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WallgrabenkonzertMusiker bringen in Bad Münstereifel den Saal zum Toben

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Im Vordergrund links steht ein Mann, der Geige spielt. Rechts sitzt eine Frau am Flügel.

Der Geigenvirtuose Werner von Schnitzler und die Pianistin Sunhee Kim-Nussbeck begeisterten das Publikum beim Wallgrabenkonzert mit Intensität und fein abgestimmtem Zusammenspiel.

Werner von Schnitzler und Sunhee Kim-Nussbeck beeindruckten das Bad Münstereifeler Publikum mit fulminanten Interpretationen von Beethoven und Strawinsky.

Es ist Fastenzeit, doch musikalisch durfte ordentlich geschlemmt werden. Der Geigenvirtuose Werner von Schnitzler und die Pianistin Sunhee Kim-Nussbeck gaben am Sonntagabend einfach alles. Unprätentiös und mit packender Präsenz begeisterte das Duo beim Wallgrabenkonzert, bis es beim Publikum kein Halten mehr gab und nach der Zugabe der Saal endgültig tobte.

Mit der Violinsonate op. 12 Nr. 3 Es-Dur von Ludwig van Beethoven begann der unvergessliche Konzertabend, bei dem es sogleich energisch und entschlossen zur Sache ging. Ausgeprägt virtuos war nicht nur der Geigenpart, sondern auch das Klavier.

Musiker waren voller Leidenschaft

„Con spirito“ forderte die Bezeichnung des Kopfsatzes und war damit bei Werner von Schnitzler und Sunhee Kim-Nussbeck in den besten und engagiertesten Händen. Mit großer Leidenschaft brachten sie das Werk zum Blühen, spielten akzentuiert und arbeiteten hervorragend die lebhaften Kontraste heraus. „Adagio con molto espressione“ war der Mittelsatz. Ein Traum aus entzückendem Wechselspiel, liebevoller Sorgfalt und Innigkeit.

Das spritzige Rondothema des dritten Satzes schloss das Werk sprunghaft, capriolenreich und kraftvoll ab. Das Publikum war von der mitreißenden Musik des Duos so fasziniert, dass auch zwischen den Sätzen Stille im Saal herrschte und es zusammen mit den Musikern die Spannung aufrecht erhielt. Wer bis dahin dachte, mehr Virtuosität ginge nicht, der durfte beim Divertimento von Igor Strawinsky staunen.

Beide spielten mit unglaublicher Intensität und Hingabe

Der Komponist war einer der bedeutendsten Vertreter der Neuen Musik und schuf mit dem Ballett „Der Kuss der Fee“ 1928 ein Werk mit neoklassizistischer Struktur. Werner von Schnitzler und Sunhee Kim-Nussbeck spielten vier Stücke aus einer Bearbeitung von Samuel Dushkin. Diese Musik in Worte zu fassen, ist beinahe unmöglich. Nach einem kurzen zarten Anfang ging es los.

Spannend, markant, aufgeregt flatternd, kantig, tänzerisch und zugleich streckenweise brachial, bildhaft, ekstatisch – das Divertimento machte Musiker und Publikum atemlos. Von Schnitzler musizierte mit unglaublicher Intensität und Hingabe. Rasch aufeinander folgende Kontraste wirkten, als seien drei Violinen im Spiel. Mit unübertrefflichem Ausdruck präsentierte er in allen Registern sein schier grenzenloses technisches und künstlerisches Können.

Man sah die Tänzerinnen vor dem inneren Auge

Ein Kraftakt auch am Klavier, wo die Pianistin harte Akkorde unter aufbrausende, die gesamte Tastatur einnehmende Passagen mischte, die sie mit sagenhafter Motorik spielte. Weit angelegte, starke Glissandi beeindruckten im vierten Satz. Bei all der Fülle erreichten die beiden überdies einen szenischen Charakter, so dass man die Tänzerinnen und Tänzer geradezu vor sich sah.

Nach der Pause wurde es erstmal wieder etwas ruhiger. Verträumt erhob sich die erste der drei Romanzen für Violine und Klavier op. 22 von Clara Schumann. Alle drei Teile zeigten sich stimmungsvoll, weitgehend gesanglich und mit raffinierten Details. Reich umspielte die Pianistin die dichten Klänge der Violine.

Der Blick in die Noten macht schwindelig

Mit der Violinsonate Nr. 1 a-Moll op. 105 von Robert Schumann schloss das Programm. Auch hier begeisterte das Duo mit sehr sinnlicher Interpretation. Blumig, melancholisch und mitunter geheimnisvoll und wieder zupackend holten die beiden Kölner Künstler in ihrem einfühlsamen Zusammenspiel alles aus den facettenreichen Sätzen heraus.

Hier benötigte Werner von Schnitzler bereits viel Platz, um mit ganzem Körpereinsatz zu musizieren. Noch mehr Fläche nahm er bei der Zugabe ein, die die Krönung des Konzertes war. In einer kurzen Ansage verriet er seine Begeisterung für die Zigeunerweisen op. 20 des spanischen Geigenvirtuosen Pablo de Sarasate, die er schon als Kind hegte. Wirft man einen Blick in die Noten, wird es einem schwindelig.

Dieses Werk verbindet höchsten künstlerischen Anspruch mit ungarisch-volkstümlichem Charakter. Unglaublich, dass Werner von Schnitzler im Alter von neun Jahren damit beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ antrat. Vermutlich saßen am Sonntagabend etliche Besucher im vollbesetzten Saal, die den Ausnahmekünstler schon damals gerne hörten, denn er wuchs in Bad Münstereifel auf. Ein fulminanter Abschluss für ein ganz besonderes Konzert.

Finanziell ermöglicht wurde es von der Kreissparkasse Euskirchen. Am Sonntag, 29. März, beschließt das Confringo Klavierquartett die aktuelle Saison der Wallgrabenkonzerte. Auf dem Programm stehen Werke von Gustav Mahler, Robert Schumann und Hans Gál. Der Vorverkauf beginnt am 6. März.www.wallgrabenkonzerte.de