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Streetart in DeutschlandSo witzig kann Straßenkunst sein

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Die Künstlerin Emmanuelle Esther verziert eine Laterne in Berlin-Neukölln mit einem hautfarbenen Häkelbusen.

Es gibt Menschen, für die ist „Streetart“ schlicht und einfach: Vandalismus. Besprühte Häuserfassaden und mit Tag-Namen übersäte Bushaltestellen oder Hauseingänge können Stadtbewohner ärgern und kosten viel Geld für die Reinigung. Wie bunt und vielfältig die Streetart-Szene ist, wird dabei leicht übersehen. Längst wird nicht nur gesprayt oder getaggt, wer mit wachen Augen durch die Stadt streift, wird hier einen bestrickten Laternenpfahl sehen oder dort einen Mülleimer mit Krümelmonster-Augen.

Kreativität, Talent und Sozialkritik

Streetart-Künstler nutzen jedes Element, das ihnen der städtische Raum bietet. Das kann auch mal ein ironisch „uminterpretiertes“ Werbeplakat sein. Es geht aber nicht nur um eine ausgefallene Idee, viele Werke zeichnen sich außerdem durch ein hohes künstlerisches Talent und ein ausgeprägtes sozialkritisches Bewusstsein aus.

Wer sie entdeckt, kann sich freuen, denn viele Werke sind nicht für die Ewigkeit gemacht. Sie werden übermalt, entfernt oder lösen sich von selbst wieder auf. Das hat den frei schaffenden Künstler Timo Schaal auf die Idee gebracht, die Werke wenigstens fotografisch zu konservieren. Seit 2009 zieht er mit seiner Kamera durch Deutschlands Städte und dokumentiert das größte Freiluftmuseum unserer Zeit. Innerhalb von zwei Jahren hat er auf seiner Festplatte über 100.000 Streetart-Fotos gesammelt, die erunter dem Namen „Polypix“ in sozialen Netzwerken veröffentlicht, vor allem auf der Facebook-Seite „StreetArt in Germany“, alphabetisch sortiert nach Städten von Aachen bis Zwickau.

Facebook-Seite wird zu riesiger Kunst-Community

Die Online-Community ist begeistert und belohnt die Seite mit derzeit knapp 900.000 „Likes“. Und nicht nur das: Täglich gehen außerdem mehrere Hundert Fotoeinsendungen ein, die Kunst-Community wächst zu einer der größten weltweit. Das schreit nach einer Veröffentlichung für die breite Masse und so ist es auch geschehen: Heute erscheint das Buch zur Facebook-Seite unter dem gleichen Titel: „Streetart in Germany“. Der Bildband zeigt eine Auswahl der besten Bilder aus dem Netz und liefert, laut Eigenangabe, zusätzlich exklusives Material von einer riesigen Kunstszene aus allen Ecken Deutschlands, die von Tag zu Tag größer wird.

Wie witzig, ungewöhnlich und kunstvoll Streetart sein kann, zeigen wir in der Bildergalerie mit zehn Werken aus dem neuen Bildband. (jym)

Timo Schaal, „Streetart in Germany“, 192 Seiten, 14,99 Euro, riva Verlag, München 2013