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Der Himmel auf InselnIndonesiens Hotspots jenseits von Bali

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Touristen fotografieren sich vor den steinernen Stupas, mit denen die Buddhas überbaut sind.

Hey, Bruder“, sagt Colet, der Tauchlehrer, „ich habe dir das Moped auf den Parkplatz gestellt, der Schlüssel steckt. Bezahlen kannst du später.“ So entspannt und ohne Papierkram läuft das mit dem Motorradverleih auf der Insel Sabang. Die Straßen sind in hervorragendem Zustand, weil sie erst nach dem Tsunami von 2004 gebaut wurden, wer sich an das erste Gebot im indonesischen Verkehr hält (viel und vor allem präventiv hupen), ist hier sicherer unterwegs als in Deutschland.

Nach 15 Kilometern durch ein schattiges Waldgebiet  endet die Straße auf einer Felsklippe. Beziehungsweise: beginnt, denn hier ist der Null-Kilometer des indonesischen Straßennetzes. Rechts ragt, 23 Meter hoch und ursprünglich mal weiß, eine unansehnliche Mischung aus Monument  und Aussichtsplattform in den  Himmel, umzingelt von Souvenirbuden.

5248 Kilometer von West nach Ost

Mehr als 5000 Kilometer entfernt steht ein Zwilling des „Kilometer Zero“-Denkmals, in Merauke im Süden der Provinz Papua. Diese Ortsnamen kennt in Indonesien jedes Kind: „Dari Sabang sampai Merauke“, das geflügelte Wort benennt den westlichsten und östlichsten Punkt des Landes. 5248 Kilometer Luftlinie sind es von da bis dort (zum Vergleich:  etwa 4000 von New York bis Los Angeles) – nur ein indonesischer Superlativ. Drei der zehn weltgrößten Inseln  (Neuguinea, Borneo und Sumatra) gehören ganz oder teils zum Staatsgebiet;  Sumatra ist so groß wie Deutschland, Österreich und  Schweiz zusammen. 

Der Massentourismus konzentriert sich allerdings einseitig auf Bali und hat im Süden der Insel schon zu einem Dauerstau und einem überhitzten Immobilienmarkt geführt. Die Urlauberzentren Kuta und Legian gelten als preisgünstiger Ballermann, mit Surfstränden, Schaumpartys und immerwährender Happy Hour, besonders beliebt bei Australiern. Seinen Auftritt als Partnerland der ITB 2013 will „Wonderful Indonesia“ (Eigenwerbung) auch nutzen, um die Besucherströme gleichmäßiger zu verteilen. Wir stellen vier Ziele jenseits von Bali vor.

Banda Aceh, Sumatra

Herry parkt sein Becak, das Mopedtaxi mit dem Seitenwagen, am Eingang des Tsunami-Museums, will aber auf keinen Fall mit reinkommen. „Mir geht das zu nahe“, sagt der 35-Jährige, der bis 2010 für das World Food Programme der UN gearbeitet hat und sich nun als Fremdenführer durchschlägt. Banda Aceh sah am 26. Dezember 2004 aus, als sei eine Atombombe über der Stadt abgeworfen worden, 167.000 Menschen starben bei der Tsunami-Katastrophe. Mit viel ausländischem Geld wurde die zerstörte Stadt schnell wieder aufgebaut, doch ein paar „Tsunami Sites“ erinnern noch an die Wucht des Wassers.

Neben offiziellen Monumenten wie dem „Kapal Apun“ – ein tonnenschweres Generatorschiff, das fünf Kilometer landeinwärts gespült wurde – kennt Herry auch die nicht auf den Stadtplänen markierten Relikte. Zum Beispiel ein Zollboot, das seit dem Tsunami mit Schlagseite in einem privaten Garten parkt und für das sich niemand zuständig fühlt.

Hinkommen: Flug von Jakarta oder Medan. Tägliche Fährverbindung nach Sabang.

Komodo National Park, Flores

Vom Bootsanleger auf der Insel Rinca ist es ein kurzer Fußweg zur Ranger Station im Komodo National Park, wo sich die Besucher – nur falls es mal einen Zwischenfall gibt – in Namenslisten eintragen und auf ihre Wanderführer warten. Unter einer der auf Stelzen gebauten Holzhütten, es ist die Küche der Ranger, dösen eine Handvoll Komodowarane in der Mittagssonne. Die größten Eidechsen der Welt – sie werden bis zu drei Meter lang – haben einen Riecher dafür, wittern Beute auf mehrere Kilometer Entfernung.

Mit unserem Guide Martin, der als einzige Waffe einen Stock dabeihat, wandern wir drei Stunden lang durch den Nationalpark, sehen einige Warane in größerer Entfernung durchs Gras schleichen. Vor allem aber sehen wir immer wieder dekorativ hingestellte Schädel von Wasserbüffeln. Unwahrscheinlich, dass die Tiere eines natürlichen Todes gestorben sind, erzählt Martin, der Biologiestudent aus Jakarta. Die Warane schleichen sich an ihre Beute heran, beißen sie in die Beine und verabreichen mit dem Speichel ein Gift, das einen septischen Schock auslöst. Dann müssen die Warane nur noch: warten. Ein paar Tage später ist auch der stärkste Büffel verendet.

Hinkommen: Flüge von Denpasar nach Labuan Bajo mit Lionair, Transnusa oder Merpati. Von dort Tagesausflüge auf die Inseln Komodo und Rinca.

Tempel von Borobodur, Java

Es ist stockfinster, als wir uns um 4.30 Uhr an der Rezeption des Manohara-Hotels treffen. Ein Hotelangestellter mit Taschenlampe geht voran, schweigend  folgen wir bis zum Eingang des Tempels von Borobodur. Wir klettern die steilen Steintreppen der gigantischen Pyramide hinauf bis zur obersten, kreisrunden Terrasse, wo wir inmitten der meditierenden Buddhas unter den kunstvoll perforierten  Steinhauben auf den Sonnenaufgang warten. Noch etwa zwei Stunden, bis die ersten Tagestouristen aus Yogyakarta ankommen, gehört der größte buddhistische Tempel der Welt,  erbaut zwischen 750 und 850, nur uns Frühaufstehern.

Nächstes Jahr werden wohl noch mehr Besucher hierher strömen, 2014 jährt sich zum 200. Mal die Wiederentdeckung von Borobodur durch den britischen Gouverneur auf Java, Thomas Stamford Raffles. Jahrhundertelang lag dieser Schatz verborgen, unter Vulkanasche und wuchernder tropischer Vegetation.

Hinkommen: Flug nach Yogyakarta von Singapur oder Jakarta

Mount Rinjani, Lombok

Gibt es einen Grund, nach Indonesien zu fliegen und neben Tauchausrüstung und Strandmatte auch ein Paar robuste Wanderschuhe und eine warme Jacke einzupacken? Ja, gibt es – den Mount Rinjani, 3726 Meter hoch und einer der zahllosen, zuletzt 2010 aktiven Vulkane des Landes. Mindestens drei Tage – und zwei Übernachtungen in einfachen Camps – dauert eine Tour bis zum Gipfel. Aber auch die abgespeckte Variante, die bis zum Kratersee Danau Segara Anak („Kind des Ozeans“) in etwa 2000 Meter Höhe führt, ist ein sportives Abenteuer.

Hinkommen: Flug von Denpasar nach Lombok (30 Minuten); Areal Dezember bis Februar geschlossen

Informationen zu Indonesien:

Mit knapp 240 Millionen Einwohnern ist Indonesien der viertgrößte Staat der Welt, mit 200 Millionen Muslimen die größte islamische Nation. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt auf Java, wo auch die Hauptstadt Jakarta liegt. Bis 1949 war der Inselstaat niederländische Kolonie.

Beste Reisezeit: ganzjährig, bis auf den muslimischen Fastenmonat Ramadan (2013: 9. Juli bis 7. August).

Anreise: Die meisten Flüge von Deutschland nach Indonesien gehen via Singapur oder Kuala Lumpur. Die Drehkreuze für innerindonesische Flüge sind Jakarta und Denpasar (Bali). Die Ticketpreise sind niedrig, Gebühren für kurzfristige Umbuchungen auch.

Einreise: „Visa on Arrival“ gibt es auf allen Flughäfen Indonesiens – 25 US-Dollar für 30 Tage. Wer länger bleiben möchte, sollte sich schon in Deutschland ein 60-Tage-Visum besorgen.

Währung: Indonesische Rupiah (IDR). 1000 IDR ist der kleinste Schein, 100000 der größte. Für 1 Euro gibt es knapp 13000 IDR. Geldautomaten spucken nur relativ kleine Summen aus, dafür sind mehrere Transaktionen nacheinander möglich.