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Musikhochschule KölnDozenten klagen über Lohndumping

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An der Musikhochschule protestieren die Lehrbeauftragten für bessere Arbeitsbedingungen.

Köln – Das große Zittern beginnt für viele der Lehrbeauftragten zu Semesterbeginn. „Oft ist nicht klar, ob man zwei oder zehn Stunden von der Hochschule bekommt“, sagt Roger Hanschel, der an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz Saxofon unterrichtet. „Wir werden von Semester zu Semester aufgestellt. Und manchmal setzt man uns kurzfristig den Stuhl vor die Tür.“ Das ist völlig legal, denn Lehrbeauftragte sind zwar Dozenten an Hochschulen, besitzen aber wie Honorarkräfte keinen festen Arbeitsvertrag.

Die unsichere Beschäftigungssituation ist allerdings nur einer von mehreren Punkten, die die bundesweit 94.000 Lehrbeauftragten kritisieren. Besonders betroffen sind die etwa 400 Honorarkräfte an der Kölner Musikhochschule: „Wir leisten die gleiche Arbeit wie Professoren, bekommen aber nur ein Drittel des Geldes“, sagt Friedemann Immer, Lehrbeauftragter für Posaune. Ohne festen Vertrag gibt es aber kein Urlaubsgeld, kein Weihnachtsgeld und keinen Kündigungsschutz. Obendrein seien die Aufträge auf zehn Wochenstunden gedeckelt, so dass die Dozenten sich mit Nebenjobs als Orchestermusiker, Tänzer oder Coaches über Wasser halten müssten.

Gewerkschaft spricht von Lohndumping

Wer so wenig verdient, kann auch für das Alter wenig zurücklegen. Immer kennt Kollegen, die seit 40 Jahren an einer Musikhochschule arbeiten und gerade einmal 400 Euro an Rente herausbekommen. Dabei wäre wohl an den Musikhochschulen der Unterricht ohne die Lehrbeauftragten kaum zu stemmen. An der Kölner Musikhochschule sind immerhin von 520 Dozenten 400 Lehrbeauftragte. Sie geben Unterricht, halten Prüfungen ab und bekommen manchmal nur 650 Euro im Monat für ihre Tätigkeit. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) nennt das Lohndumping. Auf die Situation der Honorarkräfte hatten die Deutsche Orchestervereinigung und die GEW vor drei Wochen mit einem Aktionstag aufmerksam gemacht. An der Kölner Musikhochschule gab es Info-Stände und eine Diskussionsrunde.

Rückenwind erhalten die Dozenten von der Rektorenkonferenz der Musikhochschulen. Die fordert von der Politik nun, dass die Honorare der Lehrbeauftragten angehoben werden, sonst drohe „eine Gefährdung der Spitzenposition der deutschen Musikhochschulen“.

In Düsseldorf sieht man derzeit keinen finanziellen Spielraum, feste Stellen für die gut 13.000 Lehrbeauftragten an den Hochschulen in NRW zu schaffen. Zumindest an den Kunst- und Musikhochschulen will die Landesregierung aber im Rahmen des Projektes „Gute Arbeit“ mehr Arbeitsverträge anbieten. Damit einige der landesweit 1025 Lehrbeauftragten aber einen festen Job bekommen könnten, würden andere ihre freien Stellen verlieren, teilte eine Sprecherin des NRW-Wissenschaftsministerium mit. „Der Wandel geht logischerweise mit dem Abbau von Lehraufträgen einher.“ Wie es nun weitergeht, ist unklar. Die Lehrbeauftragten der Musikhochschulen überlegen, ob sie Politiker künftig besser über ihre Situation informieren. Aber auch öffentlichkeitswirksame Aktionen sind nicht ausgeschlossen.