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Hypertonie - BluthochdruckZu viel Druck im System

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Die optimale Zusammenstellung der Medikamente ist das A und O, um Bluthochdruck in den Griff zu bekommen. Heilen kann man die chronische Erkrankung nicht, aber erfolgreich therapieren.

Hätte Franklin D. Roosevelt, Präsident der Vereinigten Staaten, 1945 einen guten Arzt mit dem Wissensstand von heute und wirksame Medikamente gehabt, wahrscheinlich wäre das Ergebnis der Jalta-Konferenz anders ausgefallen. Da dies nicht der Fall war, hat Roosevelts Erkrankung Geschichte geschrieben. Davon ist nicht nur Professor Manfred Weber überzeugt, Chefarzt am Klinikum Köln-Merheim, sondern weltweit viele Mediziner und Historiker.

Roosewelt, der auf Einladung des sowjetischen Staatschefs Josef Stalin zusammen mit Winston Churchill vom 4. bis 11. Februar 1945 in Jalta, auf der Halbinsel Krim, das gemeinsame Vorgehen in der Schlussphase des Zweiten Weltkriegs aushandelte, war gesundheitlich schwer angeschlagen. Manfred Weber: „Roosevelt litt unter extremem Bluthochdruck mit Höchstwerten von 240. Ab 200 kann man nicht mehr klar denken. Historiker und Mediziner sind sich einig, dass die Zugeständnisse, die Roosevelt an Stalin machte, nur möglich waren, weil er sich in diesem Ausnahmezustand befand.“ Zwei Monate nach Jalta starb Roosevelt mit einem Blutdruck von 300/190 an Hirnblutung.

Chefarzt Manfred Weber, der als Bluthochdruck-Experte auf der „Focus“-Ärzteliste ausgewiesen ist, weiß um die Tücken dieser Krankheit – aber auch, welche Therapien erfolgreich sind.

Hoher Druck in den Gefäßen

Mehr als 50 Prozent der über 60-Jährigen leiden an Bluthochdruck. Sie haben Werte von über 140/90. Manfred Weber: „Es grenzt an ein Wunder, dass wir bei solchen Belastungen der Gefäße 80 Jahre und älter werden.“ Zu verdanken ist das den Errungenschaften der Medizin, einer frühzeitigen Diagnose und der wirksamen Therapie mit Medikamenten. „Rund 35 Millionen Pulsschläge pro Jahr halten unsere Gefäße, in denen das Blut fließt, klaglos aus. Welch eine gigantische Mechanik. Wird der Druck in den Gefäßen zu hoch, dann schädigt das auf Dauer die Innenwände der Gefäße.“ Das heißt, dass sich unter anderem Zellen ablösen und die Gefäßwände dadurch sprichwörtlich verwundet werden. Nur können diese Wunden nicht in Ruhe heilen, sondern sie werden ständig gereizt durch den Fluss des Blutes und die Belastung durch die Pulswellen. Weber: „Das alles müssen unsere Gefäße verkraften und dabei sollen sie auch noch einigermaßen zuverlässig funktionieren.“

„Bluthochdruck“,

Freitag, 5. Dezember, 19 Uhr,

studio dumont, Breite Straße 72, Köln-Innenstadt

Experte: Prof. Dr. Manfred Weber,

Chefarzt im Klinikum

Köln-Merheim

Moderation: Marie-Anne

Schlolaut

Karten für 12,55 Euro (Abocard 10,50 Euro) gibt es ab sofort im Servicecenter Breite Straße 72, Köln, bei Kölnticket

0221/2801

www.koelnticket.de

www.abocard.de

Das klappt nur dann, wenn der Druck medikamentös verringert und die Belastung für die Gefäße auf Schongang eingestellt ist. Weitere Gefäßkiller sind zu hohe Cholesterinwerte und natürlich Nikotin. Wer seine Gefäße und damit seine Gesundheit erhalten will, sollte Übergewicht und Bewegungsmangel meiden. Manfred Weber: „Schon bei zwei Kilo zu viel steigt der der mittlere Blutdruck (siehe Infokasten unten, d. Red.) um einen Millimeter an. Bei zehn Kilo schon um fünf Millimeter. Wer 30 Jahre alt ist, 1,80 Meter groß und hundert Kilo wiegt, dessen Blutdruck ist allein aufgrund des Körpergewichts um zehn Millimeter angestiegen. Damit hat dieser Mensch 30 Jahre früher als ein Normalgewichtiger einen bedrohlichen Bluthochdruck.“ Dagegen hilft nur Disziplin beim Essen und ausreichend Ausdauersport wie walken, wandern, joggen, schwimmen, aber auch autogenes Training und regelmäßiges Saunieren. Letzteres deshalb, so Bluthochdruck-Experte Weber, „weil Sauna wie eine Entwässerungspille wirkt. Aber auf keinen Fall sollte man sich als Hochdruckpatient nach dem Saunagang ein Eisbad gönnen, sondern sich nur mit dem Kaltwasser-Schlauch oder unter der Dusche abkühlen. Das Eisbad führt zu krisenhaften Blutdruckanstiegen.

Medikamente meist nötig

Allein mit Bewegung, Sauna und richtiger Ernährung ist ein aus dem Takt geratener Blutdruck nicht in den Griff zu bekommen. In der Regel klappt die Steuerung nur mit Hilfe von Medikamenten. Pillen, die entwässern, senken den mittleren Blutdruck geringfügig ab. Andere Medikamente schaffen deutlich mehr und blockieren gleichzeitig Stresshormone, die Mitauslöser hohen Blutdrucks sind. Manfred Weber: „Meist wird eine Kombination aus Entwässerung und Gefäßerweiterung verordnet, oft ergänzt durch Betablocker, um so ein optimales Ergebnis zu erzielen.“ Weber benennt aber auch den Nachteil von Betablockern, denen Mediziner gern einen „Tefloneffekt“ attestieren: Sie helfen, aber man wird lethargisch, weil alles an einem abperlt – eben wie an einer teflonbeschichteten Fläche. Es ist ratsam, diese Medikamente morgens einzunehmen, um „so die Spitze von Aufregungen zu kappen und den Blutdruck zu zügeln“.

Bluthochdruck-Risiko

Manfred Weber ist sich sicher, dass mit einer guten und individuell zugeschnittenen Kombination dieser Medikamente „90 bis 95 Prozent aller Bluthochdruck-Patienten erfolgreich behandelt werden können“. Für die Mediziner bisher unerklärlich ist, wieso der Blutdruck einem eigenen Rhythmus zu gehorchen scheint: Am frühen Morgen zwischen fünf und sechs Uhr erreicht er seinen absoluten Höhepunkt, bis 14 Uhr sinkt er ab, steigt bis 18 Uhr wieder an und beruhigt sich bis zwei Uhr nachts – bevor es wieder losgeht . Weber: „Deshalb registrieren wir die meisten Schlaganfälle oder Luftnot durch Wasser in der Lunge zwischen fünf und sechs Uhr.“ Ein vermehrtes Risiko, an Bluthochdruck zu erkranken, haben zudem Schichtarbeiter, „weil ihnen die Schlaftiefe fehlt, die sich positiv auf den Blutdruck auswirkt“.

Und wer hätte gedacht, dass der Genuss einer salzigen Pizza zusammen mit blutdrucksenkenden Entwässerungsmedikamenten nicht ratsam ist? Weber: „Pizza hebt die Wirkung dieser Pillen auf. Das merke ich daran, dass ich am nächsten Tag nach einer gut belegten Pizza Margherita ein Pfund mehr auf die Waage bringe. Ich habe nicht etwa über Nacht zugenommen, sondern Wasser gespeichert.“ Ein Risiko, das man bei mediterraner Kost vermeidet.