Köln – Mit einem Flashmob haben am Mittwoch etwa 500 Medizinstudenten gegen die drastische Kürzung ihrer Vergütung im Praktischen Jahr vor und im Bettenhaus der Uniklinik protestiert. Mit Transparenten und Plakaten mit Aufschriften wie „Wir sind doch auch nur Menschen“ und „Was soll aus uns werden?“ machten sie Passanten und Patienten auf ihre Forderungen nach mehr Geld aufmerksam.
Hintergrund des Protestes ist, dass die städtischen Kliniken im November angekündigt hatten, die monatliche Aufwandsentschädigung von 597 auf 300 Euro zu halbieren. Während in Krankenhäusern in Bonn und Düsseldorf nach wie vor der Höchstsatz von 597 Euro gezahlt wird, gilt nun ab Mai in allen Kölner Lehrkrankenhäusern die 300-Euro-Regelung.
Das Praktische Jahr (PJ) ist der letzte Abschnitt im Medizinstudium und umfasst 48 Wochen, die in drei Phasen unterteilt werden.
In jeweils 16 Wochen sollen die Studenten drei Bereiche in einem Lehrkrankenhaus kennenlernen: eine chirurgische und eine internistische Station sowie eine Station nach Wahl. Dort verrichten die angehenden Ärzte eine 40-Stunden-Woche und unterstützen die Mediziner, indem sie unter anderem Kanülen legen, Blut abnehmen oder Ärzten bei Operationen assistieren. (ris)
Lehrkrankenhäuser sind die Uniklinik, aber auch die städtischen Einrichtungen in Holweide, Merheim und das Kinderkrankenhaus Amsterdamer Straße sowie einige evangelische und katholische Einrichtungen.
Die Aufwandsentschädigung für die Studenten ist kein fester Lohn, sondern eine freiwillige Leistung der Krankenhäuser, erläutert PJ-Sprecher Johannes Birkenheier. Die variiert einer Umfrage des Hartmannbunds zufolge zwischen 597 und null Euro. Lediglich 8,1 Prozent der Krankenhäuser zahlten den Höchstsatz, 16,1 Prozent vergüteten die Leistungen überhaupt nicht. Das Gros von 33,1 Prozent zahle zwischen 300 und 400 Euro.
Die geringe Vergütung bringt nun viele Studenten in Schwierigkeiten, sagt einer von ihnen, der namentlich nicht genannt werden will. „Wir arbeiten 160 Stunden im Monat, machen Überstunden und erhalten pro Stunde gerade einmal 1,85 Euro.“
Besonders betroffen sind Studenten, die über die Regelstudiendauer hinaus studiert haben und daher kein Bafög erhalten oder ausländische Studenten, denen generell kein Bafög zusteht. Selbst mit der Förderung und der verringerten Klinik-Pauschale komme man in Köln aber kaum über die Runden, allein schon wegen der hohen Mietpreise, sagt Studentin Alexandra Jahnz (25).
