Rauch aus dem Hohen Venn zieht in die Region: Ein Aachener Pneumologe erklärt, warum Feinstaub die größte Gefahr für Anwohner ist.
Brand im Hohen VennLungenexperte warnt vor Feinstaub – worauf die Menschen jetzt achten sollten

Ein Auto fährt durch den Monschauer Ortsteil Mützenich, während Rauchschwaden aus dem Brandgebiet darüber hinwegziehen. Ein Aachener Pneumologe ordnet die gesundheitlichen Risiken ein.
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Der anhaltende Brand im Hohen Venn und die damit verbundene Rauchentwicklung sorgen in Teilen der Eifel und der Region Aachen weiterhin für Besorgnis. Neben den Einsatzkräften vor Ort sind auch viele Anwohner von den Emissionen betroffen. Wie Ingmar Bergs, Pneumologe und Geschäftsführender Oberarzt an der Uniklinik RWTH Aachen, in einem Interview mit der „Aachener Zeitung“ erläutert, geht die primäre Gefahr für die Bevölkerung nicht von einer akuten Gasvergiftung, sondern von der Feinstaubbelastung aus.
Feinstaub als Hauptrisiko für Vorerkrankte
Nach Angaben des Aachener Lungenfacharztes muss differenziert werden zwischen Einsatzkräften im direkten Brandgeschehen und Anwohnern in weiterer Entfernung. Für die Bevölkerung stelle vor allem die Konzentration von PM2,5-Partikeln das zentrale Problem dar. Diese sehr feinen Partikel dringen bis in die tiefen Atemwege vor und können dort Entzündungen hervorrufen, ein Anschwellen der Bronchien verursachen und die Schleimproduktion steigern.

Rauchschwaden des Brandes im Hohen Venn sind von einem Flugzeug aus zu sehen.
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Besonders gefährdet seien laut Bergs Menschen mit chronischen Vorerkrankungen wie Asthma bronchiale oder COPD. Bei ihnen könne der Feinstaub zu einer raschen Verschlechterung des Zustands führen. Zudem rät der Experte weiteren vulnerablen Gruppen zu erhöhter Vorsicht, darunter Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schwangere, Kinder und ältere Personen. In regionalen Kliniken mussten bereits betroffene Patienten mit Sauerstoff versorgt werden.
Verhaltenstipps: Fenster schließen, Sport im Freien vermeiden
Um die persönliche Belastung möglichst gering zu halten, empfiehlt Bergs im Gespräch mit der „Aachener Zeitung“ einfache Schutzmaßnahmen für den Alltag:
- Fenster und Türen geschlossen halten, um das Eindringen der Partikel in Innenräume zu minimieren.
- Aufenthalte im Freien bei sichtbarem Rauch oder starkem Brandgeruch auf das Nötigste beschränken.
- Körperliche Anstrengung und Sport im Freien vermeiden, da durch die gesteigerte Atmung deutlich mehr Schadstoffe in die Lunge gelangen.
- Bei Bedarf auf gut sitzende FFP2-Masken zurückgreifen, diese können die Aufnahme von Feinstaubpartikeln reduzieren.
Gefahren durch Kohlenmonoxid bei den Einsatzkräften
Für Personen in unmittelbarer Nähe des Feuers besteht zudem das Risiko einer Kohlenmonoxidvergiftung, wie sie bereits bei zwei Feuerwehrleuten aufgetreten ist. Kohlenmonoxid blockiert den Sauerstofftransport im Blut und kann zu Symptomen wie Schwindel, Kopfschmerzen, Atemnot oder neurologischen Ausfällen führen.

Feuerwehrleute warten auf einen Einsatz beim Waldbrand im Hohen Venn bei Kalterherberg.
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Die Behandlung erfolgt primär durch sofortige Beendigung der Schadstoffexposition sowie die Gabe von reinem Sauerstoff, in schweren Fällen auch in einer Überdruckkammer.
Dauer der Belastung entscheidend
Da das Feuer im Moor noch über Tage oder Wochen schwelen könnte, spiele der Zeitfaktor eine wesentliche Rolle. Je länger und intensiver die Exposition gegenüber den Schadstoffen ausfalle, desto höher sei das statistische Risiko für Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Beschwerden in der Bevölkerung.
Gleichzeitig warnt Bergs vor Panik. Die Empfehlungen der Einsatzkräfte und Behörden seien fundiert und sollten konsequent befolgt werden, um gesundheitliche Risiken effektiv zu minimieren. (jag)
