Kollegen bemerken es oft als erste, wenn jemand an einem Burnout leidet. Beschweren sie sich, dass die eigene Reizbarkeit zugenommen hat, sollten Arbeitnehmer das ernst nehmen. „Klassischerweise tut man solche Rückmeldungen erst einmal ab“, sagt Anette Wahl-Wachendorf vom Verband der Betriebs- und Werksärzte. So eine Aussage stimme mit der Eigenwahrnehmung häufig nicht überein. Nicht selten seien diese Rückmeldungen aber ein Alarmzeichen, dass etwas nicht in Ordnung und der Mitarbeiter überlastet ist. Im schlimmsten Fall steuert er sogar auf ein Erschöpfungssyndrom zu.
Beschäftigte sollten deshalb - auch wenn es schwer fällt - über das Gesagte in Ruhe nachdenken, rät Wahl-Wachendorf. Wer unsicher ist, ob er überlastet ist, könne in einem ersten Schritt zum Beispiel eine Woche lang seine täglichen Arbeitszeiten notieren. Manchmal helfe es auch, eine dritte Meinung zu dem kritischen Feedback einzuholen, etwa von einem anderen Kollegen oder dem Betriebsarzt.
Wichtig sei, überhaupt etwas zu tun, so die Expertin. Denn wer bei diesen ersten Alarmzeichen aktiv wird, kann häufig verhindern, das eine möglicherweise vorhandene Erschöpfung zunimmt - und der Arbeitnehmer im schlimmsten Fall sogar erkrankt.
Kollegen sollten auch aufmerksam werden, wenn ein Arbeitnehmer am Arbeitsplatz immer öfter in Tränen ausbreche, rät die Arbeitspsychologin Susanne Roscher in der Zeitschrift „Der freie Beruf“. Auch zunehmende Reizbarkeit oder scheinbare Teilnahmslosigkeit im Arbeitsalltag könnten Symptome sein. Ein Hinweis auf Burnout sei auch, wenn sich ein früher gut integrierter Kollege immer mehr aus der Abteilung zurückzieht und in die innere Emigration geht.
Daneben könnten auch eine negative Einstellung zur Arbeit sowie eine nachlassende Effektivität ein erster Hinweis auf einen Burnout sein. Das sei etwa der Fall, wenn ein Mitarbeiter zwar viele Überstunden macht, aber mit der Arbeit nicht hinterherkommt, da er sie unstrukturiert erledigt.
Ein Kurzurlaub kann auch kontraproduktiv sein
Je eher Erschöpfungssymptome erkannt und wahrgenommen werden, desto leichter könnten Arbeitnehmer gegensteuern. Heike Kunkel, Coach in Hamburg, empfiehlt in so einem Fall, sofort einen Kurzurlaub zu machen. „Man kann etwa beschließen, für ein Wochenende zum Wandern zu fahren.“ Diese Maßnahmen trügen aber nur dann Früchte, wenn der Arbeitnehmer noch relativ stabil ist. Sei er dagegen schon völlig ausgebrannt und habe eine ernsthafte Depression, kann ein Kurzurlaub auch kontraproduktiv sein. „Dann ist es eher so wie bei einem Rennpferd, das läuft und läuft, bis es die Ziellinie erreicht, und dann - als es stehenbleibt - einfach umfällt.“
Ignorierten Arbeitnehmer erste Erschöpfungssymptome, müssten sie damit rechnen, dass die eigene Leistungsfähigkeit immer weiter abnimmt. Menschen, die auf ein Burnout zusteuern, machen zum Beispiel immer mehr Fehler, weil sie sich schlechter konzentrieren können.
Auch die Partner sind beim Erkennen von ersten Symptomen für ein Burnout gefragt. Denn sie sind in ihrem Urteil oft objektiver als die betroffene Person, die sich vielleicht einredet, es sei alles ganz normal. Laut Kunkel sollte man hellhörig werden, wenn der Partner plötzlich nicht mehr auf sein Äußeres achtet, weil ihm dazu die Lust und die Zeit fehlen oder wenn er geliebte Hobbys aufgibt. Weitere Anzeichen könnten innere Unruhe oder die Vernachlässigung der Familie sein. (dpa/tmn)
Unsere Bildergalerie gibt zehn Hinweise, wie Sie ein drohendes Burnout rechtzeitig erkennen:
