Der Gemeinschaftsgrundschulverbund Hellenthal will sich als Unicef-Kinderrechteschule zertifizieren lassen. Ein Projekt sind Friedenstreppen.
Ohne GewaltGrundschüler in Hellenthal sollen Konflikte mit der Friedenstreppe lösen

Mit der Friedenstreppe sollen die Grundschüler in Hellenthal und Reifferscheid Konflikte lösen.
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„Konflikte gehören zum Schulleben dazu. Wichtig ist, wie man damit umgeht“, sagt Yvonne Schäfer, Leiterin des Gemeinschaftsgrundschulverbundes (GGV) Hellenthal. An den beiden Schulstandorten in Hellenthal und Reifferscheid sollen jetzt kleine Friedenstreppen dabei helfen, Streitigkeiten gewaltfrei zu lösen. „Dazu gehört, sich die Meinung des anderen anzuhören und Kompromisse zu finden“, betont Schäfer.
Beim GGV Hellenthal sollen die Kinder von Beginn ihrer Schulzeit an mitbestimmen. „Dafür haben wir Klassenräte und ein Kinderparlament“, erzählt die Schulleiterin. Die Demokratiebildung sei ein wichtiges Thema: „Die Kinder lernen bei uns früh, dass sie eine Stimme haben.“ Jüngst habe das Kinderparlament einen Brief mit Vorschlägen an Hellenthals Bürgermeister Martin Berners geschickt. „Dabei wurde zum Beispiel die Einrichtung eines Fußgängerüberwegs an der Turnhalle in Hellenthal vorgeschlagen“, berichtet Schäfer. Die Kinder würden aber auch lernen, dass nicht alles möglich sei und dass sie auch Pflichten hätten.
Programm umfasst sieben Stufen mit fünf Modulen
Der GGV Hellenthal will als erste Schule im Kreis Unicef-Kinderrechteschule werden und durchläuft gerade eine dreijährige Zertifizierung. Im Rahmen von Projekten und anderen Aktionen sollen die rund 220 Schüler lernen, sich selbst und andere in ihrer Würde zu achten und sich für ein faires Miteinander in Schule und Gesellschaft einzusetzen.

Das Projekt Friedenstreppe haben Thomas Müller und Yvonne Schäfer gemeinsam umgesetzt.
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Grundlage des Programms ist das Kinderrechteschulen-Training für Schul- und Fachpersonal. Dieses umfasst sieben Stufen mit fünf thematischen Modulen. Die einzelnen Stufen vereinen digitale Lerneinheiten mit Präsenzveranstaltungen und Aktivitäten in der Schule. Jede Stufe bietet neben theoretischem Wissen auch praxisnahe Beispiele für die Umsetzung der Kinderrechte im Unterricht und Schulalltag.
Das Unicef-Projekt wird vom Land Nordrhein-Westfalen unterstützt. Mit einer Auftaktveranstaltung im Ministerium für Schule und Bildung NRW waren im Oktober 2025 weitere 24 Grundschulen gestartet. Dabei konnten die Kinder in Workshops mehr über Kinderrechte erfahren, Jacken gestalten und den Innenhof des Ministeriums mit einem Kreidegraffiti zu verschönern. Die Schulleitungen, Lehrkräfte und weiteren pädagogischen Fachkräfte konnten das Programm näher kennenlernen.
Hellenthaler wollen Konflikte lösen und dabei aufeinander zugehen
„Die Friedenstreppe ist eine Aktion im Rahmen der Zertifizierung zur Kinderrechteschule“, sagt Schäfer. In vier Stufen sollen auf der Treppe Konflikte gelöst und dabei aufeinander zugegangen werden. Zuerst geht es auf der roten Stufe darum, was passiert ist. Dann wird gefragt, wie sich die Beteiligten fühlen (orange) und was sie sich wünschen (gelb). Am Ende soll dann auf der grünen Ebene eine Lösung in Form eines Kompromisses gefunden werden.
Vorher müssen sie sich die Meinung des anderen anhören. Das sei wichtig für die Empathiebildung. „Manchmal brauchen Kinder aber auch etwas Zeit, vor allem dann, wenn der Unmut noch groß ist“, weiß die Schulleiterin. Bevor die Treppe zum Einsatz komme, bekämen die Kinder aber noch eine kurze Einweisung.
Gestiftet wurden die Treppen von der Firma Müller & Sohn aus Kall. Geschäftsführer Thomas Müller lebt in Blumenthal, seine Tochter besucht die Schule in Reifferscheid. „In einer Vorstandssitzung des Fördervereins kam das Projekt ‚Friedenstreppe‘ zur Sprache“, erzählt Müller. Da seine Firma Spezialist für Treppenbau sei, habe er gleich zwei Exemplare zugesagt. Sie bestehen aus farbig beschichteten Stahlplatten. „Ich finde es gut, dass den Kindern ein Weg aufgezeigt wird, wie man Konflikte gemeinsam lösen kann“, betont der Geschäftsführer.
Unicef-Kinderrechteschule
Mehr als 16.000 Kinder besuchen nach Angaben von Unicef aktuell eine Kinderrechteschule in Deutschland. 75 Schulen und rund 2200 Lehr- und Fachkräfte aus vier Bundesländern nehmen an dem Programm teil.
Das Programm beinhaltet sowohl ein umfassendes Kinderrechte-Training mit Zertifizierung als auch eine Rezertifizierungsphase. Es läuft nur in den vier Bundesländern Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Schleswig-Holstein. Weitere Bundesländer sollen folgen.
Das Kinderrechte-Training umfasst sieben Stufen mit verschiedenen thematischen Modulen und dauert etwa eineinhalb bis zwei Jahre. Ziel ist, dass die Kinderrechte an Schulen von der Schulgemeinschaft und darüber hinaus bekannt, gelernt, respektiert, geschützt und gefördert werden. So sollen sie ins alltägliche Handeln von Kindern und Erwachsenen einfließen.

