Für die JSG Erft Euskirchen ist der Sieg ein Schritt in Richtung Klassenerhalt, Bessenich steckt hingegen tiefer im Abstiegskampf.
Rückstand gedrehtJSG Erft Euskirchen gewinnt hitziges Derby gegen Bessenich spät

Erleichterung nach dem Ausgleich. Später folgte noch der Siegtreffer. Das 1:1 hatte Gian Luca Cardinale (2.v.r.) erzielt.
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JSG Erft Euskirchen – SV Bessenich 2:1 (0:0). Auf der einen Seite: grenzenloser Jubel, pure Erleichterung. Auf der anderen Seite: Enttäuschung, Frust, teilweise sogar Wut auf den Unparteiischen. Das Derby zwischen der JSG Erft Euskirchen und dem SV Bessenich hat mit den Gastgebern einen glücklichen, aber nicht unverdienten Sieger gefunden.
Ein Erfolg, der lange fraglich war. Ein Erfolg, der wohl so nicht zustande gekommen wäre, hätte Bessenichs Niklas Miszkiewicz in der 80. Minute nicht verletzt vom Platz gemusst. Der Abwehrspieler war bis dato der überragende Defensivorganisator, stand immer goldrichtig, gewann nahezu 100 Prozent seiner Zweikämpfe, spielte einfach stark.
Wendepunkt ist eine verletzungsbedingte Auswechslung
Irgendwie hätte man es im Gefühl haben können, dass nach der Auswechslung noch mal ein Ruck durch die JSG-Elf geht. Die Truppe von Chris Kockerols hatte zehn Minuten vor dem Ende schon ein wenig die Hoffnung auf ein Unentschieden und schon gar nicht mehr auf einen Heimsieg. Zu omnipräsent war Miszkiewicz.
Doch Kockerols erkannte die Situation, verlagerte das Spiel auf die Bessenicher rechte Verteidigungsseite, wo nun improvisiert werden musste. Und es kam so, wie es gefühlt kommen musste. Der gerade eingewechselte Aaron Mertens, der eigentlich noch A-Jugend spielen kann, tankte sich auf der Außenbahn durch und sah in der Mitte den völlig freistehenden Gian Luca Cardinale. Der Offensivspieler behielt die Übersicht und traf per Flachschuss aus sieben Metern zum 1:1. 84 Minuten waren da gespielt.

JSG-Spieler Alexander Bellstädt (l.) mit dem Abschluss im Derby gegen Bessenich.
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JSG-Coach Christopher Kockerols im Gespräch mit Schiedsrichter Jörg Piana.
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Schienbeinerschoner, die kleiner kaum sein könnten. Dafür mit Gesichtern.
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In der Schlussminute lief wieder ein Angriff über die linke Seite der JSG. Diesmal war es Luc-Seal Roggendorf, der die Bessenicher Verteidigung zum Tanz bat (welche Vorarbeit die schönere war, muss er mit seinem Mannschaftskollegen ausmachen). Roggendorf behielt ebenfalls die Übersicht, und dann war es Nicolas Woywod, der mit seinem Schuss die Partie drehte, aber nicht auf den Kopf stellte.
Aber apropos schöne Vorarbeit: Zehn Minuten nach dem Wiederanpfiff wurde Bessenichs Kaloyan Petrov im Strafraum der JSG angespielt. Mit einer schicken Körpertäuschung ließ er Gegenspieler Lucas Spilles ins Leere laufen, behielt ebenfalls die Übersicht und spielte den Querpass auf den zweiten Pfosten.
Monsterparade von JSG-Torwart verhindert späten Rückstand
Dort stand Erjon Hoxhaj völlig blank und musste den Ball nur noch über die Linie drücken. Muss man auch erst mal machen, aber 80 Prozent des Treffers gehörten Petrov. Hoxhaj war es dann, der nach der Auswechslung von Abwehrchef Miszkiewicz auf die Defensivposition rutschte.
Und dann waren da noch ein paar Szenen, über die bei der JSG schon jetzt keiner mehr sprechen dürfte – und beim SV Bessenich auch nicht, weil Fußball dafür zu schnelllebig ist und keine „Hätte, hätte, Fahrradkette“-Diskussionen kennt. Aber wenn JSG-Keeper Lukas Krämer in der 88. Minute nicht eine Monsterparade ausgepackt hätte, wäre wohl Bessenich als Sieger vom Platz gegangen.
Wir haben nicht unverdient gewonnen. Wir sind mehr oder weniger aus dem Nichts in Rückstand geraten, zeigen dann aber unfassbar viel Herz und eine große Moral.
Und wenn Schiedsrichter Jörg Piana in der Nachspielzeit auf Strafstoß für Bessenich entschieden hätte (der VAR hätte sich die Situation wahrscheinlich noch mal angeschaut), hätte der SVB zumindest die Chance auf den Ausgleich vom Punkt gehabt. So blieben die Punkte in Kuchenheim. Die JSG macht mit dem Dreier einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt, die Gäste stecken noch ein bisschen tiefer im Abstiegskampf.
„Wir haben nicht unverdient gewonnen. Wir sind mehr oder weniger aus dem Nichts in Rückstand geraten, zeigen dann aber unfassbar viel Herz und eine große Moral“, sagte JSG-Trainer Chris Kockerols: „Es war ein richtiges Derby, in dem alles drin war.“
