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Kommentar

Doppelspitze
Das WM-Aus gegen Paraguay sorgt auch im Kreis Euskirchen für Kopfschütteln

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und
5 min
Die deutschen Nationalspieler Nathaniel Brown, Leon Goretzka, Malick Thiaw, Nick Woltemade und Nadiem Amiri reagieren nach dem Spiel unzufrieden. Deutschland verliert im Elfmeterschießen.

Raus ohne Applaus, ab nach Haus: die deutsche Elf.

Die Lokalsportredaktion Euskirchen mit drei Thesen nach dem WM-Aus von Deutschland. Eine davon: Frankreich wird Weltmeister.

Aus der WM-Viererkette wird eine Doppelspitze und damit zum WM-TNT – einfach deshalb, weil wir nach dem Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft keine „Externen“ mit der Schmach von Boston konfrontieren wollen. Aber als Lokalsportredakteur ist man Kummer gewohnt. Deshalb hier unsere abschließenden Meinungen zur WM in Thesenform.

Julian Nagelsmann hat fertig. Jürgen Klopp muss übernehmen.

Thomas: Ronald Koeman als Nationaltrainer der Niederlande ist nach dem Aus zurückgetreten, Sebastian Beccacece von Ecuador ebenfalls. Und Julian Nagelsmann? Steht bereit, wenn man das möchte. Nach dem Auftritt der Mannschaft hoffe ich, dass man beim DFB nicht mehr möchte.

Denn gefühlt erreichte kaum ein Nationalspieler die Form, die man aus den Vereinen gewohnt ist – und das kann nicht nur an den Spielern liegen, sondern auch daran, wie sie spielen sollen. Vielleicht fehlt für Nagelsmann-Fußball das richtige Personal. Dann ist es Aufgabe des Trainers, ein richtiges, passendes System zu finden. Hat Nagelsmann aber nicht. Hinzu kamen einige seltsame Wechsel und Entscheidungen.

Ob Jürgen Klopp jetzt aber der Heilsbringer ist, weiß ich nicht. Der hat, seit er bei Leipzig ist, ein wenig Kredit bei mir verspielt.

Tom: Die Kommunikation von Julian Nagelsmann war von Beginn an eine Vollkatastrophe. Ein Leistungsprinzip ausrufen und es dann selbst ein paar Mal über den Haufen werfen – so verliert man eine Mannschaft. Würde er dieses Leistungsprinzip für sich anwenden, würde er sich wohl selbst nicht mehr nominieren. Aber die objektive Wahrnehmung, die es nicht gibt, weil immer das subjektive Empfinden in eine objektive Meinung einfließt, scheint völlig abhanden zu kommen.

Tom Steinicke

Tom Steinicke

ist in der Redaktion Euskirchen für den Kreis zuständig. Zudem unterstützt er den Lokalsport, ist auf der ständigen Jagd nach Geschichten sowie als Polizeireporter unterwegs. Das Volontariat hat er in...

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Und sollte es tatsächlich um eine Abfindung in Höhe von 14 Millionen Euro gehen und Nagelsmann deshalb nicht zurücktreten, sondern auf seine Entlassung „hoffen“ – dann sagt das auch viel aus. Das einzig Positive am desaströsen Aus gegen Paraguay – wir haben uns die Blamage gegen Frankreich erspart.

Sein Nachfolger kann nur Jürgen Klopp sein – oder Peter Neururer. Spaß beiseite. Die Nummer mit dem Dosenverein – er ist ja nicht nur bei Leipzig, sondern Head-of-alles-Red-Bull, stört mich auch. Aber ich wäre großer Fan von Klopp. Er ist ein Menschenfänger und holt gerne die sprichwörtlichen Prozent mehr aus den Spielern heraus.

Der deutsche Kader muss komplett umgekrempelt werden. Kein Stein darf mehr auf dem anderen bleiben.

Thomas: Die These ist ja bewusst überspitzt formuliert. Denn mir ist natürlich klar: Man kann jetzt nicht alle 26, die im WM-Kader waren, rauswerfen. Aber es spricht ja nichts gegen ein bisschen mehr Mut. Neuer ist (mal wieder) zurückgetreten, vom Alter her sind auch Baumann, Rüdiger und Groß in Bereichen, wo man aufhören könnte.

Ein paar junge Wilde haben wir, weshalb mir besonders der Ausfall von Lennart Karl wehgetan hat. Klar ist aber auch: Es gibt Positionen, auf denen wir nicht gut besetzt sind. Es hat ja einen Grund, warum Kimmich Rechtsverteidiger spielt. Oder Wirtz auf dem linken Flügel. Ein echter Knipser vorne drin fehlt auch. Da muss also tiefer angesetzt werden.

Thomas Schmitz

Thomas Schmitz

Lokalsportkoordinator in der Redaktion Euskirchen. Außerdem kümmert er sich um die Stadt Bad Münstereifel. Er war von Herbst 2004 bis Mitte 2014 bereits in der Euskirchener Redaktion als Digitaljourna...

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Tom: Ich stelle eine wilde These auf. Ich fände den kompletten Umbruch richtig gut. Und wenn das zur Folge hätte, dass sich die deutsche Nationalmannschaft nicht für die nächste Euro qualifiziert, dann würde ich das in Kauf nehmen. Aber aus meiner Sicht ist die Qualität – grundsätzlich zumindest – vorhanden, mit einer jungen Mannschaft auch bei der EM in zwei Jahren dabei zu sein. Der eine oder andere kann ja Fußball spielen, er hat es nur nicht abgerufen. Die Zeit von Sané, Goretzka und Co. sollte aber – unabhängig vom neuen Trainer – abgelaufen sein.

Frankreich wird Weltmeister

Tom: Es klingt jetzt vielleicht doof, aber auch schon vor der WM ging bei meinen Tippspielen kein Weg an Frankreich als Weltmeister vorbei. Die bisherigen Auftritte haben das nur bestätigt. Und wer den Jubel nach dem 1:0 gegen Schweden gesehen hat, der weiß: Da stehen nicht nur elf überragende Einzelkönner auf dem Platz, sondern nun auch ein Team. Wie alle zum Trainer gelaufen sind und ihm das Tor gewidmet haben – das war Teamspirit pur.

Daran konnte man vor dem ersten Spiel ein wenig Zweifeln. Gerade der Umgang mit N'Golo Kanté ließ viel Spielraum für Spekulationen, ob die Egos nicht doch größer sind als die Mannschaft selbst. Spannend dürfte es werden, wenn Frankreich mal einem Rückstand hinterlaufen muss. Aber aktuell würde ich sagen, dass es ihnen völlig egal sein kann, weil die individuelle Klasse überragend ist. Und was da von der Bank kommt, ist nicht minder beeindruckend.

Thomas: Allein die Offensive ist der Wahnsinn, was ja auch Schweden jetzt feststellen musste: Besonders Mbappé, Dembelé und Olise sind kaum aufzuhalten – und dann gibt es ja auch noch Barcola und Doué. In bisher jedem WM-Spiel hat diese Offensive mindestens drei Tore erzielt. Und die Verteidigung hat nur zwei Gegentore zugelassen, was auch an einem bärenstarken Dayot Upamecano liegt.

Frankreich ist also klarer Favorit, und ich bin froh, dass wir nicht gegen dieses Team spielen müssen. Aber: Spanien, Argentinien, vielleicht auch Portugal und von den Namen her England sind nicht zu unterschätzen. Und dass Brasilien doch mal ein Feuerwerk starten kann, hat man in der zweiten Halbzeit gesehen.