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PasswörterNiemals ohne Sonderzeichen

7 min

Hacker sind ständig auf Daten aus. Ein Passwort kann schützen – aber das richtige muss es sein.

Ein Satz als Eselsbrücke

Passwörter im Internet sollen einerseits sicher, andererseits gut zu merken sein. Was gut zu merken ist, kommt immer auf die Person an. Was sicher ist, darüber existieren allgemeine Auffassungen von vielen schlauen Datenschützern. Sicher sind Passwörter, die möglichst komplex sind – also mit möglichst vielen Zahlen, Sonderzeichen, Groß- und Kleinbuchstaben. Es gibt im Internet Webseiten, die solche sicheren Passwörter generieren können. Aber die Internetnutzer können sich solche Passwörter auch selbst ausdenken.

Ich habe eine einfache Methode entdeckt. Ich denke mir einen Satz mit mindestens einer Zahl, Groß- und Kleinschreibungen und Satzzeichen oder Sonderzeichen aus. Der könnte zum Beispiel lauten: „Bei den Jungen Zeiten erscheint jede Woche ein Text“. Von jedem Wort nehme ich den Anfangsbuchstaben. Zahlen und Satzzeichen bleiben gleich. Daraus ergibt sich: BdJZejW1T. Das sieht kompliziert aus, aber wenn ich mich an den Satz als Eselsbrücke erinnere, ist es kein Problem mehr, das Passwort einzugeben. Noch sicherer wird es, wenn zudem Sonderzeichen wie /, & oder $ enthalten sind.

Drei Kategorien

„Da geht aber einer auf Nummer sicher“. Das muss ich mir häufig sagen lassen, wenn ich zum Beispiel bei meinem Laptop das Benutzerpasswort eingebe. Ich gebe zu, dass es mich überrascht, wie leicht es mir fällt, die bis zu 24 Zeichen langen Passwörter aus Buchstaben, Zahlen und Sonderzeichen zu merken. Aber wenn man fast täglich sein Kennwort für E-Mail, Computer, Foren und so weiter immer wieder neu eingeben muss, dann kann man sich durchaus eine Zeichenfolge merken. Ich benutze drei Kategorien von Passwörtern. Die erste ist eine Mischung meines Namens oder der Anfangsbuchstaben mit meinem Geburtsdatum. Dies setze ich in Internetforen oder für meine Spammail-Konten ein. Etwas sicherer ist die zweite Kategorie aus einer bis zu acht Zeichen langen Zeichenfolge aus Buchstaben und Zahlen.

Für Mailadresse, Computer sowie die Verschlüsselung von Festplatten benutze ich Zeichenketten mit mehr als 16 Zeichen. Solche langen Passwörter kann man sich einfach merken. Man nimmt zum Beispiel ein Satz und tauscht jeden zweiten Buchstabe mit einer Zahl. Für die Leerzeichen kann man Bindestriche oder Sonderzeichen nehmen. Auch eine praktische Sache sind Lizenzkeys von Programmen oder Spielen. Man kann diesen als Passwort nehmen und muss sich nur das Spiel/Programm merken, woraus man es hat. Aber das wichtigste ist, Passwörter nicht über den Browser speichern zu lassen. Das ist zwar eine einfache Lösung, aber was die Sicherheit betrifft, könnte man das Passwort dann auch gleich weglassen.

Sicherer als die Bank

Mein erstes Passwort war „Passwort“. Es wurde nie geknackt, ich hatte es aber auch nicht lange. Viele Portale verpflichten ihre Nutzer, allerlei Sonderzeichen zu verwenden, Groß- und Kleinschreibung, Zahlen – und mindestens acht Zeichen soll es auch noch haben, aber bloß nicht mehr als 16! Viele Portale vergeben sogar zufällig generierte Passwörter wie „dTgjNCq34O6!“. Ich weiß ja nicht, wie es anderen geht, aber ich kann mir sowas nicht merken.

Von Passwortmanagern direkt auf dem PC oder Laptop halte ich nicht viel. Wenn das Masterpasswort geknackt ist, ist der Schutz dahin. Andererseits speichere ich viele meiner Passwörter im Browser – weil ich sie mir nicht merken kann. Also müsste man den Passwortmanager wohl nicht mal anrühren. Für besonders wichtige Passwörter führe ich ein kleines Heft. In einem Fernsehbeitrag referierte unlängst ein Sicherheitsexperte zu diesem Thema. Nicht auf möglichst viele unterschiedliche Zeichen komme es an, sondern auf die Länge des Passwortes. Im Grunde ist es also egal, ob man das obere Passwort nimmt, „Bambusmatten“ oder „Mamaisttoll!“ – alle haben zwölf Zeichen.

Was mich schockiert hat, ist, dass meine Bank fürs Online-Banking nur ein Passwort von maximal fünf Zeichen zulässt. Fünf! Wenn ich das Passwort in manch einem anderen Portal mit „Stärke-Überprüfung“ eingebe, erhalte ich immer wieder nur „schwach“ – manche Portale verbieten mir sogar, das Passwort zu nutzen. Knallrote Markierungen warnen mich. Man könnte meinen, irgendwo da ist noch ein „Bist du eigentlich so blöd oder siehst du nur so aus?“ versteckt. Na, da kann sich mein Geld ja sicher fühlen!

Eines für alle Konten

Dass Zahlen und ich nicht die engsten Freunde werden, ist mir schon relativ früh klar geworden. Was bleibt, sind zahlreiche Passwörter aus Zahlen- und Buchstabenkombinationen. Bloß nicht das gleiche Passwort für alles verwenden! Ja, und wer merkt sich den ganzen Quatsch? Ich habe, bis auf Ausnahmen, überall das gleiche einfallslose Standardpasswort für E-Mail-Accounts, soziale Plattformen und die Uni. Und das ist auch gut so! Schon zweimal durfte ich peinlich berührt zu einem Shop meines Handy-Anbieters gehen, da ich meine PIN oder PUK vergessen hatte und den Zettel mit der Lösung nirgends finden konnte.

Lieber benutze ich also einfache Passwörter und hoffe, dass ich mir diese ausgewählten Kreationen merken kann. Das ist doch immer noch besser, als auf jeglichen technischen Geräten Passwörter einzuspeichern. Sicher ist das alles nämlich sowieso nicht.

App speichert die Daten

Eins für den Computer, eins für das Onlinebanking, je eins für meine Lieblingsshops, eins fürs Handy, je eins für diverse Kundenkarten, eins für den E-Mail-Account, Facebook, Paypal, Skype… Und überall am besten ein ganz individueller, für andere nicht zu erratender Zugangscode. Wer soll sich da noch zurechtfinden?

Mein rettender Engel ist eine App. Da kann ich alle Passwörter mit allen nötigen Zusatzinformationen wie Benutzername, Sicherheitsfragen und dergleichen ganz bequem eintragen. Kein nerviger Papierwust unter der Schreibtischunterlage mehr. Kein hektisches Gesuche nach dem blöden Zettel, wenn mal wieder das Login fehlgeschlagen ist. Natürlich musste ich mir für diese Sicherung wieder ein Passwort zulegen. Aber immerhin nur eins! So kann ich mir für alles, wie empfohlen, die kompliziertesten Passwörter ausdenken, und – ich vergesse keines mehr davon.

Song brachte die Erinnerung

„Hamburghinteruns“, „Pumba0620“ oder „#Mittsommernachtstraum#“ – das wären meine aktuellen Passwörter, wenn ich sie mir jetzt gerade überlegen müsste. Bei meiner Passwort-Auswahl bin ich, im Gegensatz zu den „Name123“-Vertretern, ziemlich kreativ. Ich überlege meist nicht lange, sondern nehme das erstbeste Wort, das mir einfällt. Das Wort koppele ich mit Zahlenkombinationen, die mir etwas bedeuten oder ergänze sie mit Sonderzeichen. Der Haken daran: Da meine Passwörter so spontan entstehen, vergesse ich sie auch ziemlich schnell, vor allem bei Accounts, die ich eher selten nutze. Man kann das auch positiv sehen. Wenn ich mir schon meine Passwörter nicht merken kann, wie sollen dann Hacker darauf kommen?

Bei einem ehemaligem Benutzerkonto hatte ich einmal ein Lied meiner Lieblingsband, das gerade lief, als Passwort gewählt. Als ich eine Woche später verzweifelt versuchte, mich daran zu erinnern und schon fast auf den „Passwort vergessen“-Button klicken wollte, erklang der Song aus meiner Musikanlage. Und schon war die Erinnerung wieder da.

Vergessen ist kein Problem

Die Sache mit den Passwörtern ist schon etwas Spezielles. Bei jedem Login überlege ich kurz: Wie war denn hier noch mein Passwort? Wie viele solcher Wörter ich mir bereits ausgedacht habe, weiß ich nicht. Aber wie sinnvoll sind Passwörter noch, wenn man so viele verwendet, dass man den Überblick darüber verliert? Und wie sicher sind sie, wo man ständig von neuen Hackerangriffen auf riesige Netzwerke hört? Egal, wofür man sich neu anmelden möchte, immer wird ein neues, mindestens sechs bis acht Zeichen langes, Groß- sowie Kleinbuchstaben und, wenn es geht, eine Zahl beinhaltendes Passwort gefordert. Dieses muss danach noch dreimal wiederholt werden, und zack – hat man ein neues, kompliziertes Wort, was man sich nicht mal merken kann.

Ich verfolge bei der Erstellung von Passwörtern keine bestimmte Strategie und verwende fast überall ein anderes. Manche sind total banal, bei manchen habe ich mir Mühe gegeben. Wie ich mir die Wörter merke? Überhaupt nicht. Inzwischen habe ich es drin, auf welcher Seite ich welches Passwort benutze und hoffe, dass ich keines vergesse. Aber selbst das ist kein Grund zur Sorge. Problemlos kann man ein Nächstes erstellen. Dafür muss man sich nur wieder etwas Neues ausdenken, es absichern und dreimal wiederholen.