Kreis Euskirchen – Männern fällt es grundsätzlich nicht so schwer wie den meisten Frauen, dem Partner ein für alle Mal Lebewohl zu sagen. Das liegt jedoch weder an genetisch bedingter Herzlosigkeit, noch lässt es sich mit unserer naturgemäß stärker ausgeprägten rationalen Denkweise begründen.
Faktisch hat man(n) es nicht wirklich leichter, eine Beziehung zu beenden, schließlich sind die Gründe, weshalb man sich von seinem Partner verabschieden möchte, bei Männern und Frauen unterm Strich die gleichen.
Tatsache aber ist, dass wir uns schneller trennen und dabei weniger leiden als unser weiblichen Gegenstücke. Vielleicht, weil es so von uns Männern erwartet wird. Hierbei spreche ich von einer gesellschaftlich gewachsenen Erwartungshaltung, die auf einer modernen Version des altertümlichen Bildes vom starken, unverletzlichen Geschlecht beruht, das keine Gefühle zeigt.
Ein praxisbezogenes Beispiel: Männer weinen nicht. Früher taten sie es nicht, weil sie es schlicht und ergreifend nicht durften. Heute tun sie es auch nicht, obwohl sie es dürften, aber dennoch Gefahr laufen, für so viel Gefühlsduselei belächelt zu werden. Wildes Rumgeheule ist für den Mann also keine Option, wenn er den ersten Schritt in Richtung Trennung macht.
Und wenn Tränen von vorneherein nicht zur Debatte stehen, welchen Sinn hat es dann überhaupt zu leiden? Obendrein findet man als Mann ja nicht mal jemanden, der das eigene Leid mit einem teilt. Der weibliche Freundeskreis hält zur Partnerin, beim besten Kumpel ist die Sache nach einem oder vier Bier abgehakt. Und Mutti freut sich darüber, die potenzielle Schwiegertochter los zu sein und Sohnemann wieder öfter zum Mittagessen daheim zu haben. Man kann den Außenstehenden in diesem Zusammenhang nicht einmal einen Vorwurf machen.
Entschließt sich der Mann zur Trennung, so geschieht dies wohlüberlegt. Gute, handfeste Gründe liegen vor, der Schlussstrich lässt sich logisch nachvollziehen und ist hundertprozentig der richtige, finale Schritt.
Ich für meinen Teil kann mit all dem sehr gut leben. Niemand erwartet von mir, dass ich weinerlich bin oder in Depressionen verfalle, wenn ich Schluss mache. Und weil das so ist, lasse ich es auch und stürze mich stattdessen viel lieber ins pralle Leben.
Nun mag es einige Männer geben, die aus diesem Muster herausfallen, die sich mehr Verständnis vonseiten ihrer Umwelt wünschen und auf Gleichberechtigung aus sind, auch was ihre Gefühlsäußerungen angeht. Aber wie heißt es doch so schön: Ausnahmen bestätigen die Regel.
