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TruppenübungsplatzAnlieger aus Schleiden und Hellenthal dürfen im Camp Elsenborn wandern

Lesezeit 3 Minuten
Zwei Männer in Militär-Uniformen sprechen vor einer Versammlung in einem Saal.

Die Fragen der Anwohner beantworteten Kommandant David Marquez y Torres (r.) und sein Adjutant Fabien Briot.

Mit einer Platzkarte dürfen Schleidener und Hellenthaler an übungsfreien Tagen auf dem Gelände des belgischen Camp Elsenborn wandern.

So versteckt es auch liegt, seine Anwesenheit ist häufig unüberhörbar. Immer wieder, besonders, wenn der Wind wie so oft aus Westen über das hohe Venn bläst, schallt das Krachen von Kanonen oder das Rattern der Maschinengewehre vom Camp Elsenborn viele Kilometer weit über die Eifel.

Wer vielleicht 20 Kilometer von der Grenze entfernt wohnt, nimmt das als Geräusch im Hintergrund wahr, doch für die direkten Anwohner bedeutet das nur eins: Lärm. Immer wieder wird von wackelnden Scheiben oder Türen berichtet, wenn sich die Anlieger bei den Nachbargemeinden des Truppenübungsplatzes über die Geräuschentwicklung beschweren.

In Elsenborn setzt man nun auf Offenheit und Transparenz

Doch seit zwei Jahren hat sich die Informationspolitik des Lagers grundlegend geändert. Offenheit und Transparenz versprechen die Verantwortlichen – und setzen sie auch  um. Am Donnerstag hielten Lagerkommandant Major David Marquez y Torres und sein Adjutant Oberstabsfeldwebel Fabien Briot zum zweiten Mal eine Bürgersprechstunde ab, bei der sich Anwohner über das Lager und die geplanten Trainingszeiten in diesem Jahr informieren konnten.

Der Lärm war dieses Mal nicht das zentrale Thema, das die Menschen interessierte. Sehr viel mehr ging es ihnen um die Zugangsscheine, mit denen es möglich ist, in den trainingsfreien Zeiten die Wege des Truppenübungsplatzes zu begehen. „Die Möglichkeit, auf dem Platz zu wandern, ist bei den Anwohnern sehr beliebt, weil der Truppenübungsplatz eine fantastische Flora und Fauna hat“, so Briot. Doch grundsätzlich gilt in Belgien bei militärischem Gebiet ein absolutes Betretungsverbot. „Elsenborn ist der einzige der belgischen Truppenübungsplätze, bei dem die Möglichkeit besteht, mit einer Ausnahmegenehmigung die Wege zu begehen“, so Marquez y Torres.

Nur die direkten Nachbarkommunen erhalten die Zugangskarten

Die Voraussetzungen dafür sind streng. Nur die Bürger der sechs Gemeinden, die rund um das Truppenübungsgelände liegen, dürfen bei der Lagerkommandantur eine Platzkarte beantragen: Auf deutscher Seite sind das die Menschen aus Hellenthal, Schleiden und Monschau, auf belgischer Seite die aus Büllingen, Bütgenbach und Weismes. Bis zu fünf Erwachsene dürfen damit, wenn kein Trainings- oder Schießbetrieb auf dem Gelände ist, die Wege benutzen. An den Eingängen zum Militärgelände wird mithilfe einer Trommel angezeigt, ob Gefahr besteht oder nicht. Ist sie oben, besteht Gefahr, ist sie unten, dürfen die Wege begangen werden.

Dass der Lärm nicht das Hauptthema sei, komme nicht von ungefähr, betonte Briot. Die „Nebenwirkungen“ des Lagers seien maximal reduziert worden, um die Lebensqualität der Anwohner zu gewährleisten. „Seit wir im Jahr 2021 die Schießzeiten geändert haben, gibt es viel weniger Beschwerden“, sagte er. Während bis dahin an sieben Tagen nachts geschossen werden durfte, ist das jetzt auf wenige Tage pro Woche beschränkt. Auch werden die Schießzeiten und die verwendeten Waffen im Internet bekannt gegeben. Die Anzahl der Wochenenden, an denen geübt werde, sei auf zwölf bis 14 begrenzt worden. Früher seien es 32 gewesen, erklärte Briot.

Die Soldaten müssen auch nachts trainieren

Lästig für die Anwohner sind vor allem die nächtlichen Übungen. Doch Soldaten müssten auch nachts trainieren, so Briot. Es sei aber sichergestellt, dass im Winter nicht später als 23 Uhr geschossen werde, im Sommer nicht später als 24 Uhr.

Dass es weniger Beschwerden gibt, bestätigt Bürgermeister Friedhelm Wirtz aus Büllingen. „Ich glaube aber nicht, dass sich die Situation grundlegend geändert hat.“ Doch entweder haben die Menschen es aufgegeben, sich zu beschweren, oder sie haben den Grund für die Belästigungen verstanden.

Die Leute hätten die nötigen Erklärungen durch die Kommandantur erhalten und seien jetzt informiert. „Man muss sich damit abfinden, dass der Truppenübungsplatz da ist“, so Wirtz. Die Soldaten müssten üben. Die Kommunikation mit dem Camp sei gut: „Der Weg ist ein guter, den sollte man mitgehen, dann passt das.“


Camp Elsenborn

  • 1895 wurde der Truppenübungsplatz Elsenborn vom preußischen Militär angelegt. Er ist 28 Hektar groß, das dazugehörige Lager sechs Hektar. Dazu kommen noch verschiedene Sicherheitszonen.
  • Genutzt wird das Gelände vom belgischen Heer und anderen Dienststellen, wie etwa Polizei oder Zoll. Auch ausländische Truppen üben hier, ebenso das deutsche Bundeskriminalamt oder die GSG 9. Private Firmen trainieren hier nicht.
  • 2022 trainierten hier 85.500 Personen. Dabei wurden rund 17.000 Schüsse abgegeben, von kleinen bis zu großen Kalibern. Die lauteste Waffe, mit der in Elsenborn geschossen wird, ist ein 122mm-Mörser.
  • Mehrmals im Jahr trainiert auch die Luftwaffe. Für diese Übungen wird dann die Straße zwischen Wahlerscheid und Rocherath gesperrt. Diese Sperren werden vorher bekannt gegeben und durch Ampeln geregelt.
  • Seit 1994 besteht ein Abkommen mit den sechs Anliegerkommunen, in dem die Zusammenarbeit geregelt ist. Zweimal im Jahr tagt ein Beirat. (sev)
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