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Die erschöpfte JugendWas Experten gegen Stress und Zukunftsängste raten

4 min
Eine junge Frau sitzt an einer Haltestelle auf einer Bank

Krisen verstärken Unsicherheiten oft noch - besonders in sensiblen Übergangsphasen, in denen sich junge Erwachsene oft befinden.

Krisen und Unsicherheiten machen jungen Menschen Angst vor der Zukunft. Experten erklären, wie man wieder zuversichtlicher wird.

Anhaltende Krisen und berufliche Unsicherheiten belasten die junge Generation. Eine aktuelle Untersuchung verdeutlicht die Situation. Fachleute erläutern, wie man wieder zuversichtlicher wird.

Anhaltende Krisen, ein durch künstliche Intelligenz komplizierterer Start ins Arbeitsleben sowie der Mangel an Wohnraum führen dazu, dass zahlreiche junge Leute mit Besorgnis in die Zukunft schauen. Dies geht aus der Untersuchung „Jugend in Deutschland 2026“ hervor. Für diese Erhebung wurden über 2.000 Menschen zwischen 14 und 29 Jahren repräsentativ interviewt.

„Die Ergebnisse der Trendstudie zeigen auf dramatische Weise, wie sehr die Belastungen der letzten Jahre den jungen Menschen zusetzen – in Form von Stress, Erschöpfung und wachsender Perspektivlosigkeit“, erläutert Simon Schnetzer, der Leiter der Studie, in einer Bekanntmachung der mitwirkenden Universität Potsdam. Laut den Resultaten leiden 49 Prozent der Interviewten unter Stress, während 36 Prozent über Erschöpfung klagen. 29 Prozent äußern den Bedarf an psychologischer Hilfe. Diese Situation trifft die jungen Leute besonders schwer in einem Lebensabschnitt, in dem entscheidende Weichenstellungen für Beruf, Partnerschaft und Wohnsituation anstehen.

Gründe für die zunehmende Verunsicherung

„Globale Krisen, Klimawandel oder wirtschaftliche Unsicherheit wirken wie permanenter Stress im Hintergrund, zusätzlich zu dem aktuellen Stress im Alltag“, äußert der Psychologe und Coach René Träder. Sorgen vor der Zukunft seien deshalb kein Indiz für Schwäche, sondern angesichts der gegenwärtigen Situation verständlich. Eine entscheidende Funktion habe hierbei der Umstand, dass eine einzelne Person auf Kriege und Krisen normalerweise kaum Einfluss nehmen kann. „Das erzeugt ein Grundgefühl von Anspannung“, fügt die Psychologin und Buch-Autorin Pauline Stockmann hinzu. Oft gesellt sich ein Empfinden der mangelnden Kontrolle hinzu.

Intensiviert wird diese Problematik, weil Übergangsphasen für junge Erwachsene grundsätzlich eine sensible Zeit darstellen. Dieser Lebensabschnitt ist häufig durch Entscheidungen mit offenem Ergebnis gekennzeichnet, wie etwa: „Finde ich einen adäquaten Job in meiner Heimatstadt?“ oder „Werde ich im Alter arm sein?“. Müssen derart zentrale Lebensentscheidungen während einer Periode globaler politischer Unsicherheit gefällt werden, kann dies nach Aussage von Stockmann bestehende Sorgen vor der Zukunft noch verschärfen.

Wie soziale Netzwerke Ängste intensivieren können

Sozialnetzwerke leisten ebenfalls einen Beitrag zur Verunsicherung. „Soziale Medien und ständige Nachrichten beeinflussen das Gefühl von Unsicherheit maßgeblich“, sagt Stockmann. Häufig gehen dabei eine gesunde Distanz sowie das Gespür dafür verloren, was als normal und erreichbar gilt. René Träder ergänzt, dass zahlreiche Nutzer tendenziell auf negative Inhalte klicken. Dies könne letztlich eine verzerrte Realitätswahrnehmung und damit innere Verunsicherung zur Folge haben.

Allerdings existieren Methoden, um der eigenen Verunsicherung entgegenzuwirken. Eine bedeutende Funktion kommt hierbei der Resilienz zu, also der seelischen Widerstandsfähigkeit. „Resilienz hilft dabei, trotz Ängsten optimistisch zu sein und Vertrauen darin zu haben, dass sich die Dinge gut entwickeln“, erläutert Stockmann. Diese Kompetenz kann geschult werden. „Dazu gehört, sich auf mögliche Lösungen statt auf Probleme zu konzentrieren“, meint Träder. Ebenso sind soziale Beziehungen und die Achtsamkeit für die eigene Person von entscheidender Bedeutung.

Praktische Ansätze gegen die Zukunftsangst

Personen, die ihren Umgang mit Nachrichten und sozialen Netzwerken überdenken, können ebenfalls aktiv werden. Anstatt lediglich Schlagzeilen zu überfliegen, empfiehlt Träder eine intensivere Auseinandersetzung mit den Themen, die Sorgen bereiten. „Das bedeutet, längere Artikel lesen, die möglichst unterschiedliche Perspektiven abbilden und allgemein verschiedene Experten-Meinungen miteinander vergleichen.“ Je mehr Wissen vorhanden ist, desto leichter lässt sich eine begründete Ansicht bilden, was wiederum die Widerstandsfähigkeit fördert.

Der Fachmann rät darüber hinaus zu folgender Überlegung: Was unterliegt meiner Kontrolle, was kann ich beeinflussen und was muss ich hinnehmen? Kontrollierbar sei beispielsweise der persönliche Medienkonsum, indem man sich ein bestimmtes Zeitfenster dafür einrichtet. Die Lage beeinflussen könne man etwa durch die Mitwirkung an einer Demonstration. Akzeptiert werden müsse hingegen die Tatsache, dass ein gewisses Maß an Ungewissheit zum Leben gehört.

Auf lange Sicht ist auch die Kommunikation mit anderen über Belastungen und Ängste hilfreich. „Im Gespräch mit anderen relativiert sich oft Vieles“, sagt Träder. Pauline Stockmann rät außerdem dazu, einen Plan B zu entwickeln, „für den Fall, dass etwas anders läuft als erwartet“. Personen mit einem Alternativplan fühlen sich dem Ungewissen nicht so stark ausgesetzt.

Das Thema Selbstfürsorge sollte nicht geringgeschätzt werden. Laut Träder zählen dazu genügend Schlaf sowie eine ausgewogene Ernährung. Physische Aktivität ist zudem oft wirksam gegen Stress und kann dazu beitragen, dass Sorgen vor der Zukunft im Laufe der Zeit abnehmen. (dpa/red)

Dieser Inhalt wurde mit Hilfe von KI erstellt.