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Theaterkurs für EinsteigerKopf ausschalten und improvisieren

4 min

Andreas Schmid leitet den Actshop. Viele Studenten nutzen ihn als Möglichkeit, den Unialltag hinter sich zu lassen.

Köln – Katrin ist neugierig. Die 25-Jährige studiert Deutsch und Englisch auf Lehramt, die Theaterbühne kennt sie bislang nur als Zuschauerin. Doch das soll sich heute ändern. Zusammen mit 30 anderen Studenten möchte Katrin lernen, wie Theaterspielen eigentlich geht. Gelegenheit dazu bekommt sie auf der Kölner Studiobühne.

„Actshop I“ heißt der Kurs, auf dem Programm stehen absolute Grundlagen: „Stellt euch vor, ihr gebt eine heiße Kartoffel weiter“, ruft der Workshop-Leiter Andreas Schmid den Studenten zu, die sich im Kreis aufgestellt haben. „Ihr wollt euch natürlich nicht verbrennen.“ Mit einem lauten „Ha!“ wandert die imaginäre Kartoffel von einem Teilnehmer zum anderen, keiner möchte sie länger als unbedingt nötig behalten. Auch Katrin nicht, die das heiße Gemüse lachend an ihre Nachbarin weiterwirft. Dass sie sich in den Kurs getraut hat, verdankt sie einem Kumpel. „Er hat mir erzählt, wie toll das Theaterspielen ist und ich wollte das einfach Mal ausprobieren“, sagt sie.

Die Studiobühne gibt es seit 1920. Sie ist damit das älteste deutsche Universitätstheater. 1974 hat die Kölner Uni sie zur kulturellen Einrichtung erhoben. Neben dem regulären Theaterprogramm bietet die Studiobühne Studenten kostenlos Schauspiel-Workshops sowie Kurse zur Regiearbeit, Theaterfotografie und Tontechnik an. Erstsemester haben freien Eintritt zu allen Aufführungen. www.studiobuehne.uni-koeln.de

Nicht nur zum Spaß

Nicht alle, die hier mitspielen, tun das wie Katrin nur zum Spaß. „Jedes Mal sind auch einige dabei, die auf eine Schauspielschule gehen wollen und sich auf eine Prüfung vorbereiten“, sagt Andreas Schmid. „Aber wir haben auch Studenten der Wirtschaftswissenschaften, die ihr Selbstbewusstsein gezielt trainieren wollen.“ Doch wer auf Zusatzpunkte für das Studium abzielt, ist bei der Studiobühne falsch, auch wenn immer wieder danach gefragt wird. „Leistungspunkte haben wir bislang vermieden, weil die Bühne als ein kulturelles Zentrum genutzt werden sollte“, sagt der Workshop-Leiter. Für Schmid, der selbst Schauspieler und Theaterpädagoge ist und seit 15 Jahren Bühnenworkshops für junge Schauspieler leitet, gibt es ohnehin wichtigere Gründe, Studenten für die Bühne zu begeistern, als Credit Points. „Viele erleben das Theaterspielen als Gelegenheit, aus dem Unialltag auszusteigen“, sagt er. „Hier geht es darum, mal den Kopf auszuschalten und nicht darum, den besten Witz zu reißen. Es geht um die Beherrschung von Körper und Stimme.“

Auf Körperbeherrschung zielt auch die nächste Übung ab, die die Studenten machen. Dabei soll jeder in die Richtung gehen, die ihm gefällt. Die Studenten bewegen sich kreuz und quer, das Geräusch laut stampfender Füße hallt durch den Raum. Das Treiben erinnert an einen hektischen Bahnhof, Schmid greift die Assoziation auf. „In zwei Minuten fährt die S-Bahn, ihr müsst euch beeilen“, mahnt er seine Studenten und schon werden deren Schritte schneller. Einige geraten aneinander, Schulter stößt an Schulter und auch ein Paar Füße verfängt sich. Dann ruft Schmid mit lauter Stimme „Halt!“ und alle bleiben wie eingefroren stehen. Für wenige Sekunden ist es still im Raum, gespanntes Warten. Dann dürfen sie wieder losgehen. Wann immer möglich, soll ein Spieler aus der Szene herausgehen und sie von außen beobachten. „Die Studenten sollen einen Perspektivwechsel vollziehen“, erläutert Schmid – vom Zuschauer zum Schauspieler und dann wieder zum Zuschauer.

Der Star der kleinen Sketche

Dann, endlich, dürfen sie richtig spielen. Der Star der kleinen Sketche, die die Studenten in Gruppen improvisieren, ist ein grauer Stuhl. Zusammen mit anderen probiert Katrin aus, was sich mit dem Möbelstück machen lässt. Schnell wird klar: Die angehenden Schauspieler können vor allem gut darum streiten, wer auf diesem Stuhl sitzen darf. Sie schubsen und drängen einander und improvisieren Alltagsszenen in Bus und Bahn, in denen sich Schwangere und Alte um die Sitzgelegenheit streiten. Auch Katrin wird vom Stuhl gehoben und darf ihrerseits eine Mitspielerin vom begehrten Möbelstück verdrängen.

Am Ende darf jede Gruppe ihren Sketch aufführen. Applaus gibt es zwar nicht, doch viel Gelächter. „Bei der Aufführung ist die Spontaneität ein bisschen verloren gegangen“, sagt Katrin etwas aus der Puste. Spaß habe sie aber dennoch gehabt: „Ich habe gar nicht so viel beim Spielen gefühlt, sondern einfach gemacht, ich konnte richtig in das Spiel eintauchen.“