie. Professionalität bedeutet nicht, emotionslos zu sein, „sondern zwischen Impuls und Handlung einen Moment der bewussten Steuerung entstehen zu lassen“. Das eigentliche Problem ist nicht die Emotion selbst, sondern die fehlende Reflexion im Umgang mit ihr.

Wie man mehr über die eigenen Gefühle lernt

Gefühle können mit genügend Distanz im Nachhinein untersucht werden: Was genau hat mich derart emotional reagieren lassen? Warum räume ich einem bestimmten Menschen oder einer Lage so viel Einfluss auf mich ein? „Man sollte wirklich dahinter schauen, was los ist. Oft haben starke Emotionen etwas mit der eigenen Vergangenheit zu tun. Insbesondere wenn man an dem Ursprung arbeitet, kann grundlegende Entlastung entstehen“, erklärt Auch-Schwelk.

Bei häufig auftretenden, starken emotionalen Ausbrüchen kann es ratsam sein, fachkundige Unterstützung in Anspruch zu nehmen. (red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.