Wandern in der EifelErinnerung an die BAP-Zeit im Ahrdorfer Bahnhof

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Der ehemalige Bahnhof von Ahrdorf: In der einstigen Gepäcklagerhalle probte BAP in den 1980er-Jahren.

Blankenheim-Ahrdorf – In den 1980er-Jahren probte BAP regelmäßig im alten Bahnhof von Ahrdorf – inklusive Stücke wie „Verdamp lang her“ und „Du kanns zaubere“. Diese Phase ist jetzt einer der audiovisuellen Erlebnispunkte der Eifelschleife „Von drinne noh drusse“ – was auch Titel eines der in Ahrdorf einstudierten Alben ist, auf dessen Cover die Güterhalle des Bahnhofs zu sehen ist.

„Für meine Generation ist BAP immer noch wichtig. Es gibt kaum eine Mai- oder Geburtstagsfeier, bei der am Ende nicht BAP gespielt wird.“ Ralf Ruland (51), Ortsvorsteher von Ahrdorf, steht an der ehemaligen Gepäcklagerhalle des 1912 erbauten Bahnhofs, der etwas abseits des Ortes am Waldrand liegt.

Ein Stück Musikgeschichte aus Ahrdorf

Dort, wo seit den 1980ern zwei Pärchen aus Uedelhoven und Lommersdorf nach umfangreicher Sanierung des Gebäudes eine Art Jugendbegegnungsstätte angeboten hatten und seit rund zehn Jahren die Evangelische Kirche Köln-Nippes ein Selbstversorgerhaus für Vereine unterhält, wurde vor 40 Jahren ein kleines Kapitel deutscher Musikgeschichte geschrieben.

Alles zum Thema Wolfgang Niedecken

Ruland erinnert sich: Sein Elternhaus steht wenige Meter unterhalb des Bahnhofs, ein Bahnbeamtenhaus. Seine Mutter ging damals im Jugendgästehaus putzen. „Als Zehnjähriger war ich auch mal da, als BAP sich wieder für eine Woche eingemietet hatte“, so Ruland.

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Die legendären BAP-Alben, für die in Ahrdorf geprobt wurde, zeigt Ortsvorsteher Ralf Ruland.

Demnach wurden hier die Stücke für Alben wie „Für usszeschnigge“ von 1981 und „Vun drinne noh drusse“ von 1982 geprobt. Er habe als Junge auch mal beim Schmal (Schlagzeuger Manfred Boecker) gesessen und das Trömmelchen geschlagen.

Beim Wandern die Anekdoten anhören

Derartige Anekdoten hat Ruland auch Matthias Wegener, Hörfunksprecher und Autor der Podcastreihe „Wanderlust in der Gemeinde Blankenheim“ vor kurzem ins Mikrofon gesprochen. Der hat mit weiteren Tonaufnahmen audiovisuelle Erlebnispunkte entlang der 15 Kilometer langen Eifelschleife zwischen Ahrdorf und Uedelhoven erstellt.

Die Route

Der „BAP-Bahnhof“ von Ahrdorf ist eine audiovisuelle Erlebnisstation auf der Eifelschleife „Vun drinne noh drusse“ – dabei liegt der Bahnhof streng genommen einige 100 Meter abseits des Rundwegs. Über die GPS-geführte Wanderung sind auf dem Online-Portal Outdooractive (Route: „Von Drinne noh Drusse“) außerdem die Ahrbrücke in Ahrdorf – dort ist eine Flut-Gedenktafel aufgestellt –, Campingplatzbetreiber Mario Frings, der an die Flutnacht im vergangenen Juli erinnert, und am Scheitelpunkt des Weges das Anne-Frank-Denkmal in Uedelhoven dokumentiert. (sli)

BAP im einstigen Bahnhof und das Anne-Frank-Denkmal in Uedelhoven werden so akustisch und beim Wandern verbunden: der „Kristallnaach“-Text von Wolfgang Niedecken, die Musik von Gitarrist Major Heuser und das Mahnmal gegen Antisemitismus und für Toleranz.

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Über QR-Codes können die Audiostationen, hier am Anne-Frank-Denkmal, abgehört werden.

Ruland kennt viele Anekdoten der BAP-Zeit in Ahrdorf. Es habe am Ende einer Probenwoche immer ein inoffizielles Abschlusskonzert gegeben. „Mein damals 17 Jahre alter Bruder, Mitglied im Junggesellenverein, durfte hin“, so Ruland.

Bier-Lieferungen auf den Mopeds

Das machten die Jugendlichen standesgemäß auf ihren Mopeds. Auf dem Gepäckträger: ein Kasten Bier. „Das haben sie an die bis zu 100 Zuhörer verkauft“, so Ruland. Ein regelrechter Pendeldienst sei zwischen dem damaligen Ahrdorfer Tante-Emma-Laden und dem Bahnhof aufgebaut worden – und die geschäftstüchtigen Jugendlichen verdienten sich dabei eine „goldene Nase“.

Rulands Schwester profitierte auf andere Weise von den Musikern: „Die BAP-Musiker schrieben ihr Autogramme mit Widmung ins Poesiealbum.“Wolfgang Niedecken jedenfalls erinnere sich gut an die Probenzeit in Ahrdorf, so Ruland: „In einem Dokumentarfilm hat er das gerade so gesagt.“

Der Traum vom Benefizkonzert für die Flutopfer

Es wäre natürlich eine schöne Idee, so Ruland, wenn Niedecken und BAP in Erinnerung an die Probenwochen in der Eifel ein Benefizkonzert für die Hochwasseropfer spielen würden: 14 Häuser im Ort wurden zum Teil stark zerstört, drei gelten nach wie vor als unbewohnbar. Auch das Bürgerhaus lag in Trümmern.

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Eins wird sich wohl nicht wiederholen: Nach einer Probenwoche wollte BAP vor rund 40 Jahren spontan auf der Ahrdorfer Kirmes spielen. „Sie wurden weggeschickt, weil sie keiner kannte“, sagt Ruland und lacht.

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