Abo

TierrettungIm Notfall: Alles für die Katz

4 min

Es sieht nicht gut aus für den Igel. Eine Wunde klafft in seinem Gesicht, möglicherweise hat eine Katze ihn erwischt.

Oberbrandmeister Peter Melzer (50) holt ihn vorsichtig aus dem weißen Eimer und setzt ihn in einen Käfig. Sein Kollege Klaus Frey (50) hat vorher ein Handtuch hineingelegt. „Sonst rutscht er auf der glatten Oberfläche“, sagt er. Die Feuerwehrmänner fahren den Igel zur nächsten Tierarztpraxis, doch die Ärztin schüttelt nur mit dem Kopf.

Keine Chance, die Verletzungen sind schon einige Tage alt und so schwer, dass der Igel eingeschläfert werden muss. Peter Melzer hält das Tier fest, während die Ärztin die Spritze setzt. Dann hebt er den Igel in einen Karton. Der Pieper geht erneut, in Lindenthal sitzt eine Zuchttaube im Garten einer Frau und kann nicht mehr fliegen.

Melzer und Frey retten Tiere – auch wenn die Rettung manchmal nur eine erlösende Spritze ist. Sie sind mit dem Tiertransportwagen der Feuerwehr in der ganzen Stadt unterwegs, um streunende Hunde einzufangen oder Schwäne von Verkehrsinseln zu holen. Die Tierrettung gehört zur Feuer- und Rettungswache 8 in Ostheim. Wenn Melzer und Frey um 16.30 Uhr Feierabend haben, übernehmen die Kollegen des normalen Alarmdienstes den Transport der Tiere. Für ganz Köln gibt es nur den einen Transporter, 2011 brachten die Feuerwehrmänner 3029 Tiere in Tierheime oder zu Ärzten und fuhren insgesamt 62 563 Kilometer. In diesem Jahr waren es bis Ende Mai 939 Tiere, meist Hunde und Katzen, aber auch ein Frettchen, ein Schaf, vier Meerschweinchen und vier Füchse.

„Eigentlich sind wir nicht für Wildtiere zuständig, sondern für Haustiere“, betont Wachleiter Stephan Raphael. „Aber die Einsätze werden von Jahr zu Jahr mehr, die Leute rufen uns manchmal sogar an, wenn sie eine Ratte an einem Gulli sehen.“ Das gehe oft zu weit. Peter Melzer sagt: „Ich habe manchmal das Gefühl, dass die Leute für jede Taube anrufen, aber wegschauen, wenn jemand verprügelt wird.“

Alle Einsatzkräfte müssen Betäubungsgerät bedienen können

Die 89 Einsatzkräfte, die auf der Ostheimer Wache arbeiten, wurden alle im Umgang mit Tieren geschult. Sie haben mit einem Hundetrainer zusammengearbeitet und Medikamenten- und Waffenschulungen besucht. Im Notfall müssen sie wissen, wie man ein Betäubungsgerät bedient.

Manchmal ist der Job schon eine undankbare Sache. Holger Schnell (44), ein Kollege von Melzer und Frey, erinnert sich an eine Nacht, in der er mit einem Kollegen gefühlte Stunden vor einem Auto hockte, um eine Katze zu befreien, die sich im Motorblock verfangen hatte.

„Als wir sie endlich befreit hatten, ist sie gleich unters nächste Auto geschossen und wieder in den Motor geklettert – dort war es schön warm.“ Besorgten Menschen, die anrufen, weil eine Katze auf einem Baum kläglich miaut, sagt Schnell nach jahrelanger Erfahrung: „Gehen sie mal eine Stunde spazieren und rufen sie wieder an, wenn die Katze dann immer noch auf dem Baum sitzt.“ Manchmal fragt er auch: „Haben sie schon einmal ein Katzenskelett auf einem Baum gesehen?“

Die Katze auf dem Baum ist ein Klassiker. Die selbstmordgefährte Ente im Aachener Weiher war eher eine Ausnahme. „Ein Mann war besorgt, weil sie den Kopf immer unter Wasser gedrückt hat“, erzählt Schnell. Als er dem Spaziergänger erklärte, dass das wie in dem Kinderlied sei, in dem die Enten ihre Köpfchen ins Wasser tunken und die Schwänzchen in die Höhe strecken, antwortete der Mann: „Nein, nein, sie bleibt länger unter Wasser als die anderen Enten. Ich glaube, sie will sich umbringen.“ Oder die Vogelspinne im Zigarettenautomat.

Die Einsatzkräfte rückten mit Handschuhen, Netzen und Schlingen an, es stellte sich jedoch heraus, dass die Spinne, die im Schubfach lauerte, aus Gummi war. „Ein Lausbubenstreich“, sagt Schnell. Melzer und Frey geben die edle Ziertaube im Tierheim in Zollstock ab und müssen gleich weiter. Die Hausmeisterin einer Schule in der Gereonsmühlengasse hat bei der Leitstelle der Feuerwehr angerufen, weil ein Hund auf dem Schulhof umherstreunt. Der kleine Terrier lässt sich gern retten. „Viele Hunde und Katzen sind mittlerweile gechipt, das macht es wesentlich einfacher“, sagt Melzer, der ein Lesegerät bei sich hat, das er dem Tier ans Fell hält. Auch der Terrier hat einen Chip unter seiner Haut, über den Melzer und Frey die Besitzerin ausfindig machen können. Als die Hündin – wie sich herausstellt heißt sie Sissi – ihre Besitzerin erkennt, springt sie in ihrer Box auf und ab und winselt. Die Frau erzählt unter Tränen: „Wir sind erst vor kurzem hierher gezogen, Sissi ist davongelaufen.

Wenn ihr etwas passiert wäre, hätte ich das nicht überlebt.“ An diesem Tag sind Melzer und Frey die Helden. An anderen Tagen werden sie beschimpft. Das sind Tage, an denen sie nicht für jede Taube rausfahren. Oder suizidgefährdete Enten sich selbst überlassen.