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Damit das Rad wieder rolltWas ein Zweiradmechatroniker alles können muss

5 min
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Fahrrad-Werkstätten gleichen zunehmend professionellen Kfz-Betrieben – Reparaturen  können heute so komplex sein wie beim Auto.

Konzentriert und Stück für Stück zerlegt Zweiradmechatroniker Marcel Jacobs ein E-Bike in seine Einzelteile. Der Besitzer hatte beim Treten in die Pedale ein Knacken gehört und brachte das Fahrrad daraufhin zu Zweirad Prumbaum in Köln-Dellbrück. Nun hängt es seitlich an einer speziellen Hebebühne. Wie ein Detektiv geht Jacobs auf die Suche nach dem Fehler.

Mit dem Bike ins Internet

Die Genossenschaft ZEG bietet Fahrradbesitzern die Möglichkeit, an ihrem Bike einen kleinen QRCode anbringen zu lassen – den sogenannten Bicycle-ID Code. Mit den dazugehörigen Zugangsdaten kann der Besitzer sein Fahrrad online verwalten. Muss es in die Werkstatt, kann der Mitarbeiter die hinterlegten Informationen direkt auslesen.

Infos: www.b-id-code.de

Seit mehr als zehn Jahren arbeitet er in Fahrradwerkstätten. Den technischen Wandel, den die Branche derzeit erfährt, erlebt der 29-Jährige hautnah mit. Beinahe jedes Fahrrad, dass er repariert, ist ein Elektro-Bike – und gerade das ist die Herausforderung. „Früher wusste man, wenn es beim Pedalieren Geräusche macht, stimmt was mit der Pedale nicht“, sagt der Mechatroniker. „Beim E-Bike kann der Fehler aber überall liegen.“ Die Arbeit ist vielfältiger und anspruchsvoller denn je. Um mit dem rasenden Fortschritt der Software und immer neuen technischen Details mitzuhalten, schickt Inhaber Jörg Prumbaum seine Mitarbeiter im Schnitt drei Monate im Jahr auf Schulungen.

Notfälle ohne Termin

Die Werkstatt im Fahrradgeschäft hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Prumbaum: „Der Weg geht immer mehr hin zu einem professionellen Werkstattbetrieb, wie man ihn vom Auto gewohnt ist.“ Das erkennt der Kunde bei Prumbaum schon bei der Annahme.  Im Idealfall hat er vorher einen Termin zur Inspektion ausgemacht. „Wir nehmen aber natürlich Notfälle ohne Termin an“, sagt der Inhaber. Name, Adresse und Informationen über das Fahrrad des Kunden pflegt ein Mitarbeiter in die Datenbank ein. Gemeinsam mit dem Besitzer schaut der Mechaniker sich das Gefährt gründlich an und bespricht, was gemacht werden soll und was vielleicht noch warten kann. Und: „Der Kunde bekommt einen Kostenvoranschlag, damit der Preis ihn anschließend nicht eiskalt erwischt“, erklärt der Händler. Wenn eine Reparatur länger als zwei Tage dauert, gibt es – wie bei einer Autoinspektion – ein Fahrzeug als Ersatz

Vier Augen sehen mehr

In der Werkstatt gilt das Vier-Augen-Prinzip. „Kein Rad geht raus, bevor nicht zwei Techniker darauf geschaut und es mindestens einmal Probegefahren haben“, sagt der Chef. Ist das Rad wieder fit, bekommt der Kunde eine SMS und kann sein überholtes Fahrrad sofort abholen. 

Professionelle Abläufe

Für die Kunden seien diese professionellen Abläufe zunächst ungewohnt. Zu Stoßzeiten müsse der Besitzer eben manchmal warten, bis ein Techniker Zeit hat, so Prumbaum. „Aber das ist es den meisten Wert“, sagt der Inhaber. Sieben Werkstattmitarbeiter kümmern sich an sechs Tagen in der Woche um kaputte Fahrräder und E-Bikes. Das sind so viele wie nie zuvor. Demgegenüber stehen zehn  Mitarbeiter im Verkauf. „Früher hatten wir einen Zweiradmechaniker, der Rest der Angestellten war im Verkauf tätig“, erinnert er sich.          

Autoersatz und Statussymbol

Neben der immer komplexeren Technik mache das sich verändernde Bewusstsein der Kunden die Aufstockung der Mitarbeiterzahl in der Werkstatt nötig. Für viele ist das Fahrrad – speziell das E-Bike oder Pedelec – eben Autoersatz und somit Statussymbol geworden. Dementsprechend wichtig ist ihnen eine akkurate Inspektion sowie die schnelle und umfassende Fehlerbehebung. Dafür zahlen viele dann gerne mehr als früher. „Reifen flicken, Schlauch wechseln – das möchten die meisten heute nicht mehr selber machen. „Es geht bei uns aber auch schneller und bequemer, als es selbst zu Hause zu machen“, sagt Prumbaum. Weil die Werkstatt boomt hat der Fahrradhändler im vergangenen Jahr angebaut. Das  Nachbargebäude beherbergt nun einen weiteren Teil der Werkstatt. Auf insgesamt knapp 100 Quadratmetern wird jetzt geschraubt und geölt, und eine Vergrößerung ist schon in Planung. Dafür sucht Prumbaum noch Zweiradmechatroniker und Auszubildende. 

Neue Herausforderung

In der Werkstatt hat Marcel Jacobs den Fehler im E-Bike gefunden und behoben. Nun schraubt er alles sorgfältig wieder zusammen und lässt das Rad an der automatischen Hebebühne hinab auf den Boden sinken. Nach der Ausbildung bei Prumbaum war der Kölner einige Jahre in einem kleineren Betrieb – ohne E-Bike-Service. Er ist froh, dass er nun seit drei Jahren wieder in Dellbrück ist. „Ich liebe die techniche Herausforderung, die die Arbeit mit Elektrofahrrädern heute mit sich bringt“, sagt er. „Das ist ein ganz neuer  Anreiz, diesen Beruf zu ergreifen.“  

Ausbildung zum Zweiradmechatroniker

Berufliche Perspektiven

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Wer lieber Fahrrad fährt statt Auto und sich gerne mit technischen Fragen beschäftigt, der  bringt bereits beste Voraussetzungen für eine Ausbildung zum Zweiradmechatroniker mit der Fachrichtung Fahrradtechnik mit. Die dreieinhalbjährige Lehre gibt Einblicke in die Fahrradindustrie, den Handel sowie das Handwerk. Die Auszubildenden werden in der Werkstatt eines Fahrradgeschäfts oder -Verleihs beschäftigt und lernen zudem den Einzelhandel im Verkauf kennen. Die Lehre ist dual angelegt, also teilweise im Betrieb und Berufsschule.

Hauptschulabschluss nötig

Für eine Ausbildung wird mindestens ein Hauptschulabschluss vorausgesetzt. Der Bewerber muss zeigen, dass er in den naturwissenschaftlichen Fächern fit ist. Auszubildende lernen den Aufbau eines Zweirads von der ersten bis zur letzten Schraube. Mathematische und technische Kenntnisse sind da unbedingt nötig. Anforderungen, die außerdem an die Lehrlinge gestellt werden: Sorgfalt und Geschicklichkeit, Verantwortungsbewusstsein, handwerkliches Geschick und Kundenorientierung.

Weiterbildung möglich

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Der Verdienst in der Lehre variiert von Betrieb zu Betrieb. Im ersten Ausbildungsjahr bekommen Azubis zwischen 375 und 744 Euro. Im zweiten und dritten Jahr können es dann jeweils bis hundert Euro mehr sein. Im vierten Ausbildungsjahr gibt es zwischen 493 bis 905 Euro. Anschließend gibt es die Möglichkeit, den Meister zu machen. Das ist die Voraussetzung dafür, um selbst Fahrradmechaniker auszubilden und später einen eigenen Betrieb zu eröffnen. Informationen zur Ausbildung bietet zum Beispiel die Agentur für Arbeit.www.planet-beruf.dewww.berufenet.arbeitsagentur.de