Die Turnerinnen des Euskirchener TSC führen die Tabelle der Landesliga 1 an. Und eine eigens initiierte Speedliga wird sehr gut angenommen.
Erfolgreiches TeamTurnerinnen des Euskirchener TSC geben weiter Gas

Der Euskirchener TSC führt nach zwei Turntagen die Tabelle der Landesliga 1 an. Unter dem vereinsinternen Namen „Benzin“ turnen: Milla Zoch ( v.l.), Anouk Hauser, Neele Habeth, Carolina Hartmann und Paula Sina.
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„Same procedure as every year“ sagt nicht nur Miss Sophie in „Dinner for One“ zu ihrem Butler James. Man könnte es auch als Motto der Turnerinnen des Euskirchener TSC sehen. 2023 haben sie mit dem Ligaturnen angefangen. Direkt im ersten Jahr gelang der Aufstieg von der Landesliga 4 in die Landesliga 3. 2024 und 2025 folgten die nächsten Schritte in die jeweils höheren Ligen.
Nun sind sie in der Landesliga 1 angekommen – und stehen nach zwei Turntagen an deren Spitze. „Uns reicht beim dritten Turntag Platz sechs“, hat Trainer Manuél Heister ausgerechnet. Unter bestimmten Konstellationen würde es sogar reichen, wenn man einfach nur antritt in der mit acht Mannschaften besetzten Liga.
Eigenwillige und vereinsinterne Mannschaftsbezeichnungen
Die Benennungen der unterschiedlichen Gruppen sind eigenwillig. Unter dem vereinsinternen Namen „Benzin“ turnt die Mannschaft, die als einzige im offiziellen Ligabetrieb des Rheinischen Turnerbundes (RTB) antritt. Neele Habeth, Carolina Hartmann, Anouk Hauser, Paula Sina und Milla Zoch haben sich an den beiden Turntagen in der Landesliga 1, der höchsten der vier Landesligen, sehr gut verkauft.
Am ersten Turntag im März musste sich das Team nur knapp dem TV Mülheim geschlagen geben. Beim Sprung und am Boden war man siegreich. Ausnahmeturnerin Anouk Hauser war die jeweils Beste beim Sprung und am Balken und die jeweils zweitbeste am Barren und am Boden. „Die haben das toll gemacht und waren, bis auf ein paar Kleinigkeiten am Balken, der nicht so gut geklappt hat, superstark“, fasst es Heister zusammen. Mülheim sei aber zurecht Erster geworden.
Turnerinnen des ETSC hatten mit der Hitze zu kämpfen
Am vergangenen Wochenende in Würselen hatten die Turnerinnen auch mit der Hitze zu kämpfen. Es sei lange überlegt worden, den Turntag abzusagen – so wie das in der 3. Liga und der Regionalliga getan wurde. Aber weil es schwierig gewesen wäre, jetzt noch einen Ersatztermin zu finden, wurde doch geturnt. Es war den Teams allerdings freigestellt, ob sie antreten. „Wir waren gut vorbereitet, hatten Kühlboxen, Wassersprühflaschen, Eiswürfel und Handtücher zum Frieren dabei“, berichtet Heister.
Vielleicht lag es daran, dass die fünf jungen Frauen einen kühlen Kopf bewahrt haben. Aber sie setzten sich gegen die Konkurrenz durch und erzielten – außer am Balken – jeweils die beste Teamwertung. „Der Wettkampf ist super gelaufen, auch wenn manches hätte anders gehen können“, fasst Heister es zusammen. So sei Anouk Hauser, die am Barren, beim Sprung und am Boden Wettkampfbeste war, am Balken gefallen, auch Paula Sina sei einmal gestürzt. Neele Habeth habe in einer kritischen Situation den kühlen Kopf bewahrt und einen Zwischenschwung eingebaut, der einen geringeren Punkteabzug bedeutete als ein Sturz.
Darauf freue ich mich sehr, dann das birgt auch hohe Entwicklungsmöglichkeiten.
Vor dem dritten und letzten Turntag im September ist Spitzenreiter Euskirchen in der luxuriösen Position, dass sie nur noch sechster werten müssen. Nach dem Aufstieg müssen die Übungen der Leistungsklasse 1 entsprechen, die Anforderungen werden also höher. Aber Manuél Heister hat dazu seine eigene Meinung: „Darauf freue ich mich sehr, dann das birgt auch hohe Entwicklungsmöglichkeiten.“
Die Zahl der Mannschaften in den Landesligen des RTB ist begrenzt. Doch es gibt noch genug Teams, die gerne in einem Ligensystem turnen und sich mit anderen Vereinen messen möchten. So hat alleine der Euskirchener ETSC 75 Turnerinnen. „Wir platzen aus allen Nähten“, sagt der Trainer. In zwei Trainingsgruppen wurden die Turnerinnen verteilt: Die 45er-Gruppe wird von Anouk Hause und Neele Habeth trainiert, für die 30 „Großen“ ist Manuél Heister zuständig. „Wir bräuchten eigentlich noch Untergruppen“, sagt er.
Turnerinnen des ETSC gründen sogar neue Liga
Der ETSC hat neben „Benzin“ noch die Teams „Super“, „Diesel“ und „Elektro“, in der von Euskirchen initiierten Speedliga antreten, die außerhalb der starren Strukturen des RTB existiert. Nach einer erfolgreichen Debütsaison war das Interesse anderer Vereine an einer Teilnahme so groß, dass es mittlerweile zwei Ligen mit je zehn Mannschaften, von denen jeweils zwei oder drei auf- und absteigen. „Die Speedligen werden super angenommen. Es wirkt, als ob es sie schon immer gegeben hätte“, so Heister.
Das Niveau der Liga ist so hoch, dass dort ausschließlich Kür geturnt wird. Die Euskirchener, die den dritten Turntag zum Finale ausrichten werden, haben zwei Teams („Super“ und „Diesel“) in der Speedliga 1 und ein Team („Elektro“, eine Mischung als älteren und Nachwuchsturnerinnen) in der unterklassigen Speedliga 2. Alle drei Mannschaften seien gut besetzt. „Super“ wurde bei den beiden Turntagen 3. und 5., „Diesel“ jeweils 4. und „Elektro“ 9. und 8. „Aus den Speedligen kommen die meisten Mannschaften, die später Ligaquali-Quali turnen“, erklärt Heister, der gerne eine zweite Mannschaft in die RTB-Ligen bekommen würde, dies sei aber kein Zwang.
Bei der Grand-Prix-Serie im Turnen sind die Ergebnisse schlechter als erhofft
Auch an der Grand-Prix-Serie im Turnen nimmt der ETSC teil. Die Ergebnisse seien zwar nicht so gut wie erhofft, die Stimmung allerdings umso besser. Es gebe eine klare Trennung zwischen Kür und P-Turnen, man unterstützte sich gegenseitig.
In fünf Altersklassen haben Turnerinnen des ETSC außerdem an den Verbandsmeisterschaften teilgenommen, zwei sind als Siegerinnen heimgekehrt. Mit großem Abstand gewann Anouk Hauser in der Leistungsklasse 1, auch Darya Kartunova setzte sich in der Klasse 2012/13 durch.
Ein Sonderlob vergab Manuél Heister an die erst zehnjährige Lilli Terting, die „Jüngste unter den Großen“, die Vizeverbandsmeisterin in der Altersklasse 2014 und jünger wurde. „Sie ist eine große Ausnahme. Dass Sie die jüngste ist, fällt mittlerweile nicht mehr auf“, so Heister.
Anouk Hauser und Neele Habeth haben zudem als erste Turnerinnen aus Euskirchen am RTB-Cup teilgenommen, einem „hochklassigen Wettkampf“. Hauser verpasste als Drittplatzierte die Qualifikation für den Deutschland-Cup knapp. Sie hatte ihr Darbietung ein wenig umgestellt und landete nur um ein paar Zehntel Punkte hinter den Erstplatzierten. Habeth wurde Zehnte von 15 Teilnehmerinnen. Aber auch sie erhielt viel Lob von ihrem Trainer. „Sie hat schön geturnt, ist aber beim Wettkampf am Barren abgestiegen. Es ist nicht unüblich, dass mal eine Wertung danebengeht.“ Im Herbst findet die Qualifikation für die Mannschaften statt.
