Ein Studiengang, der vor dem Aus steht, ein Studiengangsleiter, der die Welt nicht versteht, und ein Brief, in dem es um „üble Nachrede“, „sachlich falsche“ Behauptungen und „Wildwestmethodik“ geht. Das ist das Szenario, das sich derzeit an der Hochschule für Musik und Tanz (HfMT) beobachten lässt. Der Reihe nach: Im November hatte die Landesrektorenkonferenz beschlossen, das Zentrum für Internationales Kunstmanagement (Ciam) zu schließen. Zudem hatten die vier Hochschulen, die das Ciam betreiben das Aus für den Studiengang beschlossen – zum Sommersemester 2015.
„Ciam hat die Erwartungen nicht erfüllt“, sagt HfMT-Sprecherin Heike Sauer. Mangelnde Vernetzung zu den Hochschulen wirft HfMT-Rektor Heinz Geuen dem Ciam vor. Ähnlich sieht das der Leiter der Kölner Kunsthochschule für Medien, Klaus Jung: „Die Qualität ist hervorragend, aber der Studiengang ist nicht genug auf unsere Hochschulen zugeschnitten.“ Mit anderen Worten: Es kommen zu viele Studenten von außerhalb des Hochschulverbunds. Anstelle von Ciam soll daher ein neuer Studiengang eingerichtet werden, an dem alle sieben nordrhein-westfälischen Kunsthochschulen beteiligt sein könnten.
Protestbrief an den Rektor
Außer den Kölner und Düsseldorfer Hochschulen sollen die Kunsthochschulen in Essen, Detmold und Münster mit ins Boot geholt werden. Zu dem Thema will die Landesrektorenkonferenz im kommenden Jahr eine Arbeitsgruppe einsetzen.
Ciam-Leiter Peter Lynen war über die Entscheidung des Rektorats der Hochschule für Musik und Tanz zunächst nur schriftlich unterrichtet worden und reagierte dementsprechend verschnupft auf die Nachricht von der Schließung. Gegen den Beschluss des Rektorats legte er Widerspruch beim Senat ein und protestierte in einem Schreiben an Rektor Geuen: Es sei „sachlich falsch“, dass das Ciam seinen Auftrag, Studenten zu Kunstmanagern zu qualifizieren, nicht erfüllt habe, schreibt er. „Das Gegenteil ist der Fall, und es grenzt an Rufschädigung, nicht anzuerkennen, dass das Ciam von Anfang an bis heute ein Institut für die Künste und ihren Wirkbereich mit nationaler und internationaler Ausrichtung gewesen ist.“
Renommierte Jobs für Absolventen
Lynen verweist darauf, dass viele der bislang 88 Absolventen des Studiengangs Jobs in renommierten Einrichtungen wie der Luxemburger Philharmonie oder dem Skulpturenpark des Künstlers Tony Cragg in Wuppertal gefunden haben. Den Studiengang zu schließen und später neu zu eröffnen, hält er für „Wildwestmethodik“. Studenten und Dozenten müssten mühsam neu für die Hochschule gewonnen werden. „Erst killen, dann das Blut stillen, funktioniert nicht.“
Spekulationen darüber, ob mit der zeitweisen Einstellung des Studiengangs an der finanziell klammen HfMT Geld eingespart werden soll, wies Sprecherin Sauer zurück. „Mit Finanzen hat das nichts zu tun.“ Im Sommer hatten Studierende des Zentrums für zeitgenössischen Tanz gegen eine Zusammenlegung ihres Studiengangs mit der Essener Folkwang-Uni erfolgreich protestiert. Der Plan, der zunächst aus Spargründen forciert wurde, wurde später aufgegeben.
