Abo

Training für VierbeinerWie Hunde fit für die Jagd werden

4 min

Auf das Kommando von Sarah Bug sprintet Lilo los, um den versteckten Dummy zu suchen. Die Hündin lässt sich von nichts ablenken.

Zwischen Sarah Bug und ihrer Hündin Lilo funktioniert alles über Vertrauen. „Das Wichtigste bei der Jagd ist Ruhe. Mensch und Hund funktionieren nur als eingespieltes Team. Die Hunde müssen stets entspannt sein und dürfen nicht fiepen oder bellen“, erklärt Bug. Die Jägerin aus Mechernich weiß: Einen solchen Zustand erreicht man nur mit einem langsamen und gezielten Trainingsaufbau, keinesfalls mit Härte und Strafen. Zuerst bringt Bug ihrem Hund die Grundübungen bei, also ordentliches Mitlaufen und Standruhe. Danach geht es ans Apportieren. Lilo ist ein Labrador Retriever aus einer Arbeitslinie. In der Zucht dieser Hunde gibt es eine Show- und eine Arbeitslinie. Bei den Arbeitslinien-Hunden ist die Fähigkeit, die sie zum Jagd-Partner der Menschen macht, besonders gut ausgeprägt. Bei Labrador Retrievern ist es das Apportieren. „Die wollen arbeiten, die wollen apportieren“, erklärt Bug. Ein Spaniel zum Beispiel wäre dagegen bei der Jagd besser dazu zu gebrauchen, vor dem Schießen selbst herumzustöbern.

Wie Hund Wild finden

Für Lilo beginnt die Arbeit jedoch erst nach dem Schuss. Sie darf erst dann loslaufen und nach dem angeschossenen Tier suchen, wenn Sarah Bug ihr ein Zeichen gibt. Es ist entscheidend, dass der Hund auf den Menschen hört und sich beide gegenseitig vertrauen können. Als Steadiness, also Standruhe, bezeichnet man diesen Zustand. Der Hund bleibt völlig ruhig am Fuß des Führers, auch dann noch, wenn geschossen wird. Bis das funktionierte, haben die beiden viel trainiert. Eine typische Übung sieht so aus: Sarah Bug und Lilo spazieren zum nahe gelegenen Feld, Bug versteckt mehrere kleine und große Stofffiguren, sogenannte Dummies, die als Ersatz für das erlegte Tier benutzt werden. Mit echten toten Tieren („Schleppwild“) wird aus ethischen Gründen nur ganz selten gearbeitet. Ein weiterer Vorteil laut Bug: „Hunde, die Dummies finden, finden Wild erst recht.“

Lossprinten auf Kommando

Die Figuren sind unterschiedlich groß. Geübt wird meistens mit mehreren Exemplaren. Das größte wirft Bug in mehreren hundert Metern Entfernung über einen Zaun ins Gebüsch, ein anderes liegt zur Ablenkung ganz in der Nähe im hohen Gras. Während Sarah Bug übers Feld spaziert, liegt Lilo ganz ruhig im Gras und wartet. Als Bug zurückkehrt, erhebt sich die Hündin und spitzt die Ohren. Dann hebt Bug die Hand und gibt damit das Startkommando. In voller Geschwindigkeit sprintet Lilo los und schaut dabei nicht nach rechts und links. Schon bald ist das schwarze Tier in der Ferne kaum noch zu erkennen.

Sie schnüffelt nicht, bleibt nicht stehen und lässt sich auch nicht von Geräuschen ablenken. Im Ernstfall soll sie noch lebendes Wild nämlich ignorieren und nur geschossenes Wild finden. Alles, worauf sie reagiert, ist die Pfeife von Sarah Bug. Wenn die ertönt, bleibt sie abrupt stehen und sieht sich um. Bug streckt ihren Arm nach rechts aus, Lilo läuft ein Stück nach rechts. Bug zeigt nach vorne, Lilo sprintet weiter. Erst auf Bugs Zeichen fängt sie an zu suchen. „Sie muss mir voll vertrauen und meinen Handzeichen folgen. Sie läuft nicht nach ihrer eigenen Nase, was eigentlich unnatürlich ist. Dafür braucht es jede Menge Training und Ruhe“, erklärt Bug. Lilo springt schließlich über den Zaun und kommt mit dem blauen Dummy im Maul zurückgerannt. Den apportiert sie in Sarah Bugs Hand und hat damit ihr Ziel erreicht: Schnelle und saubere Rückgabe. Eine Belohnung bekommt sie aber nicht. „Das Apportieren ist der Lohn “, sagt Bug. Danach ist das Training vorbei. Maximal drei Mal die Woche üben die beiden für rund eine Stunde, um den Hund nicht zu überfordern und zu sehr aufzupeitschen.

Exotin unter Männern

Ihren ersten Labrador bekam Sarah Bug schon mit 18 Jahren, ein Tier aus einer Showlinie. „Ich wollte mit ihm etwas machen, aber damals gab es kaum Möglichkeiten oder Informationen“, erinnert sich die heute 38-Jährige. Während ihres Studiums in Aachen begann sie, sich für die Jagd zu interessieren und als Treiberin mitzugehen. „Ich war mit den Fächern Germanistik, Psychologie und Soziologie zwischen all den Maschinenbauern an der Technischen Uni ohnehin ein Exot. Auch als Frau. Bei der Jagd war ich es dann erst recht“, erinnert sich Bug. „Mittlerweile gibt es mehr Frauen, die sich fürs Jagen interessieren.“

Jagdschein nach dem Studium

Sie selbst machte ihren Jagdschein nach dem Studium. Mittlerweile bildet Sarah Bug Hunde nicht nur aus, sondern züchtet mit ihrem Mann auch Labrador Retriever. Außer der fünfjährigen Lilo besitzen die beiden noch Elsa (8), Pippa (2) und Trudi (4 Monate). Die kleine Tochter des Paares kann gerade laufen. Wenn sie mit den Hunden im großen Garten herumtollt, kommt die Mama schon mal mit den Kommandos für Tier und Mensch durcheinander. Stören tut das keinen.

Weitere Informationen gibt es unter www.crosshairs.eu und www.sarahbug.de