Euskirchen-Schweinheim – Die „politischste Hecke“ im Stadtgebiet von Euskirchen ist fast fertig. Was sich kurios anhört, könnte das nahe Ende einer jahrelangen Auseinandersetzung um die Zuwegung zu einer neuen Brücke über den Steinbach nahe Kloster Schweinheim bedeuten. Sie ist knapp 100 Meter lang und mit Totholz zwischen den versetzt angeordneten Holzpflöcken gefüllt. Doch warum ist es die „politischste Hecke“ im Stadtgebiet“?
„Nein, nicht schon wieder die alte Geschichte!“ Maria Baron seufzt nur noch, wenn man sie an diesem Samstagvormittag auf das anspricht, was sie und bis zu 24 weitere freiwillige Helfer hierhin, auf eine Wiese am Ufer des Steinbachs unweit des Klosters Schweinheim, geführt hat.
Es geht um den Streit zwischen einem Grundstücksbesitzer und der Stadt Euskirchen über den Abriss einer alten und den Bau einer neuen Brücke über den Steinbach, die aber noch nicht begangen werden darf. Wobei sich die neue Brücke bachabwärts 55 Meter vom alten Standort entfernt befindet, was zur Folge hat, dass Wander- und Spazierwege gekappt worden sind. Jetzt müsste jeder, der zur neuen Steinbachbrücke will, quer über eine private Schafwiese laufen.

Wiesen- und Brückenbesitzer Franz Zurawski lieferte das Totholz aus seinem Wald für die neue Benjeshecke.
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Eine Bürgerinitiative (BI) sammelte zwischenzeitlich an die 1000 Unterschriften, um den Übergang über den Bach zu öffnen. „Wir wollen, dass das jetzt vorankommt“, fordert Dieter Baron, Sprecher der BI. Bitte keine Grundsatzdiskussionen mehr, heißt das.
Am Samstagvormittag scheint das keine allzu verwegene Idee, denn auch Frank Zurawski, dem Kloster Schweinheim und die strittige Wiese, die neue Bachbrücke und der Wald jenseits davon gehören, macht ja überraschend mit. Er hatte in den vergangenen Tagen die versetzten Pflöcke für eine Benjeshecke setzen lassen, die die gewünschte Wanderpassage von der Schafwiese trennen soll. So soll verhindert werden, dass die Hunde von Spaziergängern nichts auf der Wiese hinterlassen – Hundekot bekommt Schafen nämlich schlecht.

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Drei Fuhren Totholz lieferte Zurawski selbst mit dem Traktorhänger zur geplanten Hecke an. An ihm sollte es an diesem Tag nicht liegen. Aber auch nicht an zupackenden Händen. Thomas Brochhagen (SPD) hatte als Vorsitzender des städtischen Tiefbauausschusses in einer nicht-öffentlichen Sitzung des interfraktionellen Arbeitskreises des Gremiums Mitte September zum Arbeitseinsatz am 15. Oktober aufgerufen. Das sprach sich in den Dörfern rum. Am Ende waren nicht nur fünf Aktive der Feuerwehr Kirchheim, Vertreter der BI, Unterstützer aus Stotzheim, Kirchheim, Großbüllesheim und Schweinheim dabei, sondern es hatte sich auch eine bemerkenswerte Zweckkoalition aus SPD mit Brochhagen, der CDU mit Hubert Küpper und der AfD mit Josef Burkart gebildet, Vertreter der Grünen, FDP, UWV und Die Linke fehlten.
Zahlreiche Helfer
Und dann dauerte es am vergangenen Samstagvormittag ganze 45 Minuten, bis zwischen die Pflöcke gesteckt und gelegt war, was Waldbesitzer Zurawski an Totholz herangekarrt hatte. Er sei „völlig überrascht von der die Zahl der Helfenden“, so sein Kommentar. Er staunte nur noch über das Tempo, mit dem verbaut wurde, was er gerade abgeladen hatte.
„Es ist immer gut, nach vorn statt zurückzuschauen“, signalisierte er am Ende mit Blick auf das Geschehen, griff zu seinem Smartphone und bestätigte seiner Frau, die schon auf die Nachricht wartete: „Es sind 15, die gerade hier sind.“ Wenig später gab es von ihr für alle, die mitgeholfen hatten, Getränke und belegte Brötchen.
Material aus der Umgebung
Allerdings werde es wohl noch eines Dutzend weiterer Fuhren Totholz bedürfen, bis die Räume zwischen den Pflöcken auf rund zwei Meter Höhe gefüllt seien, so Zurawskis Schätzung. Da das Biomaterial zusammensackt, könnten weitere Auffüllungen nötig werden. Das Material muss, so eine Auflage der Unteren Naturschutzbehörde, aus seinem Wald oder der nahen Umgebung stammen, was die Fertigstellung der Hecke weiter verzögern könnte: „So viel umgestürzte Bäume habe ich auch wieder nicht in meinem Wald“, erklärte Zurawski.
Mit weiteren Zeitverzögerungen aber darf man der Bürgerinitiative und den Spaziergängern aus der Umgebung bei der Steinbachbrücke am Kloster Schweinheim lieber nicht mehr kommen. Die Angelegenheit zieht sich schließlich schon mehr als drei Jahre hin. Da gilt lieber der erwähnte Blick nach vorn: Und wenn die Hecke endlich steht, die die Schafe schützt?
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Dann werde er noch einen Zaun auf der anderen Seite des vorgesehenen Stichweges zur Brücke aufstellen und einen Tunnel unter der Passage baggern, damit die Wollträger zwischen Weidewiese und Stall gefahrlos wechseln können, so Zurawski. Spätestens im Frühjahr werde die Wanderwegpassage zu seiner neuen Steinbachbrücke aber offen sein, so sein Versprechen. Und dann wird die „Benjeshecke“, wie sie im Fachterminus heißt, eine Hecke, wie sie eher im Norddeutschen oder im Hohen Venn zu sehen ist, „das Biotop werden, für das sie eigentlich gedacht ist“, hofft Anwohner Wilfried Steinkrüger.

