Bad MünstereifelSieben Bisons in kurzer Zeit verendet – Züchter zweifelt an Todes-Diagnose

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Ein Bison guckt direkt in die Kamera.

Sieben seiner 15 Tiere sind seit Juli 2022 verendet – der Züchter sorgt sich um den Rest seiner Herde.

Ein Bisonzüchter aus Bad Münstereifel-Esch ist um die Gesundheit seiner Herde besorgt. Das Landesuntersuchungsamt widerspricht ihm jedoch.

Matthias Linden weiß nicht mehr weiter. Seit Juli 2022 hat sich seine Bisonherde beinahe halbiert. Sieben der 15 Tiere sind verendet. Und Linden hat Angst, dass das Sterben weitergeht. „Bei zwei Tieren bin ich mir unsicher, ob sie gesund sind“, sagt Linden.

Bis heute weiß er nicht, was die sechs Tiere im Juli innerhalb von drei Wochen dahingerafft hat. Den toten Bison im Februar hat er untersuchen lassen. Doch den Diagnosen des Landesuntersuchungsamtes Rheinland-Pfalz will der Zimmerer aus Esch nicht glauben. Von einem Befall mit Magen-Darm-Parasiten, der vermutlich zu einer chronischen Labmagenentzündung geführt habe, ist da die Rede. Von hochgradiger Abmagerung.

Sowie von einer chronischen Nierenentzündung und einer herdförmigen chronischen Verwachsung des Pansens mit dem Bauchfell. Eine Leberuntersuchung der Klinik für kleine Klauentiere Hannover ergab einen hochgradigen Selen- und Kupfermangel. „Dann hätten die Tiere eine Lecksucht gehabt, das war aber nicht der Fall“, so Linden. „Wenn sie einen Mangel hätten, würden sie vor den Lecksteinen doch Schlange stehen.“

Bisonzüchter aus Bad Münstereifel-Esch: Paratuberkulose ist verantwortlich für den Tod der Tiere

Darmprobleme bei den Tieren habe er zwar bemerkt. Er habe aber gedacht, sie gingen wieder weg. „Fresslust hatten die Tiere immer.“ Der Bisonzüchter vermutet etwas anderes: eine Paratuberkulose, auch wenn das Landesuntersuchungsamt Rheinland-Pfalz diese explizit ausschließt. Aber die Symptome wie Durchfall, Abmagerung, Apathie und ein plötzlicher Tod seien zutreffend, findet Linden.

Bisonzüchter Matthias Linden aus Esch steht vor seiner Bison-Herde auf der Wiese.

Bisonzüchter Matthias Linden aus Esch hat seit Sommer 2022 sieben Tiere verloren.

Wie er auf diese Krankheit, die mit Morbus Crohn beim Menschen vergleichbar ist, kommt, war eher Zufall. Linden hat eine 2,1 Hektar große Futterwiese im Wald zwischen Esch und Willerscheid. Bei Arbeiten habe er einen Mitarbeiter des dortigen Forstbesitzers getroffen, der Linden mitgeteilt habe, dass es Paratuberkulose-Fälle beim Rotwildbestand gebe.

Als er sich bei Kreisveterinär Dr. Jochen Weins diesbezüglich erkundigte, habe ihm dieser geraten, die Hinterlassenschaften des Rotwilds auf seiner Wiese zwei Tage lang UV-Strahlung auszusetzen, und dann erst als Futter zu nutzen, dann sei es unbedenklich, so erzählt es Matthias Linden. „Das funktioniert vielleicht mit Heu, aber nicht mit Silage. Ich schneide morgens und verfüttere abends“, so Linden.

Kreisveterinär: Paratuberkulose-Theorie ist nicht stimmig

Weins dementiert die Aussage mit der UV-Strahlung, diese habe er nicht getätigt. Paratuberkulose-Fälle gebe es tatsächlich im Kreis, zumindest im Großraum Flamersheimer Wald und Houverath. Betroffen seien immer nur einzelne Tiere. Äußern würde sie sich über eine unheilbare chronische Entzündung der Darmschleimhaut, ausgelöst durch Myko-Bakterien. Eine Übertragung auf andere Wiederkäuer über Kot beim Weidegang oder ausgebrachte Gülle sei nachgewiesen.

Eine Übertragung auf den Menschen durch Milch werde diskutiert. „Erkrankte Tiere magern langsam über die Jahre ab, deswegen sind es oft Zufallsbefunde“, weiß Weins. Fünf bis zehn Nachweise bei Rind und Wild gebe es jährlich im Kreis, meist werden positive Befunde im Schlachthof festgestellt. Eine Sanierung sei langwierig und arbeitsintensiv, etwa durch regelmäßige Weidewechsel sowie Fütterung nur mit Heu oder Silage aus unproblematischen Gebieten.

Der Kreis Euskirchen sei mit Weidegang, viel Wald und hohen Rotwildbeständen aber ein problematisches Gebiet. Es komme zu einem regelmäßigen wechselnden Infektionsgeschehen zwischen Weidetieren und den nachts auf den Weiden äsenden Wildwiederkäuern.

2014 hatte sich Matthias Linden den langjährigen Wunsch von der Bisonzucht zur Fleischproduktion erfüllt. Die Todesfälle hätten bei ihm einen wirtschaftlichen Schaden von mehr als 30 000 Euro angerichtet, schätzt er. Der Escher bleibt skeptisch: „Man ist den Veterinären ausgeliefert.“ Demnächst würden bei den Tieren Blutproben entnommen. „Die will ich ausgehändigt bekommen“, meint er. Um sie dann an ein Labor im Ausland zu schicken.

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