Eins gleich vorneweg: Das Blutspenden an sich ist schon nach wenigen Minuten vorbei. Und dass jemandem schwindlig wird, ist eher die Ausnahme. Falls es doch einmal dazu kommt, könnten die Ärzte vor Ort sofort helfen, sagt Kerstin Schweiger vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) anlässlich des Weltblutspendetags am 14. Juni. Deshalb ist Angst vor der Blutspende eigentlich unnötig. Aber nicht jeder darf überhaupt spenden.
Was sind die Voraussetzungen zum Blutspenden?
Der Spender muss vor der ersten Spende mindestens 18 Jahre alt sein und darf nicht älter als 68 Jahre sein. Regelmäßige Spender werden bis zu ihrem 72. Geburtstag zur Blutspende eingeladen. Zur Blutspende muss der Personalausweis mitgebracht werden. So können die Mitarbeiter des Blutspendedienstes die Kontaktdaten aufnehmen. Dann bekommt der Interessent das sogenannte Anamneseblatt. Dort muss er Fragen beantworten, die Aufschluss darüber geben, ob er Blut abgeben darf.
War er vor kurzer Zeit zum Beispiel in einem tropischen Gebiet oder hat er sich piercen oder tätowieren lassen, darf er nicht spenden. Denn dann besteht die Gefahr, dass zum Beispiel eine Infektion in ihm schlummert, erklärt Schweiger. Der Betreffende muss deshalb alle Fragen ehrlich beantworten.
Nicht auf leeren Magen
Danach geht es zum Arztgespräch. Der Mediziner sieht den Anamnesebogen durch und fragt in manchen Fällen noch einmal nach. Dann misst er den Hämoglobinwert: Dieser muss hoch genug sein, sonst ist die Spende nicht möglich. Auch der Blutdruck muss in einem normalen Bereich liegen - nicht zu hoch und nicht zu niedrig. Zum Ende misst der Arzt noch die Körpertemperatur. Eine wichtige Frage im Gespräch lautet: „Haben Sie heute gut gegessen und getrunken?“ Denn das unterstütze das Fließen des Blutes, erklärte Schweiger. Sich auf leeren Magen Blut abzapfen zu lassen, erhöht die Gefahr von Kreislaufproblemen.
Hat der Arzt nichts auszusetzen, folgt die eigentliche Spende. „Die dauert nur rund fünf Minuten“, sagt Schweiger. 500 Milliliter Blut werden entnommen. Anschließend bleibt der Spender noch einige Minuten liegen, um sich zu erholen. Dann bekommt er einen Snack. Geld oder eine Aufwandsentschädigung gibt es beim DRK-Blutspendedienst, der in Deutschland 75 Prozent der Spenden abdeckt, nicht. „Die Blutspende geschieht freiwillig und unentgeltlich“, sagt Schweiger.
Vertraulicher Selbstausschluss
Eine Besonderheit gibt es noch: den sogenannten vertraulichen Selbstausschluss. Dort gibt der Spender anonym an, ob sein Blut verwendet werden darf oder nicht. Das sei wichtig, falls jemand zum Beispiel mit seinen Kollegen zum Blutspenden geht und vor den anderen nicht preisgeben will, dass er nicht spenden darf, erklärt Schweiger. Das ist etwa der Fall, wenn jemand schwul ist, dies aber nicht öffentlich machen will. Denn im Gegensatz zu anderen europäischen Ländern sind in Deutschland homosexuelle Männer nicht zur Blutspende zugelassen.
Nach rund 40 Minuten ist dann alles vorbei, und der Spender kann wieder nach Hause. Er sollte darauf verzichten, direkt im Anschluss Sport zu treiben. Denn der Körper braucht ein paar Tage, um den halben Liter Blut wieder herzustellen.
Spender erfährt seine Blutgruppe
Nach einigen Wochen erhält der Erstspender dann seinen Spendepass. Damit erfährt er auch seine Blutgruppe. Zur nächsten Blutspende bringt er dann seinen Personalausweis und den Pass mit. Von der Angst befreit, sollten neue Spender aber keinen falschen Ehrgeiz an den Tag legen und sofort zur nächsten Blutspende marschieren: Frauen dürfen maximal viermal im Jahr ihr Blut abgeben, Männer sechsmal. (dpa/ef)
Wie viele Menschen spenden Blut, wofür werden die Blutkonserven gebraucht und was macht unser Blut so kostbar? Zahlen und Fakten zum Blutspenden lesen Sie in der Textgalerie.
Bundesweit gehen nur 3,5 Prozent der spendenfähigen Bevölkerung zur Blutspende.
Quelle: DRK-Blutspendedienst
Etwa ein Drittel der Spenden wird zur Versorgung von Krebspatienten benötigt, 15 Prozent gehen an Unfallopfer. Der Rest wird für die Behandlung anderer Krankheiten verwendet.
Insgesamt sind Schätzungen zur Folge bis zu 80 Prozent aller Bundesbürger einmal im Leben auf eine Blutkonserve angewiesen.
Jeder Mensch besitzt zwischen 4,5 und sechs Liter Blut. Der rote Saft erfüllt vielfältige Transport und Versorgungsfunktionen in unserem Organismus. Bei einer Blutspende werden 500 Milliliter Blut entnommen. Einen Blutverlust bis zu 1,5 Liter kann der Körper gut verkraften.
Verliert der Körper mehr als 1,5 Liter Blut, zum Beispiel bei einem schweren Unfall, durch Verletzungen, Operationen oder bei inneren Blutungen, kann er die Organe nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgen. Der Körper ist dann nicht mehr in der Lage, selbst ausreichend Blut zu bilden und ist auf eine Transfusion angewiesen.
Nach der Spende wird das Blut in seine Bestandteile aufgeteilt. Der Patient bekommt diejenigen Blutbestandteile als Konzentrat übertragen, die für die jeweilige Therapie oder den Heilungsprozess benötigt werden. Zu den Bestandteilen zählen neben roten Blutkörperchen (Erythrozytenkonzentrat) die Konzentrate der Blutplättchen (Thrombozyten) und die Blutflüssigkeit (Blutplasma).
Bei einer Transfusion müssen die wichtigsten Merkmale vom Spender- und Empfängerblut übereinstimmen, sonst kann es zu einer Blutverklumpung kommen - einer lebensgefährlichen Komplikation.
Blut wird nach dem sogenannten AB0-Blutgruppensystem in die vier verschiedenen Blutgruppen A, B, AB und 0 unterteilt. Zur Blutgruppe A gehören mit 43 Prozent die meisten Menschen. 41 Prozent haben die Blutgruppe 0, elf Prozent die Blutgruppe B und nur fünf Prozent AB.
Besonders begehrt ist die Blutgruppe 0, denn sie kann auch allen Empfängern mit anderen Blutgruppen gegeben werden.
Jede Blutspende ist auch für den Spender ein Gesundheitscheck. Dabei wird etwa der Blutdruck kontrolliert und der Blutfarbstoffgehalt (Hämoglobingehalt) wird vor der Spende gemessen. Über Auffälligkeiten wird der Spender benachrichtigt.
