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Pack die Badehose ein90 Stunden die Woche für den Traum vom eigenen See

6 min

Immer weniger Menschen haben den Badesee in Düren in den letzten Jahren besucht. Drei Kölner wollen das jetzt ändern – mit einem Aquapark, Grillboot und jede Menge Arbeit.

Es ist kurz nach elf, und die Hitze steht bereits am Badesee in Düren. Familien mit Kindern, Campingstuhl unter dem einen Arm und einen Korb unter dem anderen, treten nacheinander durch das Drehkreuz. „Liebe Badegäste, das Betreten der Rutsche ist nur mit Schwimmweste gestattet“, ertönt eine Durchsage. Überall auf dem Gelände stehen Mülleimer in Delfinform, rote Schirme spenden ein bisschen Schatten für die Bänke und die Badegäste, die darauf ein Eis schlecken.

Ein Stück vom Eingang entfernt werkeln zwei junge Männer an einem großen Container. Hier soll die zweite Gastronomie entstehen. Beide braun gebrannt und blond, einer barfuß. Shane Klingler und Lukas Funck würden auf den ersten Blick eher auf ein Surfboard passen als zu einem etwas in die Jahre gekommenen Badesee.

Blick auf den See und einen Steg mit orangefarbenen Häuschen obendrauf.

Der Charme der 70er: Der orangefarbene Bau auf dem Steg stammt noch aus dem Entstehungsjahrzehnt des Sees.

Doch seit Ende Mai sind die beiden Kölner mit ihrem Freund Björn Lindert die offiziellen Pächter des Sees. „Der Badesee hatte rückläufige Besucherzahlen und wir haben gesagt, wir kriegen den wieder auf Vordermann“, das ist ihre Devise für das Projekt, sagt Klingler. Er arbeitet eigentlich als Influencer, 121.000 Menschen folgen ihm bei Instagram. Vor der Übernahme des Sees hat er fünf Jahre bei einem Surfcamp in Spanien gearbeitet und sich dort um das Marketing gekümmert. Als er sich dort zurückgezogen hatte, sprach ihn Lukas Funck an, ob er nicht Lust auf ein neues „Mammutprojekt“ habe.

Beide surfen gerne. Die Liebe zum Wassersport verbindet sie. Wassersport begleitet Funck schon lange, seit seinem Studium. Die letzten Jahre arbeitete er als Geschäftsführer eines Unternehmens mit Wassersportbezug. Dass Funck nun einen Badesee betreibt, sei für sein Umfeld nicht überraschend gekommen. Der eigene See – das sei der nächste logische Schritt gewesen.

Vom Surfcamp an den Badesee

Der Badesee selbst existiert seit den 70er-Jahren. Ein großer orangefarbener Bau ragt als Steg ins Wasser und kann sein Entstehungsjahrzehnt nur schwer leugnen. 

Am 21. Mai haben sie den Vertrag unterschrieben. Am 22. Mai eröffnet. Einen Tag Vorlauf. Und dann: 34 Grad, ein langes Wochenende, 2.500 Besucher auf dem Gelände. „Ich glaube, das war die größte Challenge für uns, dass wir nicht erst mal ein paar Tage ankommen konnten, sondern sofort irgendwie zweieinhalbtausend Leute dahatten“, sagt Klingler. Im ersten Monat sei schon viel passiert. Sie hätten alles mitgenommen, was geht: von defekten Sanitäranlagen an einem Samstag bis hin zu einem Pferd, das seiner Reiterin abgehauen war und dann durch den See schwamm.

Zwei lila Surfbretter liegen im Sand.

Stand-up-Paddling gehört seit der Übernahme zum Angebot am Badesee.

„Aber für einen Ort, der wirklich so viel Potenzial hat, lohnt es sich auch, die ganze Arbeit reinzustecken“, sagt Klingler. Vom Surfcamp in Spanien zum Badesee nach Düren, das sei schon ein großer Unterschied gewesen. Mit Anfang zwanzig sei das Surfcamp genau das Richtige für ihn gewesen; jetzt, mit 28, wolle er lieber sesshafter werden. Er wollte etwas finden, bei dem er seine Liebe zum Wasser und zur Natur ausleben kann, ohne quer durch Europa zu fliegen, und das ihm Verlässlichkeit in Beziehungen ermöglicht. Im Badesee habe er genau das gefunden. Seine Follower nimmt er beim Renovieren in Videos mit. Viel Zeit zum Schneiden habe er derzeit aber nicht.

Denn seit einem Monat ist der Rhythmus. Morgens um sechs aufstehen, drei Stunden bauen, dann Tagesbetrieb. Jeden Tag. Die größte Herausforderung: gleichzeitig weiterzuentwickeln und den laufenden Betrieb nicht zu stören. Beide schlafen inzwischen häufig am See. Für ein paar Stunden nach Köln zu fahren, lohne sich kaum, sagt Funck.

Seit ihrer Übernahme hat sich einiges getan. Ein Aquapark, E-Foils – elektrische kleine Surfbretter –, Stand-up-Paddle, Tretboote. Ein Getränkewagen mit neuen Bänken aus Holz davor. Demnächst kommen Seifenkistenboote – kleine Elektroboote, die um den See fahren. Zum ersten Mal in Deutschland werde es die dann geben, sagt Funck. Außerdem: ein Grillboot. Ein rundes Boot mit einem Grill in der Mitte, mit dem man auf den See hinausfahren und dort grillen kann. Noch schaukelt es am Rand des Sees vor sich hin und wartet darauf, wieder in Schuss gebracht zu werden.

Ein Getränkewagen mit Holzbänken davor.

Der Getränkewagen mit den neuen Holzbänken ist einer der sichtbarsten Unterschiede zum alten Badesee.

Die große Vision geht noch weiter. Sundowner-Abende, ein wiederbelebter Campingplatz mit bis zu 50 Stellplätzen, Tiny-Häusern und Sauna. Drei Jahre hatte der Campingplatz brachgelegen. Kleine bunte Hütten stehen etwas verloren auf dem Grün hinter dem See. Hier sieht es noch nach Baustelle aus. 

90 Stunden die Woche

Der Badesee verfügt über 800 Meter Sandstrand an der Wasserkante, nach eigenen Angaben einer der längsten bei deutschen Badeseen. Die Pacht für das Gelände möchten sie nicht öffentlich machen, nur so viel: Sie sei überschaubar. Was teuer sei, sei alles andere. „Es ist alles drumherum, die ganzen Nebenkosten, die Fläche instand zu halten, das Personal, die Badeaufsicht“, sagt Klingler. Sechsstellig, allein für den Betrieb, wenn man sie hochrechnet.

Und die Zeit, die sie selbst investieren? „Ja, gute 60, 70 Stunden die Woche sind es schon“, sagt Klingler. Sein Geschäftspartner rechnet nach und korrigiert nach oben: „So 85, 90 Stunden sind es doch eher.“ Beide tragen kleine gelbe Funkgeräte am Körper, zur Verständigung über das weitläufige Gelände. Während des Gesprächs meldet sich immer wieder jemand, der eine Information von einem der beiden braucht. Mal haben die Jungen am Geräteverleih eine Frage, mal ist ein Paket am Eingang für sie angekommen.

Eine große Wasserrutsche liegt im See.

Die grüne Rutsche im Wasser kommt nicht nur bei den Kindern gut an. Auch Pächter Shane Klingler ist Fan.

Im Wasser ist eine große grüne Wasserrutsche aufgebaut. „Eigentlich ist die für Kids“, sagt Klingler. „Aber wenn ich nach Ladenschluss abends da draufgehe, dann kommt mein inneres Kind durch. Darauf rutschen, das ist schon geil.“ Das Projekt verlangt ihnen viel ab, scheint ihnen aber auch viel Freude zu bereiten. Klassisch surfen können sie auf ihrem See nicht, dafür ist er zu windstill. Das wiederum eröffnet Möglichkeiten für andere Sportgeräte, sagt der 28-Jährige: „Die Seifenkistenboote können nur fahren, wenn man wenig Wind hat. Die Gegebenheiten haben wir hier häufig.“

Bis das Geschäft so richtig anlaufe, dauere es bestimmt noch ein, zwei Saisons, sagen sie. Ihr Geschäft hängt vom Wetter ab, ist klassische Saisonarbeit. „Es kann Sonntag irgendwie mit 2.500 Besuchern sein und ein Wochentag mit 20, je nach Wetter. Es ist super schwer, das vorher zu prognostizieren“, sagt Lukas Funck. Wenn der Sommer schlecht wird? „Scheiße“, sagt Klingler. Aber die Saisonarbeit habe auch eine Seite, die beide schätzen: einen freien Winter. „Ich arbeite viel im Sommer. Dafür habe ich im Winter – klar, Vorbereitung, Nachbereitung – aber auch die Freiheit, zu reisen oder den Winter so zu verbringen, wie ich möchte.“