In Sachen LiebeMein Mann ist immer online – Was kann ich tun?

Lesezeit 4 Minuten
  1. Was gibt es Schöneres und Wichtigeres im Leben als die Liebe? Wie wir sie finden, pflegen und sie uns erhalten; was geschieht, wenn sie vergeht oder wir sie verlieren – darum geht es in unserer neuen Kolumne „In Sachen Liebe“.
  2. Im wöchentlichen Wechsel beantworten die erfahrenen Psycholgen Damaris Sander und Peter Wehr sowie Urologe Volker Wittkamp und Schauspielerin Annette Frier Ihre Fragen rund ums Liebesleben, Sex und alles, was Paaren begegnet.
  3. In dieser Folge: Eine Leserin ärgert sich über ihren Mann. Sie sagt: „Ein großes Problem in unserem Zusammenleben ist die ständige Nutzung des Handys“

Ein großes Problem in unserem noch recht jungen Zusammenleben (1 Jahr, 65 und 66 Jahre) ist die ständige Nutzung des Handys. Mein Mann ist immer online und würde, wenn ich nicht protestiere, ständig irgendetwas „Wichtiges“ noch schnell per Handy regeln. Möchte ich mit ihm reden, sagt er, ich solle weiterreden, er könne beides. Bin ich zu anspruchsvoll und verlange zu viel Aufmerksamkeit? Wie kann ich damit umgehen, ohne mich zu ärgern?

Gut, dass Sie sich ärgern! Dieses Gefühl kann Ihnen die Power verleihen, Ihren Mann zurückzugewinnen. Das klingt jetzt so, als hätten Sie ihn verloren. An sein Handy. Und tatsächlich scheint es ja auch fast so, als wären Sie zu dritt: Ihr Mann, sein Handy und Sie. Und zwar in genau dieser Reihenfolge. Das möchten Sie nicht. Vielleicht fühlen Sie sich sogar ausgeschlossen vom engen Kontakt Ihres Mannes mit seinem Smartphone, das ihm viel wichtiger zu sein scheint als Sie.

Ständig aufs Smartphone zu schauen ist respektlos

Vor allem, wenn Sie mit ihm reden möchten, und er Ihnen verkaufen will, er könne beides, Ihnen zuhören und gleichzeitig mit seinem Smartphone verbunden bleiben. Natürlich ist das Unsinn. Tiefergehende Gespräche können so nicht zustande kommen. Und Multitasking, das ist inzwischen ja belegt, ist weder bei Männern noch bei Frauen erfolgreich. Doch vor allem ist ein solches Verhalten entwertend und respektlos. Da ist Ärger ein angemessenes Gefühl.

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Falls Sie Ihrem Mann nun diese Sätze vorlesen sollten, wird er sich vermutlich völlig falsch gesehen fühlen. Vielleicht wird er Sätze sagen, wie: Mein Handy ist ein multifunktionales Arbeitsgerät, das mir vieles erleichtert. Ich nutze es zum Zeitung lesen, zum Informieren, Recherchieren, kann zügig Nachrichten schreiben und beantworten, Kontakte pflegen und vieles mehr.

Smartphonesucht ist real

Das Smartphone bietet ja unendliche Möglichkeiten, ganz auf den Besitzer zugeschnitten. Dem kann es dann nach und nach ganz so vorkommen, als kennte sein Smartphone sogar seine Vorlieben – alles, was er vielleicht gerne anschauen, bestellen, spielen möchte. Es ist immer da, wenn er es braucht. Es kann sogar unangenehme Gespräche unterbrechen, wenn es gerade summt und blinkt und sein Besitzer jetzt unbedingt schnell nachschauen muss, welche wichtige Nachricht gerade eingegangen ist. Paradiesisch! Man kann tatsächlich süchtig danach werden.

Nur ein schmaler Grat liegt zwischen den den vielen Vorzügen, die digitale Medien bieten, und dem Abdriften in die digitalen Welten. Dann hat einer kein Handy mehr, sondern das Handy hat ihn. Daraus resultierende Beziehungsprobleme sind nur eine Folge von vielen.

Smartphone-freie Zeiten einfordern

Ob das bei Ihrem Mann so ist, kann ich natürlich nicht beurteilen und möchte es auch nicht. Vielleicht hat er sich bisher nur keine Gedanken darüber gemacht, wie kränkend sein Verhalten für Sie sein könnte. Doch ich möchte Sie unterstützen, Ihren Ärger als Störsignal ernst zu nehmen. Und das Gespräch mit Ihrem Mann zu suchen. Ohne das Handy natürlich!

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Und so könnten Sie beginnen :„Ich möchte in Ruhe mit dir sprechen. Das ist mir wichtig, weil mir unsere Partnerschaft wichtig ist. Ich befürchte, dass wir uns immer weiter auseinanderleben, wenn wir unsere gemeinsame freie Zeit so verbringen wie jetzt, mit Smartphone und mit Fernseher. Dazu brauche ich zukünftig Smartphone-freie Zeiten mit dir. Denn ich möchte mich wieder als „Nummer eins“ in deinem Leben fühlen.“

Weil Sie solche Gemeinsamkeit nicht (mehr) gewohnt sind, könnten Sie zunächst dabei auch mal Langeweile empfinden. Lassen Sie sich davon aber nicht abschrecken! Denn genau die lange Weile, die Zeit, kann helfen, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen, und die Gelegenheit bieten, herauszufinden, was Ihnen beiden Freude macht und was sie beide aneinander schätzen.

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