Der Angeklagte, der in Bonn vor Gericht steht, soll in Bad Münstereifel einen Überfall und in Euskirchen einen Ladendiebstahl begangen haben.
GerichtsverhandlungJunger Mann wurde an einer Tankstelle in Bad Münstereifel überfallen

Vor dem Bonner Landgericht wird gegen einen Mann verhandelt, der Straftaten in Bad Münstereifel und Euskirchen begangen haben soll.
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Das war eine Weihnachtsüberraschung, die man nicht braucht: An Heiligabend 2025 zahlte ein 22-Jähriger gegen 20.30 Uhr an einer Automatik-Zapfsäule einer Tankstelle auf der Josef-Jonas-Straße in Bad Münstereifel per Karte gerade das getankte Benzin und telefonierte gleichzeitig mit seinem Bruder. Plötzlich stand ein maskierter Mann mit einem Messer und einer Spraydose neben ihm und verlangte Geld. Der Autofahrer händigte ihm angesichts der Bedrohung 90 Euro aus, die dem Räuber aber laut Staatsanwaltschaft nicht reichten.
Auch gegen das Opfer wurde Anzeige erstattet
Er forderte den 22-Jährigen auf, mit ihm an einem nahen Bankautomaten Geld zu ziehen. Das Opfer zeigte dem Fremden aber auf seinem Handy, dass er nur noch über ein Kontoguthaben von 20 Euro verfügte. Daraufhin riss ihm der Täter das Telefon aus der Hand und lief weg. Der 22-Jährige sprang in sein Auto, verfolgte den Flüchtenden und fuhr ihn mit dem Pkw auf der Josef-Jonas-Straße an.
Gegen beide Männer wurde Anzeigen erstattet: gegen den 22-Jährige wegen gefährlicher Körperverletzung, gegen den anderen, heute 27 Jahre alt, wegen schweren Raubes. Während das Verfahren gegen den Pkw-Fahrer eingestellt wurde, muss sich der Ältere seit Mittwoch vor der 3. Großen Strafkammer des Bonner Landgerichts verantworten. Neben dem Überfall an der Tankstelle ist der gebürtige Syrer auch wegen räuberischer Erpressung angeklagt.
Der Angeklagte hat beide Taten zugegeben
Er soll am 10. Oktober 2025 im Veybachcenter in Euskirchen Waren im Wert von rund 900 Euro gestohlen haben. Als er mit dem Diebesgut die Kasse passieren wollte, löste die Diebstahlsicherung Alarm aus. Eine Angestellte rief ihm zu: „Stehen bleiben!“ Der Angeklagte soll sie weggeschubst haben. Einem Sicherheitsmann gelang es dann mit einem weiteren Zeugen, den Mann zu überwältigen.
Gleich zu Beginn der Hauptverhandlung gab der Angeklagte den Überfall und den versuchten Diebstahl zu: „Was in der Anklage steht, stimmt so“, erklärte Verteidigerin Karin Bölter für ihren Mandanten. Gegen ihn liegt eine Vielzahl von Anzeigen vor, etwa wegen Körperverletzung, Diebstählen und Trunkenheit. Das Gericht prüft mit Hilfe eines psychiatrischen Sachverständigen, ob der Angeklagte überhaupt zur Verantwortung gezogen werden kann und die Taten eventuell Folgen exzessiven Drogengebrauchs sind. Angeblich hört er Stimmen.
Angeklagter aus Syrien gibt an, Traumatisches erlebt zu haben
Der Mann ist 1999 in Aleppo (Syrien) geboren und hat nach eigenen Angaben als Kind traumatische Erlebnisse erlitten. Bei einem Bombenangriff seien zwei seiner Freunde unweit einer Moschee getötet, er selbst sei durch einen Metallsplitter an einem Bein schwer verletzt worden. 2015 floh er mit seiner Familie nach Deutschland. Er wurde in Bad Münstereifel in einer Unterkunft für Geflüchtete aufgenommen.
In einer Schule in Euskirchen sei er mit Drogen in Kontakt gekommen. Anfangs habe er Cannabis konsumiert, später auch Kokain und Alkohol, sagte der Angeklagte. Eine Lehre als Kfz-Mechatroniker brach er ab. Zuletzt arbeitete er als Altenpflegehelfer in einem Seniorenzentrum, bis ihm im April 2025 gekündigt wurde, weil er im Dienst einen Joint geraucht hatte. Seitdem lebt er von Stütze. Das Urteil wird für Anfang Juni erwartet.
