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Abtei Maria Frieden in DahlemVier Stunden Gebet am Tag

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Die Abtei Maria Frieden feiert in diesem Jahr den 60. Jahrestag ihrer Gründung.

Dahlem – Schwester Dominica sitzt an ihrem robusten Holzschreibtisch. Vor ihr liegen Briefe, ein kleines Küchenmesser, mit dem sie die Umschläge öffnet und einige schwere Schlüssel. Schwester Dominica ist jetzt 89 Jahre alt, sie gehört zu den Trappistinnen in der Abtei Maria Frieden in Dahlem.

Neben der Tätigkeit am Schreibtisch arbeitet sie als Außenökonomin jeden Tag sehr hart: im Garten, in den Außenanlagen und als Hausmeisterin. Das Alter merkt man der quirligen Frau dabei gar nicht an. Es wird jedoch umso deutlicher, wenn sie von früher spricht.

„Eine spannende und schöne Zeit“

Vor 60 Jahren wurde die Abtei Maria Frieden auf der „Dahlemer Binz“, einem Ort mitten in der Natur, wo viele Binsen wachsen, gegründet. Schwester Dominica war damals eine der Gründerinnen. Sie erinnert sich, wie sie damals mit einem Bus über die Dörfer von Holland aus anreiste.

Ihre Verwandten waren mitgekommen. Schwester Dominica: „Es war schon spät, als wir hier in Dahlem eintrafen. Ich ging durch eine schmale Tür im jetzigen Rektorat.“ Von dort aus führte es direkt in die Klausur. Die Angehörigen gingen zur Kirche. Dominica: „Das war eine spannende und schöne Zeit damals.“

Immer noch genießt die Ordensfrau die Natur, die sie umgibt. Was sie ein wenig vermisst, sind die Stille und die Einsamkeit, die früher wohl noch intensiver in Maria Frieden zu spüren waren. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Haus zunehmend geöffnet.

Heute nimmt die Abtei zum Beispiel regelmäßig Gäste auf, die Einkehr halten möchten. Schwester Gratia, 53 Jahre alt und seit 2012 Äbtissin von Maria Frieden, erklärt: „Zudem bemerken wir, seit immer mehr Gottesdienste in der Region gestrichen werden, einen deutlichen Zustrom von Christen, die unsere Messfeiern besuchen. Auch kommen zunehmend Menschen zu uns um zu beichten.“

Schwester Gratia bedauert, dass derzeit kein Nachwuchs in Sicht ist. Mit einigen wenigen Schwestern begann die Arbeit 1953 in Maria Frieden. In den 60er- und 70er-Jahren lebten, beteten und arbeiteten hier 42 Ordensfrauen. Die Herstellung des Kräuterlikörs hat im Kloster ebenso Tradition wie die Fertigung von Paramenten, den Textilien also, die im Kirchenraum und in der Liturgie verwendet werden.

Zurzeit leben 22 Trappistinnen in Maria Frieden, zwei davon als externe Einsiedlerinnen. Als geistlicher Direktor ist der 81-jährige Pater Pius, Trappist aus Mariawald in Heimbach, dauerhaft in Dahlem. Er lebt in einem eigenen Bereich auf dem Klosterareal.

Der Tag in Maria Frieden beginnt für die Schwestern um 4.05 Uhr mit der Vigil, dem nächtlichen Gebet in der Kirche. Schwester Gratia: „Wer mag, kann zu dieser frühen Stunde einen heißen Kaffee trinken.“ Die Vigil dauert etwa eine Stunde lang, sonntags etwas länger. An das nächtliche Gebet schließt sich eine halbstündige Meditation ebenfalls in der Kirche an, dann steht das Frühstück von 5.30 Uhr an bereit. Es gibt Brot, Marmelade, Quark, Käse, Tee, heiße Milch und Kaffee. Auf Fleisch verzichten die Ordensfrauen aus Überzeugung komplett.

Um 7 Uhr wird die Laudes gebetet, im Anschluss daran wird das Hochamt bis 8.15 Uhr gefeiert. Nach der Terz, die um 9 Uhr gebetet wird und rund 15 Minuten lang dauert, beginnt die Arbeit, die bis 12 Uhr mittags dauert. So vergeht im Kloster jeder Tag.

Schwester Gratia: „Wir verbringen ungefähr vier Stunden pro Tag betend in der Kirche.“ Vor 27 Jahren trat die Äbtissin, die in ihrer Freizeit Flöte spielt, dem Orden bei. Sie sagt: „Mir war es hier noch nie langweilig. Die Gebetszeit ist eine heilige Zeit. Sie richtet meine Aufmerksamkeit auf die Gegenwart Gottes, der Mensch ist ganz er selber im Gebet.“