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KopfschmerzenWenn Kinder unter Migräne leiden

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Köln – Sophia erinnert sich noch gut an jenen Morgen vor vier Jahren. „Ich bin aufgewacht und hatte wahnsinnige Kopfschmerzen“, erzählt die 15-jährige Schülerin. „Ich wollte etwas sagen und habe gehört, dass aus mir etwas Falsches herauskam. Mein Mund hat mir nicht mehr gehorcht.“ Ihre Mutter war schockiert. „Sophia hat ganz komisch reagiert. Ich habe gemerkt, dass sie reden wollte, aber nicht konnte.“ Entsetzt rief die Mutter Sophias Onkel an, der Kinderarzt ist. Er vermutete, dass es sich um einen Migräneanfall handeln könnte – und lag damit richtig, wie die Ärzte im Krankenhaus später bestätigten.

Deutliche Anzeichen für Migräne

Migräne beschränkt sich oft nicht nur auf starkes Kopfweh. Viele Kinder leiden gleichzeitig an Bauchschmerzen, oft auch Übelkeit und Erbrechen. „Bauchweh spielt bei Kindern mit Migräne eine größere Rolle als bei Erwachsenen“, sagt Pothmann. Manchmal müssen sie sich plötzlich mehrfach übergeben, haben aber keine Kopfschmerzen. „Das ist ein typischer Vorläufer von Migräne, der oft verkannt wird“, sagt der Kinderarzt. Es gibt noch weitere Besonderheiten: Ein Migräne-Anfall bei Kindern dauert oft nur zwei Stunden und weniger – wesentlich kürzer als bei Erwachsenen. Außerdem sind die Schmerzen meist nicht, wie bei vielen Erwachsenen, nur auf einer Seite des Kopfes zu spüren, sondern an beiden Seiten sowie an der Stirn.

Bisweilen kündigt sich eine Attacke mit besonderen Beschwerden an, die bis zu einer Stunde lang anhalten: Manche Kinder bemerken dann ein Augenflimmern und sehen Blitze, anderen kribbelt es an Händen oder Füßen. Oder sie haben – wie Sophia – auf einmal Probleme, Worte zu finden und zu sprechen. Solche neurologischen Symptome, die den Kopfschmerzen oft vorausgehen, heißen „Aura“. „Visuelle Zeichen, zum Beispiel Zacken, oder ein eingeschränktes Gesichtsfeld kommen häufiger vor als Sprachstörungen“, sagt Birgit Kröner-Herwig. Insgesamt seien solche Phänomene bei den Kleinen aber seltener als bei Erwachsenen. Weniger als zehn Prozent der betroffenen Kinder litten an einer Migräne mit Aura, schätzt die Expertin.

Oftmals leiden Verwandte schon an Migräne

Die Veranlagung zur Migräne wird oft vererbt, sagt Peter Kropp, Psychologieprofessor von der Universität Rostock. Viele Betroffene haben nahe Verwandte, die ebenfalls an den Attacken leiden. So hatte auch Sophias Großmutter Migräne. „Hinzu kommen noch bestimmte Auslöser wie etwa Stress“, sagt Kropp. Pothmann erklärt es so: Migräne-Patienten sind von ihrer biologischen Basis empfindlicher. Starke, einseitige Reize können sie schnell überfordern. „Sie haben keinen Filter und überladen sich deshalb mit Stress-Hormonen“, sagt der Experte.

Welche Faktoren einen Anfall auslösen, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Infrage kommen unter anderem Schlafmangel, Probleme in Schule oder Familie, Unterzuckerung oder Flüssigkeitsmangel. Manche Betroffene sind überzeugt, dass bei ihnen auch bestimmte Lebensmittel, etwa Schokolade oder Käse, eine Attacke in Gang setzen – schuld könnten Nahrungsmittelunverträglichkeiten sein. „Man weiß darüber aber nicht viel“, sagt Kröner-Herwig. „Vermutlich sind innere Auslöser wichtiger.“ Neben Stress könnten auch Glücksgefühle die innere Balance derart durcheinanderbringen, dass Kopfschmerzen folgten, erklärt sie. Da es individuell verschieden ist, was den Anfall anschiebt, empfehlen Experten, in einem Kopfschmerz-Tagebuch Art, Stärke und Dauer der Attacken zu notieren.

Entspannungstechniken können helfen

Sophia weiß nicht genau, was bei ihr die Schmerzen auslöst. „Das Kopfweh kommt oft ganz unerwartet. Manchmal habe ich es gerade dann, wenn ich am Wochenende wegfahre.“ Grund könnte eine Veränderung des Schlaf-wach-Rhythmus sein, auf die manche Patienten empfindlich reagieren. In vielen Fällen ist es aber schwer, eindeutige Zusammenhänge herzustellen. Das gilt auch für den häufig genannten Faktor Schlafmangel. „Kinder und Erwachsene berichten oft, dass sie in der Nacht vor einem Anfall schlecht geschlafen haben“, so Kropp. „Aber war das der Auslöser? Oder war der gestörte Schlaf schon erstes Zeichen des Anfalls?“ Das könne man kaum sagen.

Wer Migräne hat, ist stark beeinträchtigt. „Die Kopfschmerzen beherrschen einen total“, erzählt Sophia. Aber sie lassen sich gut behandeln (siehe Kasten). Oft reicht es bereits, wenn die Kinder schlafen oder sich in einem abgedunkelten Raum ausruhen. Bei stärkeren Attacken ist das Schmerzmittel Ibuprofen das Mittel der ersten Wahl. Ist der Leidensdruck groß, können Entspannungstechniken wie Fantasiereisen, Biofeedback-Verfahren und Verhaltenstherapien helfen. Bei etwa der Hälfte der jungen Patienten „verwachsen“ sich die Probleme. Die anderen 50 Prozent haben noch Migräne-Attacken, wenn sie erwachsen sind. Sophia hat zwar ab und zu noch Anfälle. Aber: „So schlimm wie beim ersten Mal waren die Schmerzen nie wieder.“